Papst Leo: Gewalt gegen Frauen stoppen, ohne Angst anzeigen
Christine Seuss - Vatikanstadt
Es sei traurig, so die Leserin Giovanna aus Rom, dass sie sich als Ehefrau eines respekt- und liebevollen Ehemannes als „glücklich“ betrachten müsste – schließlich handele es sich bei der Gewalt gegen Frauen, deren einzige „Schuld“ es sei, ihren Partner nicht mehr zu lieben, um ein gesellschaftsübergreifendes und weit verbreitetes Phänomen.
Auch Papst Leo sieht dies als „großes Problem“, für ihn selbst eine „Quelle großen Leids“: „Die Gewalt in Beziehungen, und vor allem die Gewalt gegen Frauen“. In seiner Antwort auf die Leserfrage in der aktuellen März-Ausgabe der Zeitschrift Piazza San Pietro, die zum Weltfrauentag am 8. März verbreitet wurde, ruft das Kirchenoberhaupt ohne Wenn und Aber dazu auf, keine Form der Gewalt zu dulden und eventuelle Episoden weder zu unterschätzen noch zu zögern, diese anzuzeigen. Übertitelt ist das Stück: „Schaffen wir spezielle Projekte der Prävention und Ausbildung, um die Gewalt gegen Frauen zu stoppen“.
Giovanna, die eigener Aussage zufolge ihren Leserbrief „mit tränengefüllten Augen“ zu Papier bringt, weist auf das Schicksal von zahlreichen Frauen hin, für die es zu einer „Falle“ wird, „einen Mann zu lieben, ihn zu heiraten oder mit ihm zusammenzuleben, eine Familie zu gründen“. „Warum?“, fragt sie: „Wie können wir heute eine Erklärung für die mittlerweile allzu verbreitete Gewalt geben, die viele Männer gegen Frauen anwenden, die sie eigener Aussage nach lieben? Bis dahin, sie zu töten. Brutal und hasserfüllt, als wären sie schuldig, sie nicht mehr zu lieben.“
Ebenso am Herzen liegen ihr die Kinder, die durch Femizid zu Halbwaisen werden und oft die grausame Tat selbst miterleben mussten.
Papst Leo räumt in seiner Antwort ein, dass ihm dieses Phänomen selbst großen Schmerz bereite und zitiert den durch seinen Vorgänger Johannes Paul II. geprägten Ausdruck des „Genius der Frau“, welchen man „in einer Welt, die oft auch von einem gewalttätigen Denken beherrscht wird, noch stärker unterstützen sollte“. Schließlich seien Frauen „Protagonistinnen und Schöpferinnen einer Kultur der Fürsorge und der Geschwisterlichkeit, die unverzichtbar ist, um der gesamten Menschheit Zukunft und Würde zu geben“, erklärt der Papst.
„Vielleicht gerade deshalb“ werden sie heute „angegriffen und getötet“, weil sie – so betont Leo – „ein Zeichen des Widerspruchs in dieser verwirrten, unsicheren und gewalttätigen Gesellschaft sind, denn sie weisen uns auf Werte wie Glauben, Freiheit, Gleichheit, Generativität, Hoffnung, Solidarität und Gerechtigkeit hin“.
Doch eben diese „großen Werte“ seien es, die „von einer gefährlichen Mentalität bekämpft werden, die die Beziehungen vergiftet und nur Egoismus, Vorurteile, Diskriminierung und den Willen zur Vorherrschaft hervorbringt.“
Schon in seiner Predigt zum vergangenen Pfingstfest am 8. Juni 2025 habe er dieses Verhalten angeprangert, „das oft zu Gewalt“ führt, „wie leider die zahlreichen Fälle von Frauenmorden in jüngster Zeit zeigen“, zitiert Leo sich selbst. Insbesondere in Italien herrscht – obwohl es statistisch gesehen nicht unter den „gefährlichsten“ Ländern für Frauen rangiert - große öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber einem Phänomen, dem in Europa Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge rund 3000 Frauen pro Jahr zum Opfer fallen.
Doch „Gewalt, jede Art von Gewalt, ist die Grenze, die Zivilisation und Barbarei voneinander trennt“, betont der Papst in seiner Antwort an Giovanna:
„Wir dürfen einen Akt der Gewalt niemals unterschätzen und dürfen keine Angst haben, Gewalt anzuzeigen, einschließlich jener Rechtfertigungen, die die Verantwortung herunterspielen oder leugnen“, so der Appell des Kirchenoberhauptes, der der Leserin für ihren Vorschlag dankt, die Kirche und Bildungseinrichtungen bei der Erziehung zu einer Kultur des Respekts besonders einzubeziehen: „Die Kirche kann gemeinsam mit Familien, Schulen, Pfarreien, Bewegungen und Vereinigungen, religiösen Gemeinschaften und öffentlichen Institutionen die Dringlichkeit teilen, spezifische Projekte zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zu realisieren“, bekräftigt Papst Leo.
Um die Gewalt zu stoppen gelte es, mit der Erziehung der jungen Menschen zu beginnen, um die Herzen zu öffnen und das Bewusstsein für die Würde eines jeden menschlichen Wesens zu schaffen, hatte Papst Leo bereits am vergangenen 25. November 2025 gesagt, dem Tag, an dem der Welttag gegen die Gewalt an Frauen begangen wird, bei seiner Rückkehr aus Castel Gandolfo vor Journalisten. An diese Aussage erinnert Leo auch in seiner aktuellen Antwort: „Man muss diese Gewalt abschaffen und die Art und Weise suchen, wie man die Mentalität formen kann.“ Dies bedeute, „Menschen des Friedens“ zu sein, die allen Gutes wünschten, so Papst Leo XIV. in seiner eine Seite umfassenden Antwort an Giovanna.
(vatican news)
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