Papst mahnt soziale Gerechtigkeit und Reform der Sozialsysteme an
Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Papst wies in seiner Rede auf das globale Paradoxon hin, dass trotz vorhandenen Reichtums die Zahl der Menschen in extremer Armut steige. Er bezeichnete die Anhäufung von Ressourcen in den Händen weniger als ein ungerechtes Szenario, das keiner fremden Logik (Determinismus) unterliege, sondern durch moralisches Handeln und eine ehrlichere Verteilung gelöst werden müsse.
Kirchliche Tradition des Sozialschutzes
In seiner Ansprache zog der Pontifex eine Linie von der Sozialenzyklika Rerum novarum (1891) seines Namensvorgängers Leo XIII. bis hin zum aktuellen Pontifikat. Er erinnerte daran, dass das Recht auf soziale Sicherheit bereits von Johannes XXIII. und Paul VI. als Menschenrecht definiert wurde und unter Franziskus in der Enzyklika Fratelli tutti den Rang eines universellen Rechts einnahm.
Leo XIV. betonte, dass das Ziel der sozialen Sicherung darin bestehe, jedem Menschen durch Arbeit ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Dabei spielten die Prinzipien der Subsidiarität und der menschlichen Geschwisterlichkeit eine tragende Rolle.
Herausforderungen durch technologischen Wandel
Ein Schwerpunkt der päpstlichen Ausführungen lag auf dem Wandel der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert. Der Papst identifizierte mehrere Ursachen für diese Veränderungen: die zunehmende Kommerzialisierung von Unternehmen, die weltweite Auslagerung der Produktion, sowie den rasanten technologischen Fortschritt, insbesondere durch Künstliche Intelligenz.
Die ehemals linearen Berufsbiografien seien durch wachsende Prekarität und vielfältige Arbeitsformen wie Teilzeit-, Leih- oder Abrufarbeit ersetzt worden. Diese Entwicklung schaffe neue Bedürfnisse, für die staatliche Institutionen und Sozialversicherungsträger wie die INPS neue Verantwortungen übernehmen müssten.
Appell an die Menschlichkeit
Abschließend zitierte Leo XIV. eine Mahnung seines Vorgängers Franziskus aus dem Jahr 2015 und rief die Mitarbeitenden dazu auf, den Menschen nicht zu vergessen. Der Auftrag laute, für jene zu arbeiten, die im Berufsleben stehen, aber auch für jene, die gerne arbeiten würden, es aber nicht können.
Die Aufgabe der Rentenversicherung sei es, die Schwächsten zu unterstützen, damit niemandem die Würde und Freiheit für ein authentisch menschliches Leben fehle. Der Papst beendete die Begegnung mit einem Gebetsversprechen für die Angestellten und ihre Familien sowie dem apostolischen Segen.
(vatican news)
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