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Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo: „Verhandlungen statt Krieg“

Bei seiner Rückkehr in den Vatikan hat sich Papst Leo XIV. am Dienstagabend in Castel Gandolfo den Fragen von Journalisten gestellt. Im Zentrum der Fragen standen die aktuellen globalen Krisenherde, insbesondere die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie der fortwährende Konflikt im Libanon.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Angesprochen auf die Haltung der G7-Staaten und auf Akteure wie den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, die den militärischen Einsatz im Libanon fortsetzen wollen, mahnte das Kirchenoberhaupt unmissverständlich den Verhandlungsweg an. Auf die Frage, ob er Frieden fordere, erwiderte das Kirchenoberhaupt: „Verhandlungen sind immer zu fordern.“ Er verwies auf ein vorliegendes Memorandum, dessen offizielle Unterzeichnung für den kommenden Freitag angekündigt sei. Obwohl noch verschiedene Details auszuhandeln seien, betonte er: „Es ist immer besser, dies durch Dialog und Verhandlungen zu tun und nicht zum Krieg zurückzukehren.“ Er äußerte die Hoffnung, dass der Krieg beendet werden könne und eine dauerhafte Lösung gefunden werde. Als Prioritäten für die Weltgemeinschaft benannte er die Abschaffung von Nuklearwaffen sowie die Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die durch die jüngsten Konflikte entstanden sind.

Zum Nachhören - was der Papst sagte
Papst Leo XIV. vor Journalisten in Castel Gandolfo
Papst Leo XIV. vor Journalisten in Castel Gandolfo

Der Kontext des USA-Iran-Konflikts

Die vom Papst angesprochenen Verhandlungen und das Memorandum stehen vor dem Hintergrund einer mehrwöchigen geopolitischen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran. Die Spannungen wurzeln in tiefen strategischen und ideologischen Differenzen, die sich insbesondere am iranischen Atomprogramm, der regionalen Einflussnahme Teherans im Nahen Osten – unter anderem durch die Unterstützung von Milizen wie der Hisbollah im Libanon – sowie an den umfassenden Wirtschaftssanktionen der USA entzündet haben. Die Suche nach diplomatischen Vereinbarungen oder Absichtserklärungen (Memoranden) stellt in diesem Kontext den Versuch dar, eine militärische Eskalation abzuwenden, die nukleare Proliferation in der Region einzudämmen und die durch Sanktionen und Konflikte verursachten ökonomischen Verwerfungen zu mindern.

Die USA und der Iran haben sich auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Konflikts verständigt, das am Freitag auf dem Bürgenstock bei Luzern in der Schweiz formell unterschrieben werden soll. Nach Angaben Pakistans vereinbarten beide Seiten die sofortige und endgültige Beendigung der Militäroperationen an allen Fronten, einschließlich der Kampfhandlungen zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon.

Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo
Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo

Bilanz der Spanienreise und Innenpolitik

Neben den weltpolitischen Krisen zog das Kirchenoberhaupt auch Bilanz zu seiner jüngsten apostolischen Reise nach Spanien. Er zeigte sich bewegt von der Resonanz der spanischen Bevölkerung: „In der Tat war die enthusiastische Reaktion so vieler Menschen an allen Orten etwas sehr Schönes.“ Er hob die Vorbereitung durch die Bischöfe, Laien und freiwilligen Helfer hervor und erklärte, die Menschen glücklich gesehen zu haben und selbst zufrieden zu sein.

Bezüglich seiner Rede vor dem spanischen Parlament stellte er klar, dass er sich nicht in die Innenpolitik Spaniens oder anderer Länder einmischen wolle. Seine Worte seien vielmehr als „Einladung zum Dialog“ zu verstehen. Er kritisierte die gegenwärtige politische Kultur, in der die Opposition oft nur beschimpft werde, ohne Abkommen für das Gemeinwohl zu erzielen. Im Zentrum seiner Überlegungen stehe stets die Menschenwürde.

Am Rande des Gesprächs äußerte sich das Kirchenoberhaupt zudem kurz zu einer potenziellen Reise nach Mexiko, die er zeitnah hoffe realisieren zu können, sowie zu seinem bevorstehenden Urlaub. Dieser werde aus etwas Ruhe, viel Lektüre, Reflexion und der Vorbereitung auf kommende Aufgaben bestehen, da die Arbeit auch in dieser Zeit fortlaufend sei.

Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo
Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo

Papst Leo XIV. erteilt Forderungen nach „Remigration“ eine Absage

Die sogenannte „Remigration“, verstanden als Ausweisung von Ausländern aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder Herkunft, stellt keine mit den christlichen Prinzipien vereinbare Antwort dar. Dies erklärte Papst Leo XIV. im Gespräch mit Journalisten beim Verlassen von Castel Gandolfo.

„Einfach zu sagen: Wir weisen aus, um uns so von dem Problem reinzuwaschen, scheint mir nicht die christlichste Antwort zu sein“, äußerte der Pontifex auf eine entsprechende Frage zu diesem Thema.

Leo XIV. verwies auf die Überlegungen, die er bereits während seiner jüngsten Reise auf die Kanarischen Inseln dargelegt hatte. Er bekräftigte, dass die Migrationsfrage auf der Grundlage des Respekts vor der Menschenwürde und des Verständnisses für die Ursachen angegangen werden müsse, die Millionen von Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. „Oftmals erkennen wir die Gründe nicht an, aus denen diese Menschen ihre Länder verlassen mussten“, stellte der Papst fest. Er erinnerte daran, dass am Ursprung von Migrationen häufig Gewalt, Krieg und Konflikte sowie weitere Situationen des Leidens und der Instabilität stünden.

„Oftmals erkennen wir die Gründe nicht an, aus denen diese Menschen ihre Länder verlassen mussten.“

Nach Auffassung des Pontifex gibt es keine einfachen Lösungen für derart komplexe Phänomene. „Man muss die Einzelfälle betrachten“, unterstrich er und lud dazu ein, jede Situation in ihrer Spezifität zu bewerten sowie Verallgemeinerungen zu vermeiden, welche die Gefahr bergen, die betroffenen Personen zu entmenschlichen. „Man muss Menschen als Menschen mit Respekt behandeln“, erklärte Leo XIV. abschließend und betonte damit ein Prinzip, das die Verantwortung der Institutionen und der Gesellschaften bei der Aufnahme und dem Schutz der Menschenwürde einfordert.

Die wichtigsten Aussagen des Papstes auf die Nachfragen der Journalisten

Papst Leo XIV. warnt Lefebvrianer vor neuen Bischofsweihen

Die Aussicht auf neue Bischofsweihen durch die Priesterbruderschaft St. Pius X. (Lefebvrianer) stellt für die katholische Kirche eine Belastung dar. Dies erklärte Papst Leo XIV. im Gespräch mit Journalisten beim Verlassen von Castel Gandolfo.

Leo XIV. gab bekannt, dass er eine direkte Initiative erwäge, um einen Schritt abzuwenden, der die kirchlichen Spannungen weiter verschärfen könnte. „Ich überlege, noch einen weiteren Appell zu richten“, erläuterte er mit dem Ziel, die Gruppierung von diesem Vorhaben abzubringen und stattdessen die volle kirchliche Gemeinschaft zu suchen. „Tun Sie das nicht, lassen Sie uns versuchen, die Gemeinschaft in der Kirche zu leben“, laute der Kern der Botschaft, die der Papst an die Bewegung richten wolle.

„Es ist ihre Entscheidung.“

Der Pontifex weitete seine Überlegungen auf das allgemeinere Thema der Spaltungen unter Christen aus, die er als eine fortwährende Beeinträchtigung für den Weg der Kirche beschrieb. „Die Spaltung unter den Christen ist immer ein schmerzhafter Punkt“, stellte er fest. Obwohl er anerkannte, dass es sich um eine Entscheidung der direkt Betroffenen handele, betonte Leo XIV. die Notwendigkeit, sich der Konsequenzen bewusst zu sein, die ein solcher Entschluss sowohl für die Verantwortlichen als auch für die gesamte kirchliche Gemeinschaft nach sich ziehe. „Es ist ihre Entscheidung“, sagte er, aber man müsse sich im Klaren darüber sein, „was das für sie und für die Kirche bedeutet“.

In seinen Ausführungen erinnerte der Papst zudem an die dogmatischen Fragen, die einer vollständigen Versöhnung weiterhin im Weg stehen. Die Lefebvrianer lehnten „bestimmte fundamentale Elemente der Kirche“ ab, insbesondere „verschiedene Punkte des Zweiten Vatikanischen Konzils“, welches die Erneuerung der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert prägte. Trotz der bestehenden Schwierigkeiten bekräftigte Leo XIV. die Absicht der Kirche, ihren Weg fortzusetzen. „Es tut mir leid“, erklärte der Pontifex abschließend, „wir müssen vorangehen.“

(vatican news)

Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo
Papst Leo XIV. in Castel Gandolfo

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16. Juni 2026, 20:58