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Papst zum „Feuerland": Umweltzerstörung viel zu lange ungestraft

Papst Leo XIV. hat hartes Durchgreifen bei Umweltvergehen gefordert. Im italienischen Acerra, bekannt auch als „Feuerland" aufgrund illegaler Müllverbrennung, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt: „Der Schrei der Schöpfung und der Armen unter euch ist hier besonders dramatisch zu hören, aufgrund einer tödlichen Mischung aus dunklen Interessen und Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwohl, die das natürliche und soziale Umfeld vergiftet hat. Es ist ein Schrei, der nach Umkehr ruft!"

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

In der Kathedrale von Acerra wurde Papst Leo XIV. mit Applaus empfangen. Zum ersten Programmpunkt seiner Halbtagsvisite diesen Samstag unweit von Neapel waren in der Kathedrale Bischöfe der Region Kampanien, Priester und Diakone, Ordensmänner und - Frauen sowie Familien, die aufgrund der schweren Umweltschäden in der Region Todesopfer zu beklagen hatten, versammelt. Acerra liegt in einem als Feuerland „Terra dei fuochi“ bezeichneten Gebiet zwischen Neapel und Caserta mit einer Fläche von etwa 11.000 km², das 90 Gemeinden mit rund drei Millionen Einwohnern umfasst. Das Umweltdrama begann in den 1980er Jahren, als einige Industrielle aus dem Norden große Mengen giftiger Abfälle entsorgen mussten. So gelangten für rund 30 Jahre hunderttausende Tonnen giftiger Abfälle aus Industriebetrieben Norditaliens in einen Teil dieses Gebiets. Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, schilderte in seinem Grußwort an den Papst die Hintergründe.

Zum Hören: Papst Leo XIV. fordert hartes Durchgreifen bei Umweltvergehen. Der Papst am 23.5.2026 im italienischen Acerra, bekannt auch als „Feuerland" aufgrund illegaler Müllverbrennung (Audio-Beitrag für Radio Vatikan)

„Dahinter standen korrupte Industrielle und die organisierte Kriminalität, die damit großen Profit machten (...).Hinzu kam die Praxis der Müllentsorgung durch einige Unternehmer kleinerer Betriebe, die schwarz arbeiten und ihre Abfälle illegal entsorgen, indem sie sie auf unseren Feldern verbrennen. Daher kommt der Begriff „Terra dei fuochi“ (Feuerland), der zu einem schändlichen Etikett für unser Gebiet wurde und den Zusammenbruch der Landwirtschaft verursachte, da die Bauern große Schwierigkeiten hatten, ihre Erzeugnisse zu verkaufen." Allein in Acerra seien 150 Kinder und Jugendliche gestorben, „ohne die Erwachsenen zu zählen und die Toten in anderen Orten des Gebiets“, so der Bischof von Acerra. Zugleich prangerte der Bischof mangelndes Handeln der Behörden an und rief dazu auf, dieser tödlichen und kriminellen Praxis endlich ein Ende zu bereiten: „Gerade gestern kam die Nachricht von der Ablagerung von Tonnen giftiger Abfälle im Gebiet von Caserta. Diesen unseren Brüdern, die im Bösen verstrickt und von der Fata Morgana märchenhafter Gewinne gefangen sind, sagen wir: Bekehrt euch! Ändert euren Weg, denn euer Tun ist nicht nur eine Straftat, sondern eine Sünde, die zum Himmel schreit. Bekehrt euch."

Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, beim Besuch von Papst Leo XIV. in der Kathedrale von Acerra
Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, beim Besuch von Papst Leo XIV. in der Kathedrale von Acerra   (@VATICAN MEDIA)

„Bekehrt euch! Ändert euren Weg, denn euer Tun ist nicht nur eine Straftat, sondern eine Sünde, die zum Himmel schreit. Bekehrt euch“

Zum Papst sagte der Bischof:

„Wir bitten Sie um ein Wort des Trostes für die Familien, die ihre Kinder verloren haben, Opfer der Umweltverschmutzung; um ein Wort der Hoffnung für die Bevölkerung, die oft versucht ist, das Vertrauen zu verlieren; schließlich um ein Wort der Ermutigung für diejenigen, die sich, bisweilen auch um einen hohen Preis, für die Verteidigung des gemeinsamen Hauses einsetzen. Und warum nicht auch um ein Wort ernster Mahnung an jene, die weiterhin dieses Land vergiften." Das tat Papst Leo XIV. in seiner Rede dann auch.

„Illegale Abfallentsorgung durch Verbrennung auf unseren Feldern - so entstand der Begriff „Terra dei fuochi“ (Feuerland)“

Umweltverschmutzung viel zu lange ungestraft

Zunächst erinerrte er jedoch daran, das schon Papst Franziskus, der im Jahr 2015 die Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato Si" verfasst hatte und vorgehabt hatte, Acerra zu besuchen. 

Papst Leo XIV. in der Kathedrale von Acerra
Papst Leo XIV. in der Kathedrale von Acerra   (@Vatican Media)

„Gekommen, um die Tränen derer zu sammeln, die geliebte Menschen verloren haben, getötet durch die Umweltverschmutzung, die von skrupellosen Menschen und Organisationen verursacht wurde, die viel zu lange ungestraft handeln konnten“

„Heute wollen wir seinen Wunsch verwirklichen und das große Geschenk würdigen, das die Enzyklika Laudato si’ für die Mission der Kirche in dieser Region darstellt", erklärte Leo. „Ich bin vor allem gekommen, um die Tränen derer zu sammeln, die geliebte Menschen verloren haben, getötet durch die Umweltverschmutzung, die von skrupellosen Menschen und Organisationen verursacht wurde, die viel zu lange ungestraft handeln konnten. Ich bin jedoch auch hier, um denen zu danken, die auf das Böse mit Gutem geantwortet haben, insbesondere einer Kirche, die es gewagt hat, Anklage zu erheben und prophetisch zu sein, um das Volk in der Hoffnung zu versammeln", führte der Papst weiter aus. Die Kirche vor Ort hatte damals Pionierarbeit geleistet, um den Menschen zu helfen und ist weiter besonders im Umweltschutz aktiv. Leo XIV. würdigte dieses Engagement ebenso, wie das Umweltschreiben „Laudato Si" seines Vorgängers im Amt.  

