Papst Leo XIV. beim Angelus am 8. März Papst Leo XIV. beim Angelus am 8. März

Papst beim Mittagsgebet: Nicht die Zeit für „Tempelstreitigkeiten“

In seiner Ansprache zum Angelus-Gebet an diesem Sonntag hat Papst Leo XIV. dazu aufgerufen, die Fastenzeit als „Geschenk der Befreiung“ für das eigene Herz zu nutzen. Vor rund 15.000 Gläubigen auf dem Petersplatz legte er das Evangelium von der Begegnung Jesu mit der Frau aus Samarien aus und mahnte eine Kirche an, die den Menschen mit ungeteilter Aufmerksamkeit begegnet.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Das Kirchenoberhaupt betonte, dass die großen Evangelien der kommenden Sonntage – die Samariterin, die Heilung des Blindgeborenen und die Auferweckung des Lazarus – dazu dienen sollen, den Glauben „authentischer und freudiger“ zu leben. Jesus sei die Antwort auf den Durst der Menschheit nach Wahrheit und Gerechtigkeit.

Den „begrabenen Gott“ freilegen

In diesem Zusammenhang zitierte der Papst die junge jüdische Schriftstellerin Etty Hillesum, die während der Shoah in ihrem Tagebuch notierte, dass die geistliche Quelle im Menschen oft mit „Steinen und Sand bedeckt“ sei. „Dann ist Gott begraben. In diesem Fall muss man ihn wieder ausgraben“, wiederholte der Pontifex Hillesums Worte. Die Fastenzeit sei die Gelegenheit, die Energie für diese „Befreiung unserer Herzen“ einzusetzen.

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Kritik an Ablenkung und Enge

Mit Blick auf die biblische Szene, in der die Jünger sich wundern, dass Jesus mit einer Frau spreche, übte der Papst indirekt Kritik an zeitgenössischen Verkrustungen in der Kirche. Jesus habe die samaritanische Frau „ohne Hintergedanken und ohne Geringschätzung“ ernst genommen, obwohl die damaligen Gepflogenheiten dies untersagten.

„Wie viele Menschen suchen in der Kirche genau dieses Feingefühl, diese Offenheit!“, rief das Kirchenoberhaupt den Gläubigen zu. Es sei ein Zeichen wahrer christlicher Existenz, „die Zeit zu vergessen“, um dem Gegenüber ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Gott wirkt dort, wo wir nichts sehen

Papst Leo XIV. forderte die Kirche auf, die „Überraschungen Gottes“ zu erkennen. Oft wirke die Gnade bereits dort, wo menschliche Augen noch keine Früchte sehen könnten. „Die Ernte ist groß: Vielleicht gibt es nur wenige Arbeiter, weil sie durch andere Tätigkeiten abgelenkt sind“, so der Papst. Er lobte das Beispiel der samaritanischen Frau, die zur ersten Verkünderin des Evangeliums wurde und viele Menschen aus ihrem Dorf – einem Ort der „Verachteten und Ausgestoßenen“ – zu Jesus führte.

Absage an „Tempelstreitigkeiten“

Zum Abschluss seiner Ansprache erteilte der Pontifex ideologischen Grabenkämpfen eine Absage. Es sei nicht die Zeit für „Tempelstreitigkeiten“ zwischen einem „Uns“ und den „Anderen“. Gott suche vielmehr „Männer und Frauen des Friedens“, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeteten. Er schloss mit der Bitte an die Jungfrau Maria, der Menschheit in ihrem Durst nach Gerechtigkeit beizustehen.

(vatican news)

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08. März 2026, 12:24

Das Angelus ist ein Gebet, dass in Erinnerung an das ewige Geheimnis der Menschwerdung drei Mal am Tag gebetet wird: 6 Uhr morgens, am Mittag und am Abend gegen 18 Uhr, jeweils wenn die Glocken zum Angelusgebet rufen.
Der Name ‚Angelus‘ stammt aus dem ersten Vers der lateinischen Version des Gebets - Angelus Domini nuntiavit Mariae. Es besteht aus der Lesung von drei schlichten Texten, bei denen es um die Menschwerdung Jesu Christi geht, gefolgt jeweils von einem Ave Maria.
Dieses Gebet wird vom Papst auf dem Petersplatz sonntags mittags und an Hochfesten gebetet. Direkt vor dem Gebet legt der Papst kurz die Lesungen des Tages aus. Nach dem Gebet folgen Grüße an die Pilger.
Von Ostern bis Pfingsten wird an Stelle des Angelusgebets das Regina Coeli gebetet, das an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Zum Abschluss dieses Gebets wird das „Ehre sei dem Vater“ drei Mal gesprochen.

Gebet des Angelus / Regina Caeli mit Papst

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