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Papst Leo im Gebet Papst Leo im Gebet  (@Vatican Media)

Radio-Akademie (3): Kar- und Ostergedanken von Papst Leo

Es sind seine bisher persönlichsten, geistlichsten Texte: Schon kurz nach seiner Wahl im Mai letzten Jahres hat Leo XIV. damit begonnen, sich eingehend mit dem Leiden und der Auferweckung Jesu zu beschäftigen.

Diese Betrachtungen des Papstes stellen wir Ihnen in unserer Radio-Akademie in der Fastenzeit vor. Kennzeichnend für das Herangehen Leos XIV. an die Heilige Schrift ist seine Aufmerksamkeit für Details. So fällt ihm etwa der Hinweis des Markusevangeliums besonders auf, dass Jesus während seines Sterbens am Kreuz laut geschrien habe.

Jener Schrei enthält alles: Schmerz, Verlassenheit, Glauben, Hingabe. Er ist nicht nur die Stimme eines dahinscheidenden Körpers, sondern das letzte Zeichen eines Lebens, das sich hingibt… Dort, in jenem geschundenen Menschen, offenbart sich die größte Liebe. Dort können wir einen Gott erkennen, der nicht fernbleibt, sondern bis ins Letzte durch unseren Schmerz hindurchgeht.“

Papst Leo: Betrachtungen zu Tod und Auferstehung Jesu - Radio-Akademie von Radio Vatikan (Auszug)


Der Hauptmann wird nicht durch eine Predigt überzeugt

Der römische Hauptmann, ein Heide, der in diesem Moment unter dem Kreuz steht, wird vom Sterben Jesu angerührt – nicht etwa, weil er eine überzeugende Predigt gehört hätte, sondern weil ihm der laute Schrei des Herrn zu Herzen geht. „Wahrhaftig“, sagt er, „dieser Mensch war Gottes Sohn!“ Das erste Glaubensbekenntnis nach dem Tod Jesu ist nicht das Ergebnis langen Nachdenkens oder schlauer Gespräche, sondern eines Schreis.

„Manchmal drücken wir das, was wir nicht mit Worten sagen können, durch die Stimme aus“, sagt Leo XIV. dazu. „Wenn das Herz voll ist, schreit es. Und das ist nicht immer ein Zeichen der Schwäche, es kann ein tiefer Akt der Menschlichkeit sein. Wir sind es gewohnt, einen Schrei als etwas Ungehöriges zu sehen, das unterdrückt werden muss. Das Evangelium verleiht unserem Schrei einen enormen Wert, indem es uns daran erinnert, dass er Anrufung, Protest, Sehnsucht oder Hingabe sein kann. Er kann sogar die extreme Form des Gebets sein, wenn wir keine Worte mehr haben. In jenen Schrei hat Jesus alles hineingelegt, was ihm blieb: seine ganze Liebe, seine ganze Hoffnung.“

„Man schreit nicht aus Verzweiflung, sondern aus Sehnsucht“


Hoffnung? Ja, für den Papst verbirgt sich auch Hoffnung hinter dem Schreien des gefolterten Erlösers. Man schreie schließlich, wenn man glaube, dass jemand einen noch hören könnte. „Man schreit nicht aus Verzweiflung“, sagt Papst Leo, „sondern aus Sehnsucht. Jesus hat nicht gegen den Vater geschrien, sondern zu ihm. Auch im Schweigen war er überzeugt, dass der Vater da war. Und so hat er uns gezeigt, dass unsere Hoffnung schreien kann, sogar wenn alles verloren scheint.“

Schreien ist in dieser Sicht so etwas wie eine – wenn auch extreme – geistliche Geste. „Es ist nicht nur der erste Akt unserer Geburt – wenn wir weinend zur Welt kommen –, sondern auch eine Möglichkeit, am Leben zu bleiben“, so Papst Leo. „Man schreit, wenn man leidet, aber auch, wenn man liebt, ruft, fleht. Schreien bedeutet zu sagen, dass wir da sind. Dass wir nicht stillschweigend dahinscheiden wollen.“

„Schreien, um nicht zynisch zu werden“


Jesus lehrt uns in der Deutung des Papstes, keine Angst zu haben vor dem Schreien. „Ein Schrei ist nie nutzlos, wenn er aus Liebe geboren wird. Und er bleibt nie ungehört, wenn er Gott anvertraut wird. Er ist ein Weg, nicht zynisch zu werden, sondern daran zu glauben, dass eine andere Welt möglich ist.“

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(vatican news – sk)

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15. März 2026, 11:49