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Der Papst in Angola: Eine Presseschau

„Der Papst fordert eine aktive und versöhnende Kirche“: Das ist an diesem Montag die Schlagzeile des „Jornal de Angola“, das dem Besuch Leos XIV. im Land die ersten sieben Seiten widmet.

Stefan von Kempis – Luanda

Das Titelbild des „Jornal de Angola“ zeigt den Gast aus Rom, wie er während der Messfeier in Kilamba vor den Toren der Hauptstadt Luanda den Kelch in die Höhe hebt. Leo habe in Kilamba „von der Notwendigkeit gesprochen, Bande neu zu knüpfen und den jungen Leuten Chancen zu geben“, heißt es in einem kurzen Text auf Seite eins. „Der Papst forderte eine Kirche, die näher an den sozialen Problemen Angolas ist“, und habe die Gläubigen „zum Kampf gegen Armut, Korruption und Spaltungen“ gedrängt.

„Nationale Selbstvergewisserung und internationales Prestige“

Leos Visite sei „viel mehr als ein religiöses Ereignis“, nämlich „ein Moment der nationalen Selbstvergewisserung und des internationalen Prestiges“, urteilt ein Meinungsartikel im Innern des Blatts, dessen Autor als Experte in internationalen Beziehungen vorgestellt wird. Angola präsentiere sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit in einem Augenblick zahlreicher geopolitischer Krisen und Spannungen als „stabile, respektierte und im afrikanischen wie internationalen Kontext immer relevantere Nation“. Die politische Führung des Landes spiele in der regionalen Diplomatie und bei der Förderung des Friedens in Afrika eine immer größere Rolle, und „der Papstbesuch wirkt wie eine natürliche Folge dieser neuen strategischen Positionierung“. Angola führte bis vor kurzem turnusgemäß den Vorsitz in der Afrikanischen Union (AU) und hat in diesem Zeitraum mehrere Vorstöße zur Vermittlung im Konflikt im Osten des Nachbarlands Kongo unternommen.

Bei der Messe des Papstes in Saurimo
Bei der Messe des Papstes in Saurimo   (@Vatican Media)

Darüber hinaus deutet der Autor des Meinungsartikels die Visite Leos XIV. auch als „Sieg des innenpolitischen Engagements der Regierung zugunsten der Bevölkerung“. So sei es kein Zufall, dass der Papst seine große Messe für die Hauptstadt gerade im namentlich von Chinesen errichteten Kilamba gefeiert habe. Er habe damit die Anstrengungen Angolas um eine Modernisierung und um bessere Infrastruktur gewürdigt.

„Diese Salbung durch den Papst ist heilig und wird ihre Früchte zeitigen“


Die frühere Bildungs- und Wissenschaftsministerin Maria do Rosário Bragança, die mittlerweile als „Ministra de Estado“ für die Sozialpolitik der Regierung verantwortlich zeichnet, zeigt sich der Zeitung gegenüber sehr zufrieden mit der Organisation und dem bisherigen Ablauf des Papstbesuchs. Darauf könne das Land stolz sein, und es werde auch positive Auswirkungen auf das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben Angolas haben. Somit würden von Leos Visite Katholiken wie Nichtkatholiken gleichermaßen profitieren. Gesundheitsministerin Sílvia Lutucuta wird mit der Bemerkung, der Papst habe vor allem der Jugend des Landes Hoffnung auf eine bessere Zukunft gemacht, und dem Versprechen zitiert, dass die Regierung kräftig ins darbende angolanische Gesundheitswesen investieren wolle. Zur Predigt des Papstes in Kilamba refieriert das „Jornal de Angola“, sie sei nicht nur auf den „júbilo“ der anwesenden Gläubigen, sondern auch von politisch Verantwortlichen gestoßen. Der Gouverneur von Huambo, Pereira Alfredo, fasst die Predigt mit den Worten zusammen: „Wir sollten immer stärker zusammenarbeiten, weil der Friede im Interesse aller liegt“; ähnlich äußert sich Kommunikationsminister Mário Oliveira. Ein Polit-Kommentator namens Albino Pakissi deutet die Papstworte als Mahnung, dass die Chancen für eine stärkere Entwicklung, die sich derzeit böten, unbedingt genutzt werden sollten.

