Monaco: Papst wirbt für Aufbau einer gerechteren Gesellschaft
Sie sollten das menschliche Leben schützen und dafür sorgen, dass Wohlstand nicht als das primäre Ziel der Gesellschaft gelte. Das sagte er bei einem Gebetsgottesdienst in der Kathedrale von Monte Carlo.
„Verkündet das Evangelium des Lebens, der Hoffnung und der Liebe; bringt allen das Licht des Evangeliums, damit das Leben jedes Mannes und jeder Frau von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende verteidigt und gefördert wird; bietet neue Orientierungshilfen, die den Tendenzen des Säkularismus Einhalt gebieten können, welche drohen, den Menschen auf den Individualismus zu reduzieren und das gesellschaftliche Leben auf die Schaffung von Wohlstand zu gründen.“
Eine Kirche aus Monegassen und Ausländern
Leo war am Samstagmorgen zu seinem eintägigen Besuch im Fürstentum Monaco eingetroffen; das Fürstenpaar Albert und Charlène, das ihn im Grimaldi-Palast in Empfang genommen hatte, war auch bei seinem Termin in der Kathedrale mit dabei. Vor allem aber füllten den imposanten Bau in romanisch-byzantinischem Stil Menschen aus mehreren Ländern Europas, die die überraschend bunte katholische Kirche in Monaco bilden. Eine Kirche aus Monegassen und aus Ausländern, vor allem Italienern und Franzosen, die in Monaco arbeiten.
Gemeinschaft ist das Kennzeichen der Kirche
Papst Leo arbeitete in seiner Predigt heraus, dass Gemeinschaft „das Kennzeichen der Kirche schlechthin“ sei. „In diesem Sinne möchte ich sagen, dass eure Kirche hier im Fürstentum Monaco einen großen Reichtum besitzt: Sie ist ein Ort, eine Wirklichkeit, wo alle Aufnahme und Gastfreundschaft finden, in jener sozialen und kulturellen Mischung, die ein typisches Merkmal von euch ist.“
In dem „kleinen kosmopolitischen Staat“ Monaco gebe es nicht nur „verschiedene Herkünfte“, sondern auch „weitere Unterschiede sozioökonomischer Art“, so der Papst. „In der Kirche führen solche Unterschiede niemals zu einer Spaltung in soziale Klassen. Im Gegenteil: Alle gehören als Menschen und Kinder Gottes dazu, und alle sind Adressaten einer Gnadengabe, die Gemeinschaft, Geschwisterlichkeit und gegenseitige Liebe fördert.“
Das war der erste Punkt, den der Gast aus Rom der monegassischen Kirche ins Stammbuch schrieb. Der zweite Punkt war ein Aufruf, das „Evangelium zur Verteidigung des Menschen“ in der Gesellschaft zu verkünden.
Kirche muss den Menschen verteidigen - alle Menschen
„Ich denke an eine Kirche, die dazu berufen ist, sich zum ‚Anwalt‘ zu machen, das heißt, den Menschen zu verteidigen: den ganzen Menschen und alle Menschen… Dies ist der erste Dienst, den die Verkündigung des Evangeliums zu leisten hat: den Menschen und die Gesellschaft zu erleuchten, damit sie im Lichte Christi und seines Wortes ihre eigene Identität, den Sinn des menschlichen Lebens, den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Solidarität, das letzte Ziel des Daseins und die Bestimmung der Geschichte entdecken.“
Der Papst ermunterte die Zuhörenden zu einer „leidenschaftlichen und großherzigen“ Evangelisierung. Zwar sei der Glaube tief in der Identität und Gesellschaft von Monaco verwurzelt, doch dürfe er nicht „zu einer bloßen, wenn auch guten, Gewohnheit werden“. Ganz im Stil seines vor einem Jahr verstorbenen Vorgängers Franziskus riet Papst Leo der Kirche in Monaco zu einer Gewissenserforschung.
„Verteidigen wir wirklich den Menschen? Bewahren wir die Würde des Menschen durch den Schutz des Lebens in all seinen Phasen? Ist das derzeitige Wirtschafts- und Sozialmodell wirklich gerecht und von Solidarität geprägt? Wohnt ihm eine Ethik der Verantwortung inne, die uns hilft, über die Logik des Äquivalenzprinzips und des Gewinns als Selbstzweck hinauszugehen, um eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen?“ Das waren Fragen, die der Papst nicht selbst beantwortete, sondern den Menschen im Fürstentum zur näheren Prüfung hinterließ.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
