Friedenstreffen in Kamerun mit Leo XIV.: Die Papstansprache im Wortlaut
Liebe Schwestern und Brüder,
es ist mir eine Freude, hier bei euch in dieser leidgeprüften Region zu sein. Und wie eure Zeugnisse soeben gezeigt haben, lässt all das Leid, das euer Volk heimgesucht hat, heute umso deutlicher erkennen: Gott hat uns niemals verlassen! In ihm, in seinem Frieden, können wir immer wieder neu beginnen!
Der Erzbischof hat an die Prophezeiung erinnert, in der es heißt: »Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt« (Jes 52,7). So hat er mich bei meiner Ankunft begrüßt, doch nun möchte ich antworten: Wie willkommen sind auch eure Schritte, die ihr durch den Staub dieses blutbefleckten, aber ertragreichen Bodens geht, dieses geschundenen, aber üppig bewachsenen und fruchtbaren Bodens. Eure Füße haben euch bis hierher getragen und euch trotz aller Prüfungen und Hindernisse auf dem Weg des Guten bewahrt. Wir alle gehen weiter auf dem Weg des Guten und des Frieden. Ich danke euch, denn ich bin tatsächlich hier, um den Frieden zu verkünden, doch stelle ich fest, dass ihr es seid, die ihr ihn mir und der ganzen Welt verkündet. Gerade hat jemand erzählt, dass die Krise, die diese Regionen Kameruns heimgesucht hat, die christlichen und muslimischen Gemeinschaften einander deutlich näher gebracht hat als je zuvor, sodass sich eure geistlichen Führer zusammengetan und eine Friedensbewegung gegründet haben, mit deren Hilfe sie zwischen den gegnerischen Parteien zu vermitteln suchen.
Ich würde mir das für so viele Orte auf der Erde wünschen! Euer Zeugnis, eure Arbeit für Frieden, kann ein Vorbild für die ganze Welt sein. Jesus sagte uns: Selig sind die Friedensstifter! Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen. Ja, liebe Schwestern und Brüder, ihr, die ihr nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, ihr Armen, Barmherzigen, Sanftmütigen und ihr, die ihr reinen Herzens seid, ihr, die ihr geweint habt – ihr seid das Licht der Welt! (vgl. Mt 5,3-14). Bamenda, du bist heute die Stadt auf dem Berg, herrlich in den Augen aller! Schwestern und Brüder, bleibt für lange Zeit das Salz, das diesem Land seinen Geschmack verleiht, verliert auch in den kommenden Jahren nicht euren Geschmack! Bewahrt euch das, was euch einander nähergebracht hat und was ihr in der Stunde der Tränen geteilt habt. Lasst uns alle diesen Tag in Ehren halten, an dem wir uns versammelt haben, um uns für den Frieden einzusetzen! Seid Öl, das man über die Wunden der Menschen gießt.
Diesbezüglich gilt mein Dank allen – besonders den Frauen, Laien und Ordensschwestern – die sich um Menschen kümmern, die von Gewalt traumatisiert sind. Es ist eine enorme, unsichtbare, tagtägliche Arbeit, die, wie Schwester Carine hervorgehoben hat, mit Gefahren verbunden ist. Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen. Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten. Wer euer Land seiner Ressourcen beraubt, investiert in der Regel einen Großteil der Gewinne in Waffen, in eine Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens. Es ist eine verkehrte Welt, ein Zerrbild der Schöpfung Gottes. Jeder aufrichtige Mensch muss dies anprangern und ablehnen und jene Kehrtwende – Bekehrung – vollziehen, die in die entgegengesetzte Richtung führt, auf den tragfähigen und zielführenden Weg der menschlichen Geschwisterlichkeit. Die Welt wird von wenigen Herrschenden zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten! Sie sind die Nachkommen Abrahams, zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresufer. Seien wir ehrlich: Wir sind bereits dieses riesige Volk! Der Friede braucht nicht erfunden zu werden. Er muss bloß angenommen werden, indem wir unseren Nächsten als unseren Bruder und als unsere Schwester annehmen. Niemand sucht sich seine Brüder und Schwestern aus – wir brauchen einander nur anzunehmen! Wir sind eine einzige Familie und bewohnen dasselbe Haus, diesen wunderbaren Planeten, um den sich die alten Kulturen über Jahrtausende gekümmert haben.
Papst Franziskus hat im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium etwas geschrieben, das mir beim Hören eurer Worte wieder in den Sinn gekommen ist. Er schrieb: »Die Mission im Herzen des Volkes ist nicht ein Teil meines Lebens oder ein Schmuck, den ich auch wegnehmen kann; sie ist kein Anhang oder ein zusätzlicher Belang des Lebens. Sie ist etwas, das ich nicht aus meinem Sein ausreißen kann, außer ich will mich zerstören. Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt« (Nr. 273).
Liebe Brüder und Schwestern in Bamenda, mit diesen Empfindungen bin ich hier bei euch. Lasst uns gemeinsam dem Frieden dienen! »Man muss erkennen, dass man selber „gebrandmarkt“ ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien. Da zeigt sich, wer aus ganzer Seele Krankenschwester, aus ganzer Seele Lehrer, aus ganzer Seele Politiker ist – diejenigen, die sich zutiefst dafür entschieden haben, bei den anderen und für die anderen da zu sein« (ebd.). Mit diesen Worten hat uns mein verehrter Vorgänger ermutigt, gemeinsam zu gehen, jeder mit seiner eigenen Berufung, und die Grenzen unserer Gemeinschaften zu weiten – mit der Konkretheit derer, die bei ihrer Arbeit vor Ort ansetzen, um zur Nächstenliebe zu gelangen, wer immer oder wo auch immer dieser Nächste sein mag. Das ist die stille Revolution, deren Zeugen ihr seid! So wollen wir, wie der Imam gesagt hat, Gott danken, dass diese Krise nicht zu einem Religionskrieg ausgeartet ist und dass wir weiter danach streben, einander zu lieben! Machen wir unermüdlich und mutig weiter – und vor allem gemeinsam, immer gemeinsam! Lasst uns gemeinsam in Liebe voranschreiten und stets nach Frieden streben.
(vaticannews - skr)
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