  (@Vatican Media)


Ausführlich berichtet die Zeitung über die Auftritte des Papstes in Kilamba und dem Marienwallfahrtsort Muxima und zitiert viele seiner Wortmeldungen. Aber ein Artikel an prominenter Stelle beschäftigt sich auch mit den Menschen, die am Sonntag vor der Nuntiatur in Luanda auf eine Gelegenheit warteten, den Papst zu begrüßen. Dabei sei es zu „großer Emotion, Applaus und Freudeausbrüchen“ gekommen. Das erste Baby, das Leo XIV. mittags auf die Arme genommen und gesegnet habe, heiße Daniel und sei ein Jahr alt; seine Mutter habe es schon um fünf Uhr morgens zur Nuntiatur gebracht. „Das war ein historischer Moment“, so die Mutter gegenüber der Zeitung, „ich bin glücklich, dass unter den vielen Leuten gerade mein Sohn für den Segen ausgewählt wurde. Diese Salbung durch den Papst ist heilig und wird ihre Früchte zeitigen.“ Eine Umfrage des Blattes unter Katholiken, die dem Papst bei seiner Fahrt durch die Hauptstadt vom Straßenrand aus zugejubelt haben, ergibt, dass die Menschen sich von der Reise vor allem Impulse für den Frieden im Land und für eine stärkere Solidarität mit den Armen erhoffen. Der Segen des Papstes solle das Gefühl der Angolaner, ein geeintes Volk zu sein, stärken.

  (@Vatican Media)

„Nach seiner Abreise wird uns die Realität schnell wieder einholen“


Auch andere angolanische Zeitungen beschäftigen sich ausführlich mit der Reise Leos XIV. durch das Land. Besonders interessant: die Internet-Artikel des „Folha 8“ mit Sitz in Luanda, das sich als unabhängig-kritisches Organ versteht. „Ich glaube, dass der Besuch von drei Päpsten innerhalb von fünfzig Jahren ein Segen für ein christliches Volk und für die gläubigen und zuhörenden Machthaber ist“, urteilt der Meinungsartikel eines Schriftstellers, der nach Angaben der Zeitung als politischer Flüchtling im französischen Exil lebt. „Man darf jedoch nicht verdrängen, dass die Partei und das Regime, die Angola seit seiner Unabhängigkeit 1975 regieren, also seit einem halben Jahrhundert, nicht an den Gott des Vatikans glauben.“

Der Papst dürfe in Angola zwar sagen, was er denke, doch Staatspräsident João Lourenço nehme die bittere Armut vieler Menschen im Land offenbar nicht ernst. „Er will uns glauben machen, dass Hunger relativ ist, dass Armut und Korruption importierte Übel sind, die ihm von den portugiesischen Kolonialherren hinterlassen wurden, und dass er dafür also nicht verantwortlich ist.“ Der Autor vermerkt mit Bitterkeit, dass Leo XIV. nicht auch Cabinda besucht habe, eine Provinz im Norden des Landes mit separatistischen Tendenzen. Angola sei dankbar für den Papstbesuch, weil Leo den Menschen für einen Augenblick das Gefühl vermittelt habe, Gott nahe zu sein. „Doch nach seiner Abreise wird uns die Realität schnell wieder einholen, jeden an seinem eigenen Ort, in seinem eigenen Elend und mit seinem eigenen Kreuz, das er zu tragen hat… Möge Gott den Papst für seine Worte zur Verteidigung der Unterdrückten segnen.“ Das „Folha 8“ dokumentiert Leos erste große Rede in Angola, die er im Beisein der politischen Führung hielt, in vollem Wortlaut; das sei wichtig, „weil jeder diese Rede gehört hat, aber nicht jeder sie hören wollte, und weil viele hinterher so tun werden, als hätten sie sie nicht gehört“.

(vatican news)
 

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20. April 2026, 13:36