Suche

Eine Frau beim Rosenkranzgebet Eine Frau beim Rosenkranzgebet  (@VATICAN MEDIA)

Ö: Rosenkranz-Rapper übersetzt Bibelverse in Jugendsprache

Mit päpstlichem und bischöflichem Segen will Firmbegleiter und Musiker Michalitsch Jugendliche animieren, mit Neugier, Kreativität und über Freiräume ihren Glauben zu erkunden.

Den päpstlichen Segen für seinen „Rosenkranz-Rap“ hat der Wiener Künstler „Freeman Vienna“ bereits. Zusammen mit Bischof Hermann Glettler reiste Philipp Michalitsch Ende April in den Vatikan, um Papst Leo XIV. sein Projekt vorzustellen. „Mama Mary“ heißt der Song, den er zusammen mit dem Priesterseminaristen Sebastian Cotroneo („PietroPizzi“) und Matthias „Maron“ Haberler verfasst hat. Damit wollen sie Bibelverse in die Lebenswelten von Jugendlichen holen. Doch der Rosenkranz-Rap ist mehr als ein Lied. Den Beat oder die „beads“ (engl. Rosenkranzperlen) will Freeman an Jugendliche weitergeben.

„Watsche von Gott“

Michalitsch selbst habe sich oft unverstanden gefühlt und Kirche mit Zwang verbunden, erzählt er im Kathpress-Interview. Nach vielen Irrwegen habe er schlussendlich eine „Watsche“ von Gott bekommen – „und zwar eine, die gesessen hat“. Danach sei für ihn nichts mehr gleich gewesen. Das Beten des Rosenkranzes habe ihm aus der Krise geholfen. Und nun wolle er das Gebet weitergeben. Die Musik sei perfekt dafür geeignet.  

„Was hier die meisten immer noch nicht verstehen: Gott liest man nicht in Büchern, Gott kann man sehen“

„Früher war ich ein Arschloch. Ich geb' es zu - und wenn mich wer rettete, dann warst das du. Was hier die meisten immer noch nicht verstehen: Gott liest man nicht in Büchern, Gott kann man sehen“, heißen Zeilen seines Liedes „Holy Ghost“. Genau das will er den Jugendlichen mit dem Rosenkranz-Rap vermitteln - auch in der Firmbegleitung, bei seinen Workshops „Rap and Pray“, die er in der Erzdiözese Wien abhält.

„Mehr relatable“

„Die Kinder und Jugendlichen sollen sich mit Neugier, Kreativität und über Freiräume ihren Glauben erschließen“, erklärt der christliche Rapper. „Beim Rosenkranz-Rap werden nicht die Rosenkranzgesätzchen gerappt, sondern der siegreiche Rosenkranz wird auf unser Leben draufgespielt“. Die Zeilen sollen für die Jugendlichen mehr „relatable“, also nachvollziehbarer sein.

„Die Kinder und Jugendlichen sollen sich mit Neugier, Kreativität und über Freiräume ihren Glauben erschließen“

Es mag auch das besondere Aussehen des Künstlers sein, das Jugendliche anspricht: Seine „Bekehrung“ ist auf seinem Körper tätowiert abzulesen. Die Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sind hebräisch auf seinen Händen und seinem Arm verewigt. Ebenso das Bild seines Namenspatrons, des heiligen Filippo Romolo Neri, der sich vor allem um Jugendliche sorgte, sowie betende Hände und Himmelschlüssel auf der Brust und die Evangelisten auf seinen Beinen. „Bei mir sieht man, was Sache ist. Ich krieg den Namen des Herrn nicht mehr weg“, sagt Michalitsch - schmunzelnd auf seine Hände zeigend.

Bischöflicher Segen mit Beatbox-Einlage

Die Idee zum Rosenkranz-Rap stammt von dem damals 91-jährigen und mittlerweile verstorbenen Josef Pirmann, der über einen Artikel im Wiener „Sonntag" auf den Künstler aufmerksam wurde. Er rief Michalitsch an, als dieser gerade am Wallfahrtsort Fatima war. „Er hatte so ein Feuer für den Rosenkranz. Er bat mich, über die Musik Jugendliche dafür zu begeistern, ihn wieder zu beten."

Schon 2022 erklärte Michalitsch, mit seinem Rap beim Papst vorstellig werden zu wollen. Bischöfliche Empfehlung für eine Audienz erhielt der Rapper vom Schirmherrn des Projekts „Rosenkranz-Rap", dem Wiener Weihbischof Turnovszky, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, dem Salzburger Bischofsvikar Gerhard Viehhauser und dem Innsbrucker Bischof Glettler, zuständig für Kunst und Kultur in der Bischofskonferenz. Letzterer zeigte sich nach dem Papstbesuch „beatboxend" in einem Video mit dem Künstler auf Social Media.

Begegnung mit dem Papst

Am 29. April dieses Jahres war es dann so weit: „Ich habe dem Papst erzählt, dass ich christlichen Rap mache, der Jugendliche mit einer anderen Sprache erreichen will. Nach seinem zustimmenden Nicken bin ich auf die Knie gegangen, und er hat mich für meine Jugendarbeit gesegnet." Zuvor sei es „kurz peinlich" gewesen. „Ich kam bei Leo XIV. zu stehen, und mein Handywecker hat geläutet - eine Gebetserinnerung für meine Firmpatenkinder."

„Ich kam bei Leo XIV. zu stehen, und mein Handywecker hat geläutet - eine Gebetserinnerung für meine Firmpatenkinder.“

Segnen ließ der Rapper auch seine selbst geknüpften Gebetsketten. Seither trägt er die gesegneten Perlen um den Hals: einen siegreichen Rosenkranz, gefolgt von einer weißen Perle für die Begegnung mit dem Papst und einem Rosenkranz zum Heiligen Josef.

Im Protokoll der Audienz habe es auch gelb unterstrichen geheißen, es sei nicht vorgesehen, den Rosenkranz-Rap vorzutragen, lacht Michalitsch. Sein Papstbesuch könne Jugendlichen aber als Inspiration dienen: „Mit neuer Musik kann man zum Kirchenoberhaupt kommen, wenn man nur fest daran glaubt." Nun träumt der Künstler davon, ein Rap-Rosenkranz-Konzert am Petersplatz zu geben.

(kap – nm)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

08. Juni 2026, 11:08