Castel Gandolfo soll Denkfabrik werden
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Bei einer Audienz im Vatikan stellte sich der Papst an diesem Freitag hinter das Projekt, im sogenannten „Borgo Laudato si‘“ von Castel Gandolfo regelmäßig Vordenkerinnen und Vordenker aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen: Unternehmen, internationale Organisationen, Wissenschaft, Kunst, Zivilgesellschaft und natürlich Kirche.
„Ihr habt gerade zwei Tage intensiver Arbeit im ‚Borgo Laudato si’‘ hinter euch gebracht“, so Leo zu den Teilnehmenden der Audienz. „Ihr seid zusammengekommen, um an der ersten Ausgabe der ‚Borgo-Dialoge‘ teilzunehmen. Das ist der erste Schritt eines Prozesses, der darauf abzielt, die moralische Orientierung in einer Welt zu erneuern und neu zu gestalten, die heute zersplittert erscheint und ihre historischen Wurzeln vergessen hat.“
Wege zum Gemeinwohl und zu würdigem Leben für alle suchen
„Laudato si‘“, so hieß 2015 die Schöpfungsenzyklika von Papst Franziskus (2013-25). Darin verband Leos Vorgänger das Thema Umweltschutz mit sozialen und Gerechtigkeits-Fragen. Papst Leo gab nun der anlaufenden Reihe von „Borgo-Dialogen“ noch eine weitere Vorgabe, nämlich seine Enzyklika „Magnifica humanitas“, die im Mai erschienen ist. Daraus zitierte er:
„Wir möchten in Dialog mit allen Männern und Frauen unserer Zeit treten, mit denen wir die Ereignisse, Fragen und Wünsche der Menschheit teilen. Wir wollen gemeinsam mit ihnen neue Wege zur Verwirklichung des Gemeinwohls und zur Förderung eines würdigen Lebens für alle finden.“
Synodalität in weiterem Sinn
Leo hieß die Themenpalette des ersten „Borgo-Dialogs“, der von Mittwoch bis Freitag in Castel Gandolfo stattgefunden hat, ausdrücklich gut: Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen aufs Menschsein, Alterung und Vitalität, Sport, Diplomatie, Nachhaltigkeit. Es gehe mit den Gesprächen darum, einer „bemerkenswerten geistigen und kulturellen Blindheit“ unserer Zeit entgegenzuwirken – auch das war wieder ein Zitat aus seiner ersten Enzyklika.
„Eure Dialoge basieren auf der Vision der Synodalität der katholischen Kirche, indem ihr den Menschen an der Basis Gehör schenkt und gleichzeitig die globale Einheit fördert. Ihr seid Experten, Führungskräfte und Fachleute aus verschiedenen Teilen der Welt, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind und über vielfältige Kompetenzen, Erfahrungen und Sichtweisen verfügen. Trotz dieser Vielfalt engagiert ihr euch alle intensiv für den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel der Welt.“
Beharrliche Akte gegen die Entmenschlichung
Das war eine interessante Erweiterung des Synodalitäts-Prinzips, das vor allem von Papst Franziskus hochgehalten, bisher aber vorwiegend binnenkirchlich verstanden wurde. Noch ein weiteres, kennzeichnendes Stichwort rief Papst Leo auf, nämlich „Zivilisation der Liebe“. Es stammt von seinem Vorgänger Paul VI. (1963-1978), der das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende führte.
„Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen. Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können.“
Der erste „Borgo-Dialog“ wurde vom Ausbildungszentrum „Laudato si‘“ in Zusammenarbeit mit der Notre-Dame-University (Indiana, USA), „Deloitte Schweiz“ und „Handshake Strategies“ ausgerichtet.
(vatican news – sk)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
