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Sr. Philomena Okwu hilft in Nigeria Opfern von Menschenhandel Sr. Philomena Okwu hilft in Nigeria Opfern von Menschenhandel   #SistersProject

Menschenhandel: Die Sichtbarkeit wächst

Der UN-Welttag gegen Menschenhandel an jedem 30. Juli ruft ein Phänomen in Erinnerung, das viele lieber übersehen würden. Moderne Sklaverei ist aber Realität. Gut, dass diese unbequeme Realität in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit gewonnen hat – vor allem auch dank katholischer Ordensleute. Wir sprachen darüber mit Martina Liebsch, Leiterin der Arbeitsgruppe gegen Menschenhandel in der Migrationskommisssion der Deutschen Bischofskonferenz.

Frau Liebsch, nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Internationalen Organisation für Migration, IOM, leben ungefähr 50 Millionen Menschen weltweit in Situationen moderner Sklaverei. Und Menschenhandel generiert jedes Jahr illegale Gewinne von etwa 230 Milliarden US-Dollar. Wird denn das Phänomen global betrachtet größer oder kleiner?

Martina Liebsch: Was sicher größer wird, ist die Sichtbarkeit. Der am 29.7.2026 herausgegebene Bericht von Thalita Kum (dem Netzwerk von Frauenorden gegen Menschenhandel) redet von zum Beispiel 1,2 Millionen Menschen, die erreicht worden sind. Das heißt, das Sichtbarwerden des Phänomens wird größer. Das Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes besagt, es gibt eine höhere Zahl an Fällen, zum Beispiel in der sexuellen Ausbeutung. 

„Das Bedauerliche bei den Scams ist, dass in vielen Fällen die Betrüger selber Opfer sind“

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Kriminalität ändert ja fortlaufend ihre Methoden, so ist es auch beim Menschenhandel. Welche neuen Tricks finden sich da bei uns zurzeit häufiger im Menschenhandel?

Martina Liebsch: Scams nehmen zu. Die Digitalisierung insgesamt hat das Phänomen befeuert. Scams sind Kontaktaufnahmen zwischen Personen, um Menschen zu betrügen. Es wird ihnen gesagt, ein Verwandter von dir hat gerade ein riesiges Problem und ist im Gefängnis, du musst jetzt sofort zur Bank, um 15.000 Euro abzuheben, um denjenigen dann frei zu kaufen, und so wird das Geld erpresst. Das Bedauerliche bei den Scams ist, dass in vielen Fällen die Betrüger selbst Opfer sind. Es wird berichtet, dass es unter anderem in Asien eben sogenannte Callcenter gibt - das sind dann Orte irgendwo abgelegen, wo Menschen hingelockt werden mit der Idee, dort eine ordentliche Arbeit auszuführen und dann wird ihnen eben der Pass weggenommen und sie sind gezwungen, solche Scams durchzuführen. Also das heißt, andere Menschen zu betrügen. Wir haben es mit einer kriminellen Tat zu tun, in der es zwei Opfer gibt: das betrogene Opfer und das, das den Betrug durchführt und oft vermutet man, dass dahinter kriminelle Organisationen stehen.

Martina Liebsch
Martina Liebsch

Eigentlich wirken viele Kräfte in Europa und auch in Deutschland zusammen, um Menschenhandel zurückzudrängen. Behörden, Einsatzkräfte, NGOs. Wie würden Sie ganz kurz diese Zusammenarbeit beschreiben?

Martina Liebsch: Die Zusammenarbeit ist notwendig. Das hat man lange Zeit eher beschworen, und jetzt kommt es stärker auch in die Umsetzung. Es gibt an verschiedenen Orten zum Beispiel auch Vereinbarungen zwischen Polizei und Beratungsstellen. Der Koordinierungskreis gegen Menschenhandel in Deutschland hat kürzlich eine Kooperationsvereinbarung mit dem Bundeskriminalamt abgeschlossen. Das heißt, man hat begriffen, die Zusammenarbeit ist notwendig, und man muss investieren, denn nur so, in diesen multidisziplinären Netzwerken, wo verschiedene Personen zusammenkommen, kann man vorankommen.

„Ordensschwestern waren am Beginn dessen, was wir heute Arbeit gegen Menschenhandel nennen“

Welche Rolle spielen insgesamt katholische Akteure und Akteurinnen im Kampf gegen den Menschenhandel?

Martina Liebsch: Katholische Akteure haben den großen Vorteil des weltumspannenden Netzwerks, der jetzt auch stärker ins Bewusstsein kommt. Ich finde ein Opfer in einem Land und kann es dann an Orden in einem anderen Land verweisen. Zweitens haben sie auch oft einen Vertrauensvorschuss gegenüber vielleicht Behörden, Polizei, sodass Opfer zunächst eher eine kirchliche Beratungsstelle aufsuchen. Und eines muss man auch sagen, die katholischen Akteure, insbesondere Ordensschwestern, waren am Beginn dessen, was wir heute Arbeit gegen Menschenhandel nennen. Wir erinnern uns an Schwester Lea Ackermann von Solwodi, die das Thema überhaupt erst in Deutschland öffentlich bewusst gemacht hat. In anderen Ländern war das ähnlich.

Das Gespräch führte Gudrun Sailer

(vatican news – gs)

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30. Juli 2026, 14:10