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Leo in Algerien: Das schreibt die Presse

In der algerischen Presse hat es der Papstbesuch durchweg auf Seite eins geschafft: nicht nur in der französischsprachigen, sondern auch in den Blättern in arabischer und in Berbersprache. „Ein historischer Tag!“, titelt „El Moudjahid – mit Ausrufezeichen.

Stefan von Kempis – Annaba

Das Blatt zeigt auf Seite eins in Großaufnahme Leo XIV., der dem algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune die Hand schüttelt. Der Leitartikel ordnet die Visite als „Plädoyer für den Frieden und den Dialog in der Welt“ ein. Der Papst habe am ersten Besuchstag in Algier seine „Anerkennung der einzigartigen Rolle Algeriens im Konzert der Nationen“ ausgedrückt.

Der Leitartikel würdigt besonders Leos Auftritt vor dem Märtyrer-Monument, das an die Opfer des Konflikts bei der Loslösung von der Kolonialmacht Frankreich erinnert. „Mit diesem Moment des Gedenkens stellte der Papst seinen Besuch in einen Zusammenhang, der sich nicht allein auf den interreligiösen Dialog beschränkt, sondern auch das Gedächtnis der Völker und die Achtung der nationalen Entwicklungswege einbezieht. Mit diesem Schritt sandte er eine bedeutungsschwere Botschaft aus, die besagt, dass die Anerkennung des algerischen Gedächtnisses auch die Anerkennung des universellen Wertes der Kämpfe für Würde und Souveränität bedeutet.“ Der Papstbesuch habe von Anfang an gezeigt, dass Algerien ein „„Schmelztiegel großer Zivilisationen“ sei, ein „wahres Bindeglied zwischen dem Mittelmeerraum, Afrika und der arabischen Welt““. Wohl kaum ein anderes Territorium in der Welt verkörpere dergestalt die Möglichkeit eines Dialogs zwischen den Kulturen.

Leo XIV. in Annaba
Leo XIV. in Annaba   (@Vatican Media)


Ob der Papst auch mal Couscous essen wird?

Auf insgesamt zwölf Seiten berichtet „El Moudjahid“ ausführlich über den ersten Besuchstag Leos XIV.; die Begrüßungsrede des Staatspräsidenten an den Gast aus dem Vatikan wird auf einer ganzen Seite behandelt, ebenso wie das Interesse internationaler Medien an der Reise („Die Augen der ganzen Welt sind auf das größte Land Afrikas gerichtet“).

Was den Aufenthalt des Papstes in der Großen Moschee von Algier betrifft, wird seine Äußerung hervorgehoben, dass aus seiner Sicht die religiöse Dimension der Algerier „das Geheimnis einer Kultur der Begegnung und der Versöhnung“ sei. Im Innern der Moschee „hat der Papst im Gebetssaal innegehalten“; von Gebet wird in diesem Zusammenhang nicht gesprochen. Mit einem Augenzwinkern fragt auf der letzten dem Papstbesuch gewidmeten Seite eine Kolumnistin, ob der Papst denn während seines Aufenthalts in Algerien auch die Gelegenheit haben werde, Couscous zu essen. Dabei würde er nämlich das finden, „wonach er schon immer gesucht hat: die Verbundenheit unter den Menschen, die oft durch das gemeinsame Essen entsteht“.

  (@Vatican Media)


Ein nicht ganz so sublimes Ausrufezeichen

Auch „Le Soir d’Algérie“ zeigt auf dem Titel Papst und Präsident im Großformat; die Schlagzeile lautet „Die sublimen Botschaften des Papstes!“ – mit einem nicht ganz so sublimen Ausrufezeichen. „Algerien im Herzen der Welt“, titelt wiederum „Le Jeune Indépendant“; Untertitel: „Das Erdbeben der Brüderlichkeit von Papst Leo XIV.“. Die Zeitung widmet dem Papstbesuch fünf Seiten (wenn man die Titelseite mitzählt); sie bringt unter anderem ein Interview mit dem spanischen Priester José Maria Cantal, der in Südalgerien arbeitet und Kommunikationsverantwortlicher bei der Papstreise ist. Er betont „Man sollte Brücken zwischen den Völkern bauen, statt sie einzureißen“ und erwähnt die große Inschrift in der Apsis der Basilika Notre-Dame d’Afrique „Unsere Liebe Frau, bitte für uns und für die Muslime“: Das habe ihn persönlich „tief beeindruckt. Es hat mich sehr bewegt, weil es eine Vision zum Ausdruck bringt, wonach man die Zukunft nicht nur durch Kultur- oder Bildungsprojekte gestaltet, sondern auch durch die Entwicklung einer echten Spiritualität der Brüderlichkeit.“

Interessant: das Interview mit einem Historiker, das den kaum bekannten Beitrag von Christen im algerischen Befreiungskampf gegen die französische Kolonialmacht würdigt. Diese „geheime Brüderlichkeit hat dazu beigetragen, den Lauf der Geschichte zu verändern“. Überschrift des Artikels: „Als die Soutanenträger die koloniale Ordnung herausforderten“.

Leo am Montagabend in Algier
Leo am Montagabend in Algier   (ANSA)


Da kam wohl der Redaktionsschluss dazwischen...

Das Blatt „Le Jour d’Algérie“ widmet dem Besuch von Papst Leo, abgesehen von der Titelseite, nur eine Seite Berichterstattung. Der Hauptartikel trägt die Überschrift „Präsident Tebboune und Papst Leo XIV. setzen sich gemeinsam für den Weltfrieden ein“, um dann vor allem die Äußerungen des Präsidenten in seiner Begrüßungsrede ausführlich zu referieren. Was der Papst gesagt hat, nimmt deutlich weniger Raum ein, und über Leos weiteres Programm am ersten Reisetag gibt nur ein kleiner Kasten im unteren Teil der Seite Auskunft. Dabei wird sein Auftritt in der Basilika Notre-Dame d’Afrique mit einem einzigen Satz zusammengefasst: Leo habe dort „eine Zeremonie geleitet“. Der Eindruck drängt sich auf, dass da schon Redaktionsschluss war.

(vatican news)
 

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14. April 2026, 11:26