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„Ich bin jedoch auch hier, um denen zu danken, die auf das Böse mit Gutem geantwortet haben, insbesondere einer Kirche, die es gewagt hat, Anklage zu erheben und prophetisch zu sein, um das Volk in der Hoffnung zu versammeln“

Gleichgültigkeit oder Verantwortung?

„Wir leiden unter der Verwüstung, die ein wunderbares Ökosystem, Orte, Geschichten und Erinnerungen zerstört hat. Angesichts dieser Realität gibt es zwei Haltungen: Gleichgültigkeit oder Verantwortung. Ihr habt euch für die Verantwortung entschieden und mit Gottes Hilfe einen Weg des Engagements und der Suche nach Gerechtigkeit eingeschlagen." 

Der Papst erinnerte daran, dass er Acerra am Vorabend von Pfingsten besuchte und erklärte, dass er bewusst eine Vision des Propheten Ezechiel ausgesucht habe - nämlich die Vision von der Auferweckung Israels (Ez 37,1-2) um den Weg der Kirche und der Menschen zu inspirieren. Dazu erläuterte er:

„Der Tod scheint überall zu sein, die Ungerechtigkeit scheint gesiegt zu haben, Kriminalität, Korruption und Gleichgültigkeit töten noch immer, das Gute scheint verdorrt zu sein."

Feuer der Liebe entfachen

Doch Gott wisse, dass die Menschen und gleichsam auch Gebiete wie Feuerland,  „wieder aufstehen können, denn du selbst nimmst uns an der Hand. Du weißt, dass unsere Wüste blühen kann. Du weißt, wie man Trauer in Freude verwandelt", betonte der Papst. Er rief alle zu Zusammenarbeit, einer Absage an Schwarzarbeit, guter Erziehung und einer gerechten Verteilung von Macht und Reichtum sowie dem Respekt vor den Menschen und vor allen Geschöpfen auf.

„Nicht mehr Feuer, das zerstört, sondern Feuer, das belebt und wärmt, das Feuer des Geistes, das die Herzen und den Verstand von Tausenden und Abertausenden von Männern und Frauen, von Kindern und Alten entzündet und zu Fürsorge, Trost, Achtsamkeit und wahrer Liebe inspiriert“

„Können diese Länder wieder aufleben? Seid ihr selbst die Antwort: Eine Gemeinschaft, vereint im Glauben und im Engagement. Dann wird sich das Leben vermehren", gab Papst Leo XIV. der katholischen Kirche und den Menschen in der als Feuerland bekannten Region mit, die er zugleich aufrief, nicht anzuhalten, sondern auf diesem Weg weiter zu gehen und das zerstörerische Feuer in der Gegend umzuwandeln in positive Energie: 

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„Übt als Erste die Gerechtigkeit, die ihr fordert, bezeugt das Leben, erzieht zur Fürsorge“

„Brüder und Schwestern, möge der Heilige Geist euch gewähren, ein ,Heer` des Friedens zu sehen, das sich erhebt und die Wunden dieser Erde und ihrer Gemeinschaften heilt. Nicht mehr Feuer, das zerstört, sondern Feuer, das belebt und wärmt, das Feuer des Geistes, das die Herzen und den Verstand von Tausenden und Abertausenden von Männern und Frauen, von Kindern und Alten entzündet und zu Fürsorge, Trost, Achtsamkeit und wahrer Liebe inspiriert. Insbesondere ihr, Familien, die der Tod getroffen hat, bringt neues Leben hervor, indem ihr euren Söhnen und Töchtern, Enkeln und Nachbarn jenes Verantwortungsbewusstsein vermittelt, das bisher allzu oft gefehlt hat. Lasst den Groll sterben, übt als Erste die Gerechtigkeit, die ihr fordert, bezeugt das Leben, erzieht zur Fürsorge."

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„Es gibt zwar eine Spiritualität der Orte, doch diese verdankt alles der Spiritualität der Menschen. Die Veränderung der Welt beginnt nämlich immer im Herzen“

Die katholische Kirche vor Ort rief Papst Leo XIV. zum Dienen, zu Nähe zu den Menschen und zur Vergebung auf. Er mahnte: „Eine Kultur der Privilegien, der Überheblichkeit und der Rechenschaftslosigkeit muss überwunden werden, die diesem Land ebenso wie vielen anderen Regionen Italiens und der Welt so viel Leid zugefügt hat. Möge der Geist aus allen vier Himmelsrichtungen wehen und neue Formen der Verkündigung, der Zusammenarbeit, der ökologischen und sozialen Erneuerung inspirieren. Es gibt zwar eine Spiritualität der Orte, doch diese verdankt alles der Spiritualität der Menschen. Die Veränderung der Welt beginnt nämlich immer im Herzen."

Nach der Rede des Papstes wurde ein gemeinsames Vaterunser gebetet; anschließend grüßte Papst Leo XIV. noch einige der Familien, die aufgrund der schweren Umweltschäden in der Region Todesopfer zu beklagen hatten, kurz persönlich.  

(vatican news - sst) 

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23. Mai 2026, 10:02