Papst an Olympia-Teilnehmer: „Sport als Labor der Menschlichkeit“
Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Papst dankte den Sportlern für ihr Zeugnis, das weit über die rein sportliche Leistung hinausgehe. Sport sei eine „Form der Sprache“, eine Erzählung aus Gesten, Mühen und dem ständigen Neubeginn. Besonders hob er die Paralympiker hervor: „Wir haben gesehen, wie die Grenze zu einem Ort der Offenbarung werden kann: Nicht etwas, das die Person behindert, sondern das verwandelt werden kann.“
In seiner Rede schlug Leo XIV. eine Brücke zu seinem apostolischen Schreiben „Das Leben in Fülle“, das er zu Beginn der Spiele im Februar veröffentlicht hatte. Wahrer Erfolg werde nicht an der Anzahl der Medaillen gemessen, sondern an der Qualität der menschlichen Beziehungen.
Mahnung vor Kommerzialisierung
Trotz der freudigen Stimmung sparte der Pontifex kritische Töne nicht aus. Er warnte eindringlich vor den „Versuchungen“ des modernen Sports:
„Dazu gehört das Streben nach Leistung um jeden Preis, das zum Doping führen kann. Die Gier nach Profit, der das Spiel in einen Markt und den Sportler in einen Star verwandelt. Und die Spektakularisierung, die den Athleten auf ein Image oder eine Nummer reduziert.“
Gegen diese Tendenzen sei das ehrliche Zeugnis der Athleten essenziell, um zu zeigen, dass man konkurrieren könne, ohne sich zu hassen, und gewinnen könne, ohne das Gegenüber zu demütigen, dass man verlieren kann, ohne sich selbst zu verlieren. Dieses Zeugnis gelte auch über den Sport hinaus – im gesellschaftlichen Leben, in der Politik, in den Beziehungen zwischen den Völkern.
Sport als Friedensprojekt
Angesichts globaler Polarisierung und verheerender Kriege bezeichnete der Papst den Sport als „Prophetie des Friedens“. Die Spiele hätten die Möglichkeit aufgezeigt, die Logik der Gewalt zu durchbrechen und die „Logik der Begegnung“ zu fördern. In Anlehnung an die Enzyklika Laudato si’ seines Vorgängers erinnerte er zudem an die Verantwortung der Sportwelt für den Schutz der Natur und des „gemeinsamen Hauses“.
Der Papst segnete die Anwesenden vor dem „Kreuz der Sportler“ und gab ihnen eine Mission mit auf den Weg: „Sorgt weiterhin dafür, dass die Person im Zentrum des Sports bleibt, in all seinen Ausdrucksformen.“
Vor der Ansprache des Papstes hatten umgekehrt die Präsidenten der beiden Italienischen Olympischen Komitees die Werte des Sports – Respekt, Fairplay und Inklusion – und die Nähe der Sportbewegung zur Kirche betont. Am Ende der Audienz gaben die Funktionäre die Flamme weiter und überreichten Leo XIV. die olympische Fackel.
(vatican news)
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