Papst Leo in Kamerun: Bote des Friedens und der Versöhnung
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
In Bamenda, der größten Stadt der englischsprachigen Regionen des Landes, haben die Kämpfe zwischen der Regierung und separatistischen Bewegungen seit 2017 Tausende Todesopfer gefordert. An diesem schicksalsträchtigen Ort fand das Friedenstreffen statt, bei dem der Papst eindringlich Versöhnung und Dialog anmahnte. Stellvertretend für das Leid, das die Bevölkerung dieses Landes noch immer erdulden muss, trugen ein traditioneller Herrscher des Mankon-Volkes, ein Imam, ein Vertreter der presbyterianischen Kirche, eine Ordensfrau und ein Binnenvertriebener ihre Erfahrungsberichte vor.
„Liebe Brüder und Schwestern, es ist mir eine Freude, hier bei euch in dieser leidgeprüften Region zu sein. Und wie eure Zeugnisse soeben gezeigt haben, lässt all das Leid, das euer Volk heimgesucht hat, heute umso deutlicher erkennen: Gott hat uns niemals verlassen! In ihm, in seinem Frieden, können wir immer wieder neu beginnen!“ begann der Papst seine Ansprache in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kathedrale des heiligen Josef. Auch auf dem Platz vor dem Gotteshaus hatten sich die Menschen zahlreich versammelt.
Der Papst lobte den Einsatz der Menschen von Bamenda, „die trotz aller Widrigkeiten, die sie durchlebt haben, den anderen den Weg der Versöhnung und des Friedens“ zeigten. Er würdigte den Umstand, dass die Krise die christlichen und muslimischen Gemeinschaften einander nähergebracht habe und durch die Gründung einer Friedensbewegung durch geistliche Führer beider Religionen ein Netzwerk der Hoffnung entstanden sei, das „zwischen den gegnerischen Parteien zu vermitteln sucht.“
„Ich würde mir das für so viele Orte auf der Erde wünschen!“, so der eindringliche Appell des Papstes. „Selig sind die Friedensstifter! Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen!“
Heilung und Wiederaufbau der Gesellschaft
Lobende Worte fand der Papst auch für die Frauen, Laien und Ordensschwestern, die sich in dieser schwierigen Zeit um die vom Krieg traumatisierten Menschen kümmern: ein unermüdlicher Einsatz, der oft unsichtbar, aber von unschätzbarem Wert sei für die Heilung und den Wiederaufbau der Gesellschaft.
Der Papst nahm auch Stellung zu den großen wirtschaftlichen und politischen Strukturen, die auf den Trümmern der Gewalt aufbauen. Er kritisierte die Verschwendung von Ressourcen für Krieg und Zerstörung, während gleichzeitig Mittel für Heilung und Wiederaufbau fehlten.
Eine verkehrte Welt, ein Zerrbild der Schöpfung Gottes
„Wer euer Land seiner Ressourcen beraubt, investiert in der Regel einen Großteil der Gewinne in Waffen, in eine Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens,“ so Papst Leo. „Es ist eine verkehrte Welt, ein Zerrbild der Schöpfung Gottes. Jeder aufrichtige Mensch muss dies anprangern und ablehnen und jene Kehrtwende – Bekehrung – vollziehen, die in die entgegengesetzte Richtung führt, auf den tragfähigen und zielführenden Weg der menschlichen Geschwisterlichkeit. Die Welt wird von wenigen Herrschenden zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten!“
Den Nächsten als Bruder und Schwester annehmen
Mit Bezug auf das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium von Papst Franziskus erinnerte sein Nachfolger Papst Leo daran, dass es unsere Mission sei, „Frieden zu bringen, zu heilen und zu befreien“. Der Friede müsse nur angenommen werden, indem wir unseren Nächsten als Bruder und Schwester annehmen - wer immer oder wo auch immer dieser Nächste sein möge.
Abschließend stellte der Pontifex fest:
„Das ist die stille Revolution, deren Zeugen ihr seid! So wollen wir, wie der Imam gesagt hat, Gott danken, dass diese Krise nicht zu einem Religionskrieg ausgeartet ist und dass wir weiter danach streben, einander zu lieben! Machen wir unermüdlich und mutig weiter – und vor allem gemeinsam, immer gemeinsam! Lasst uns gemeinsam in Liebe voranschreiten und stets nach Frieden streben.”
(vaticannews – skr)
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