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Kardinal Beniamino Stella (rechts) mit Alessandro Gisotti, stellvertretender Chefredakteur der vatikanischen Medien (Mitte) Kardinal Beniamino Stella (rechts) mit Alessandro Gisotti, stellvertretender Chefredakteur der vatikanischen Medien (Mitte) 

Papst Leo XIV. mahnt zu neuem Lebensstil für die Schöpfung

Die ökologische Krise der Gegenwart lässt sich nicht allein mit Daten und Algorithmen lösen. Mit dieser Botschaft wandte sich Papst Leo XIV. an die Teilnehmer des XVII. Internationalen Forums der Umweltorganisation Greenaccord, das derzeit in Treviso unter dem Motto „Building Future Together“ stattfindet.

Marina Tomarro - Treviso und Mario Galgano - Vatikanstadt

In einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm rief das Kirchenoberhaupt dazu auf, die Bewahrung der Schöpfung als eine Aufgabe zu begreifen, die „Geist, Herz und Hände“ gleichermaßen fordern müsse.

Unter Bezugnahme auf seinen Apostolischen Brief Disegnare nuove mappe di speranza („Neue Karten der Hoffnung zeichnen“) aus dem Jahr 2025 betonte der Papst, dass technische Daten zwar notwendig seien, aber nicht ausreichten. Es bedürfe einer Erziehung zu neuen Gewohnheiten und „tugendhaften Gemeinschaftspraktiken“, um den kommenden Generationen eine inklusive und respektvolle soziale Umwelt zu garantieren.

Die Konferenz in Treviso
Die Konferenz in Treviso

Der Sonnengesang als „Diplomatie der Kulturen“

Ein zentraler Höhepunkt des Forums war der Beitrag von Kardinal Pietro Parolin, der anlässlich des 800. Jubiläums des „Sonnengesangs“ (Cantico delle Creature) verlesen wurde. Parolin warnte davor, den Umweltschutz zu einer bloßen Ideologie oder einer „herzlosen Verwaltung“ verkommen zu lassen. Er bezeichnete das Erbe des heiligen Franz von Assisi als eine Form der „Diplomatie der Kulturen“.

„Den Sonnengesang als Jubiläum zu feiern, bedeutet nicht, ihn im Archiv der Erinnerung abzulegen“, so Parolin. Vielmehr biete er die Chance, eine Sprache wiederzufinden, die Gemeinschaft stiftet. Indem der Mensch die Natur nicht mehr als „Beute“ oder Eigentum betrachte, sondern als Gegenüber, das er mit „Bruder“ und „Schwester“ anspricht, vollziehe er einen Akt höchster Achtsamkeit.

Die Konferenz in Treviso
Die Konferenz in Treviso

Ethik im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Der Kardinalstaatssekretär verknüpfte die franziskanische Spiritualität mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI). Die KI sei ein Prüfstein für die „anthropologische Reife“ der Menschheit. Parolin forderte eine „integrale Intelligenz“: Ethische Leitplanken dürften nicht erst nachträglich als Korrektiv gesucht werden, sondern müssten bereits in der Designphase, den Governance-Modellen und der Transparenz der Datenverarbeitung verankert sein.

Frieden mit der Erde ist Frieden unter den Menschen

Der Kern der vatikanischen Botschaft in Treviso blieb die untrennbare Verbindung von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit. Wo die Schöpfung verletzt werde, zerbreche auch die Gesellschaft; wo die menschliche Würde gedemütigt werde, verkomme die Natur zur bloßen Ressource.

Parolin schloss mit einem Plädoyer für den „Schutz“ (custodia) in all seinen Facetten: den Schutz des Nächsten, der Wissenschaft als Weisheit und der Technik als bloßes Werkzeug. „Zukunft gemeinsam bauen“ dürfe kein rein operativ-technisches Ziel bleiben, sondern müsse zu einem „Stil der Seele und der Institutionen“ werden – eine Diplomatie des Friedens, die beim Schutz der Schwächsten ihren ultimativen Beweis antritt.

(vatican news)

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21. März 2026, 10:12