Leo XIV. empfängt chaldäische Bischöfe kurz vor Patriarchenwahl
Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Papst würdigte die chaldäische Kirche als Vertreterin einer apostolischen Tradition, die das Evangelium einst bis nach Indien und China getragen habe. Er verwies jedoch auch auf die schweren Prüfungen durch Kriege und Verfolgungen, welche die Gemeinschaft gezeichnet und zur Zerstreuung vieler Gläubiger in der Diaspora geführt haben. „Wenn Ihre Kirche die Narben der Geschichte trägt, so ist es der auferstandene Herr, der uns zeigt, wie die schmerzhaftesten Wunden zu Zeichen der Hoffnung werden können“, so der Pontifex.
Anforderungen an das neue Oberhaupt
Mit Blick auf die baldige Wahl des Nachfolgers von Kardinal Louis Raphaël Sako formulierte Leo XIV. ein klares Profil für das künftige Oberhaupt. Der neue Patriarch solle ein „Vater im Glauben“ und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Er mahnte die Bischöfe, sich bei der Wahl nicht von weltlicher Nützlichkeit, sondern vom Evangelium leiten zu lassen. Das Amt sei als Dienst und nicht als „Hegemonie“ zu verstehen. Zudem forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation und im Umgang mit sozialen Medien.
Die chaldäisch-katholische Kirche
Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche, die den ostsyrischen Ritus verwendet. Ihre Wurzeln reichen bis in das erste Jahrhundert nach Mesopotamien (das heutige Irak) zurück. Während sie ihre liturgische Eigenständigkeit und ein eigenes Kirchenrecht bewahrt hat, erkennt sie den Primat des Papstes an. Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad. Infolge der jahrzehntelangen Konflikte im Irak lebt heute ein bedeutender Teil der chaldäischen Christen außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.
Appell für Frieden und Religionsfreiheit
Ein zentraler Teil der päpstlichen Ansprache widmete sich der aktuellen Lage im Nahen Osten. Leo XIV. forderte, dass Christen in der Region nicht als „Gäste oder Bürger zweiter Klasse“, sondern mit voller Religionsfreiheit und Gleichberechtigung behandelt werden müssten. Er verurteilte die „Blasphemie des Krieges“ und kritisierte die Priorisierung wirtschaftlicher Interessen vor dem Schutz menschlichen Lebens.
„Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen“, betonte der Papst. Er rief die Bischöfe dazu auf, klar zu verkünden, dass Gott keinen Konflikt segne. Militärische Maßnahmen könnten keine Freiheit schaffen; dies gelinge nur durch die Förderung des Dialogs und des Zusammenlebens.
Leo XIV. dankte den Bischöfen für ihren Dienst unter schwierigen Bedingungen und sicherte ihnen die Unterstützung durch das Dikasterium für die orientalischen Kirchen zu. Die Synode findet hinter verschlossenen Türen statt; das Ergebnis der Wahl wird nach der Bestätigung durch den Vatikan bekannt gegeben.
(vatican news)
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