Der Papst in Afrika: Eine Zwischenbilanz unseres Korrespondenten

Drei Tage hat sich Leo XIV. in Angola aufgehalten, der dritten und vorletzten Etappe seiner Afrikareise. Unser Korrespondent Stefan von Kempis zieht von Luanda aus eine Zwischenbilanz.

Interview

Zunächst einmal erscheint es mir bemerkenswert, wie Papst Leo die Strapazen dieser Reise wegsteckt: fast durchweg freundlich und gut aufgelegt. Nur am Sonntagabend im Wallfahrtsort Muxima wirkte er auf mich etwas müde. Dabei sind einige der Journalisten, die ihn begleiten, am Ende ihrer Kräfte oder sogar krank geworden, sie klagen vor allem über die täglichen Flüge. An diesem Montag, bei der Messfeier in Saurimo, herrschte eine mörderische Hitze, der Gottesdienst fand mittags unter freiem Himmel statt; aber Leo hält gut durch.

Es ist ja auch, gewissermaßen, seine erste wirklich „eigene“ Reise…

Ja – die Reise, die er dem Vernehmen nach eigentlich ganz am Anfang seines Pontifikats durchführen wollte, als Startsignal.

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„Afrika als Startsignal des Pontifikats“


Was soll dieses Signal bedeuten?

Es soll unmissverständlich deutlich machen, dass die Zukunft der katholischen Kirche (auch) in Afrika liegt. Dazu passen neueste statistische Daten, die der Vatikan erst Ende März veröffentlicht hat: Danach stellt die katholische Kirche in Afrika erstmals Europa zahlenmäßig in den Schatten. 2024 gab es auf dem afrikanischen Kontinent zwei Millionen mehr Katholiken als in Europa, nämlich 288 Millionen – und die Tendenz ist steigend, gerade in Angola explodieren die Bevölkerungs- und mit ihnen die Katholikenzahlen. Zur Klarstellung: Fast die Hälfte aller Katholiken weltweit stammt immer noch, wie Papst Leo selbst, vom amerikanischen Doppelkontinent. Aber in Afrikas Kirche ist die Dynamik besonders groß. Leos Signal heißt: An Afrika kommt man in der Kirche nicht mehr vorbei.

Nun hat aber die Kirche in Afrika auch mit vielen Problemen zu kämpfen…

Ja, und auch das wurde auf der angolanischen Etappe der Papstreise immer wieder schlaglichtartig klar. Etwa, als am Montagmorgen in einem Altersheim in Saurimo, nahe an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, eine Mutter dem Papst erzählte, wie man sie der Hexerei verdächtigt habe. Und wie ihre eigenen Söhne sie deswegen hätten töten wollen; sie wollten sie in einen Sack stecken und ertränken. Oder am Abend in der Fatima-Pfarrei in Luanda, als ein Katechist berichtete, mit welchen Problemen er in den neunziger Jahren während seiner zweijährigen Katechistenausbildung kämpfen musste.

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„Schlaglichtartige Einblicke in die komplexe Realität Afrikas“


Welche Probleme waren das?

Die Einberufung zum Militär, ein täglicher Fußweg von zehn Kilometern bei jedem Wetter, die bohrende Frage, wie er eigentlich in dieser Zeit seine Familie ernähren sollte usw. Außerdem erzählte er, dass er dann als fertig ausgebildeter Katechist oft von Bewaffneten verhaftet worden sei – bis 2002 herrschte in Angola ja Bürgerkrieg –, dass man ihm oft die Feier eines Wortgottesdienstes verbot und ihn stattdessen zwangsweise zu parteipolitischen Veranstaltungen beorderte, und dass er oft weite Strecken ohne Transportmöglichkeit zurücklegen musste, und das bei der ständigen Gefahr von Landminen. Solche und ähnliche Berichte, die dem Papst vorgetragen wurden, haben doch auch ziemlich klar die Grenzen aufgezeigt, mit denen Afrikas Kirche zu kämpfen hat.

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„Leos Botschaft müsste bei der Elite Angolas angekommen sein“

Der Papst hat in Angola die Probleme klar benannt, hat aber den Akzent vor allem auf das Thema Hoffnung gelegt. Ist seine Botschaft denn trotzdem in ihrer Klarheit bei den Leuten angekommen?


Die meisten Menschen in Angola lesen keine Zeitung, und vielen wird gar nicht so wichtig sein, was der Papst genau gesagt hat und was nicht. Die meisten Katholiken sahen den Papstbesuch wirklich als eine große Ehre, als ein Zeichen Gottes an sie, als eine Stärkung in ihrem Glauben. Trotzdem, die politisch-sozialen Botschaften von Leo XIV. waren schon ziemlicher Klartext. Sie wurden immerhin von dem Oppositionsorgan „Folha 8“ – folja oítu - als so deutlich empfunden, dass es die erste große Papstrede, die er im Beisein der politischen Führung hielt, in vollem Wortlaut dokumentierte; das sei wichtig, hieß es dazu, „weil jeder diese Rede gehört hat, aber nicht jeder sie hören wollte, und weil viele hinterher so tun werden, als hätten sie sie nicht gehört“. Kurz gesagt: Leos Botschaft müsste bei der Elite Angolas angekommen sein.

Welche Hausaufgaben hat der Papst der Kirche in Angola spezifisch aufgegeben?

  (@Vatican Media)


Sie soll die Ressourcen nutzen, die sie hat: Viele junge Menschen mit ihrer Dynamik, und einen starken, mit Freude gelebten Glauben. Das sind aus Leos Sicht gute Zutaten, um die Zukunft der Menschen in Angola zu verbessern, mit tatkräftigem sozialem Einsatz. Deutlich gewarnt hat er vor Fatalismus, vor Trägheit, vor dem Gefühl, die Probleme wären doch zu groß und erdrückend. Und er hat auch vor einer Vermischung des Katholizismus mit Elementen aus natürlichen Religionen gewarnt – wir hatten eben schon das Stichwort Hexenglauben.

(vatican news)
 

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21. April 2026, 08:44