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Leo XIV.: „Angola darf nicht im Schmerz gefangen bleiben“

Papst Leo XIV. hat die Katholiken in Angola dazu aufgerufen, sich von der tragischen Geschichte ihres Landes nicht lähmen zu lassen.

Stefan von Kempis – Luanda

Sie sollten engagiert „ein Land aufbauen, in dem die alten Spaltungen für immer überwunden sind, in dem Hass und Gewalt verschwinden, in dem die Plage der Korruption durch eine neue Kultur der Gerechtigkeit und des Teilens geheilt wird“. Nur so werde „eine Zukunft der Hoffnung möglich, vor allem für die vielen jungen Menschen“.

Das sagte das Kirchenoberhaupt in der Predigt bei seiner sonntäglichen Messfeier in Luanda, der Hauptstadt von Angola. Nach Aussage der Autoritäten nahmen ungefähr 100.000 Menschen an dem Gottesdienst in Kilamba, einer Vorstadt Luandas, unter freiem Himmel teil. Die Atmosphäre war festlich-ausgelassen; bei den Gesängen verfielen viele der Teilnehmenden in Tanzbewegungen. Nicht wenige der Messbesucher trugen T-Shirts beziehungsweise Kleider mit aufgedruckten Darstellungen des Papstes oder der weithin verehrten Muttergottes von Muxima. Vereinzelt waren auch chinesische Gesichter zu sehen; in Luanda arbeitet eine zahlenmäßig beachtliche chinesische Community, die unter anderem massgeblich am Bau des Kilamba-Stadtviertels beteiligt ist.

  (@Vatican Media)


Auch chinesische Messteilnehmer

Angola ist die dritte Station der Afrikareise des Papstes; am Samstag ist er von Kamerun kommend in Luanda eingetroffen. In seiner auf Portugiesisch vorgetragenen Predigt nannte Leo Angola ein „wunderschönes und doch so verwundetes Land, das nach Hoffnung, Frieden und Geschwisterlichkeit hungert und dürstet“. Die Geschichte Angolas ist von jahrhundetelanger Kolonialherrschaft, Sklavenhandel und in neuerer Zeit von einem Bürgerkrieg sowie Armut und Ausbeutung von Ressourcen gekennzeichnet.

Die schönsten Momente der Messe im Video

Leo XIV. ging in der Predigt vom biblischen Bericht der Emmausjünger aus, denen der auferstandene Christus begegnet (vgl. Lk 24,13–35). Wie für die Jünger damals bestehe auch für viele Menschen in Angola heute die Gefahr, „im Schmerz gefangen zu bleiben und sich der Hoffnung zu verschließen“.

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Auf dem Weg des Leidens und der Bitterkeit

„Wenn man lange Zeit in eine Geschichte eingetaucht ist, die so sehr von Schmerz geprägt ist, läuft man Gefahr, das Gleiche zu erleben wie die beiden Jünger von Emmaus: die Hoffnung zu verlieren und von Entmutigung gelähmt zu bleiben… Meine Lieben, die Frohe Botschaft des Herrn ist auch heute für uns genau diese: Er lebt, er ist auferstanden und geht an unserer Seite, während wir den Weg des Leidens und der Bitterkeit beschreiten.“

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„Neu anfangen und wieder an der Zukunft arbeiten“


Der Papst ermutigte die Zuhörenden dazu, „neu anzufangen und wieder an der Zukunft zu arbeiten“. Dabei gelte es „über den Schmerz hinauszuschauen“ und sich für ein besseres Morgen zu engagieren. Mit einer deutlichen Mahnung bedachte Leo die Überreste magischen oder abergläubischen Denkens auch bei Katholiken: Zwar gehörten „Formen traditioneller Religiosität“ zu den Wurzeln der Kultur Angolas, doch seien sie „dem geistlichen Weg nicht förderlich“. „Bleibt den Lehren der Kirche treu, vertraut euren Hirten und richtet euren Blick fest auf Jesus“, riet der Papst.

Angolas Katholiken sollen nach dem Dafürhalten von Leo XIV. durch ihren Einsatz „die Wirklichkeit verwandeln“ und „Protagonisten einer neuen Menschheit und einer neuen Gesellschaft“ sein. „Die Geschichte eures Landes, die noch immer schweren Folgen, die ihr ertragen müsst, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme sowie die verschiedenen Formen der Armut verlangen nach einer Kirche, die es versteht, euch auf eurem Weg zu begleiten und auf den Schrei ihrer Kinder zu hören.“

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„Möge die Politik nicht die Familien, die Freunde, die Kollegen, die Dörfer oder Stadtviertel untereinander spalten!“

Nach der Messfeier beteten die Anwesenden zusammen mit dem Papst das österliche Mittagsgebet „Regina Coeli“ (Freu dich, du Himmelskönigin). Erzbischof Filomeno do Nascimento Vieira Dias bedankte sich bei Leo dafür, Angola einen „Tag des freudigen Staunens“ geschenkt zu haben. „Heiliger Vater, segne dein Volk, deine Kinder und Geschwister; segne unser Land, hilf uns dabei, unsere Wunden zu heilen und ein im Guten, in der Wahrheit und Gerechtigkeit geeintes Volk zu sein! … Möge die Politik nicht die Familien, die Freunde, die Kollegen, die Dörfer oder Stadtviertel untereinander spalten!“

(vatican news)

  (@Vatican Media)

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19. April 2026, 11:17