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So war die Papstreise nach Afrika - sagt unser Reporter vor Ort

11 Tage, 19 Flüge, vier Länder, mehr als 16.000 Kilometer, 25 Reden oder Predigten: Die Reise von Papst Leo XIV. durch Afrika war seine bisher intensivste. Es ging nach Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. Für uns vor Ort in Algerien und Angola war Stefan von Kempis. Hier seine ganz persönlichen Eindrücke.

Interview mit Stefan von Kempis, der für die Afrika-Reise von Papst Leo XIV. für uns vor Ort war 

Was war das Hervorstechende an dieser Reise?

Kurz gesagt: Die Vielfalt Afrikas. Das macht es gleichzeitig so schwierig, sie auf einen einzigen Nenner zu bringen. Die vier besuchten Länder stehen für fünf verschiedene Sprachzonen und haben eine ganz unterschiedliche Geschichte und Kultur. Gemeinsam haben sie nur zweierlei: eine koloniale Vergangenheit und autoritäre, kleptokratische Regierungen. Hätte Leo nur Demokratien besuchen wollen, wäre die Reise vermutlich deutlich kürzer ausgefallen.

„Hätte Leo nur Demokratien besuchen wollen, wäre die Reise wohl deutlich kürzer ausgefallen“


Was waren denn die Schwerpunkte des Papstbesuchs in den jeweiligen Ländern?

Algerien: Arabisches Nordafrika; muslimische Mehrheit; eine winzige katholische Kirche, gebildet fast ausschließlich von Ausländern; Schwerpunkt der Reise: Interreligiöser Dialog und eine geistliche Neuentdeckung des hl. Augustinus. – Kamerun: an der Bruchstelle zwischen englisch- und französischsprachigem Afrika gelegen; konfliktreich, mit dem ältesten Staatschef der Welt; hier ging es in erster Linie um Frieden. – Angola: im südlichen Afrika gelegen, portugiesischsprachig; eine jahrhundertelange Geschichte schweren Leidens, mit Sklavenhandel, Bürgerkrieg und Ausplünderung der Ressourcen; hier zog der Papst gegen Ausbeutung und Korruption zu Felde. – Und schließlich Äquatorialguinea: Spanischsprachig; hier herrscht zwar nicht der älteste, aber der am längsten amtierende Staatschef des Planeten, mit eiserner Faust; und hier brachte Leo das Thema Menschenrechte aufs Tapet.

Freude - bei Papst Leo XIV.  und den Menschen, die er vor Ort während seiner Afrika-Reise traf
Freude - bei Papst Leo XIV. und den Menschen, die er vor Ort während seiner Afrika-Reise traf   (@Vatican Media)

Gab es einen roten Faden in dem, was Papst Leo sagte?

Ja: Die Freude am Christsein. Ein Evangelium, das ansteckt, das die Trägheit überwindet und zum Einsatz drängt. Ganz anders als bei seinen zwei bisherigen sonstigen Auslandsreisen (Nahost und Monaco) hat sich Leo XIV. in Afrika als das entpuppt, was er jahrzehntelang war: als Missionar nämlich. Da ging er manchmal auch stärker aus sich heraus, als wir das von ihm bisher gewohnt sind.

„Die Trump-Kontroverse hat der Reise jedenfalls eine Aufmerksamkeit verschafft, die sie sonst nicht unbedingt gehabt hätte“


Welche Rolle spielte die Kontroverse um Äußerungen von Donald Trump in den sozialen Netzwerken bei dieser Papst-Reise?

Sie hat der Reise jedenfalls eine Aufmerksamkeit verschafft, die sie sonst nicht unbedingt gehabt hätte. 

Was war für Dich das Beeindruckende, Überraschende, Interessante?

„Warum können die Kinder, die barfuß durch den Staub von Angola laufen und betteln, nicht in eine ordentliche Schule gehen wie unsere eigenen Kinder, warum haben sie nicht dieselben Chancen?“

Da würde ich noch einmal sagen: Die Vielfalt Afrikas. Vom mediterranen Norden bis in den lauten und heißen Süden. Wenn man diese Länder besucht, versteht man auf einmal ganz neu, warum es dem früheren Papst Franziskus so wichtig war, die Welt von der Peripherie aus zu betrachten. Unser Blickwinkel ist der des reichen Westens, der sich gewissermaßen woanders bedienen darf, um seinen Standard zu halten; von der Seite, von den armen Ländern aus gesehen, wird einem auf einmal die Ungerechtigkeit des Systems, das unsere Welt bestimmt, deutlich. Warum können die Kinder, die barfuß durch den Staub von Angola laufen und betteln, nicht in eine ordentliche Schule gehen wie unsere eigenen Kinder, warum haben sie nicht dieselben Chancen? Die Frage lässt sich nicht mehr so leicht verdrängen, wenn man durch ein Land wie Angola reist…

(vatican news)
 

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24. April 2026, 12:45