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Im Stadion von Madrid: „Tor!“ gegen Diskriminierung und Rassismus

Beim Treffen mit der Diözesangemeinschaft von Madrid im Bernabéu-Stadion – Heimstatt des weltbekannten Clubs Real Madrid – berichteten Teilnehmer dem Papst am Abend des dritten Reisetages von ihren Erfahrungen. Im Verlauf der Begegnung, die von Anspielungen auf Fußball durchzogen war, gab es auch einen wahrhaften „Match-Kommentar“, wo von einer „barrierefreien“ Aufnahme für Migrantenfamilien und vom „hohem Pressing“ für Gottsuchende, die eine pastorale Antwort brauchen, die Rede war.

Edoardo Giribaldi und Christine Seuss – Vatikanstadt

Im Stadion Santiago Bernabéu, der „Heimstatt“ von Real Madrid, hallt an diesem Abend sehr oft ein Wort wider, das mehr als viele andere vereint: „Tor!“ Die Torschüsse der „Blancos“, wie die Mannschaft von Real Madrid genannt wird, werden ja schließlich aus jedem Winkel gefilmt und noch Wochen später von Fußballbegeisterten diskutiert.

Doch es gibt auch Treffer, die nicht in die Annalen des Spektakelfußballs eingehen, die in Stille und Diskretion erzielt werden, aber vielleicht noch entscheidender sind: ein Mensch, der den Weg nach Hause findet, eine Familie, die die Hoffnung wiederentdeckt, ein Jugendlicher, der einen neuen Sinn für sein Leben erkennt, ein Migrant, der aufhört, sich unsichtbar zu fühlen, ein älterer Mensch, der sich wieder begleitet fühlt. Das sind die „Tore der Kirche“, die beim Treffen mit dem Papst an diesem Abend, 8. Juni 2026, das Leitmotiv der Erfahrungsberichte bilden.

Fürchte nicht die Stille, sondern die Dissonanz

Dieser öffentliche Termin zum Abschluss des dritten Reisetages in Spanien ist ein wahres Eintauchen in die „Spielaktionen“, die nicht nur auf dem Rasen des Bernabéu, sondern in ganz Madrid Gestalt annehmen - manchmal auch gut „behütet“ im Schatten einer „parpusa blanca“, der traditionellen Madrider Kopfbedeckung, die der Papst als Willkommensgruß erhalten hat.

Die ersten Worte richtete der Erzbischof von Madrid, Kardinal José Cobo Cano, an den Papst, in denen er die Aufforderung des heiligen Augustinus aufgriff, „mit dem Leben zu singen“, indem dabei die verschiedenen Stimmen einer Kirche zum Einsatz kommen, die in der spanischen Hauptstadt keine Scheu habe, Prozesse in Gang zu setzen, und es vorziehe, „die Stimmen in Einklang zu bringen“, anstatt sie zu erheben.

Ein guter Gesang, so fuhr der Erzbischof fort, lasse zudem Raum für die Stille, die vom Papst selbst in seinen früheren Ansprachen so sehr gewürdigt wurde und die es ermögliche, „das Flüstern des Geistes zu entdecken, das in der Freiheit und im Inneren jeder Stimme widerhallt“. Nicht das Schweigen sei das Problem, so Cobo Cano, sondern die Dissonanz: „Eine Kirche, in der jede Realität für sich singt, mag sehr aktiv sein, ist aber nicht unbedingt bedeutungsvoll.“ Das ist die „diskrete“ Philosophie der Madrider Kirche, in der „jeder ohne allzu viele Erklärungen unsererseits erkennen kann, dass dieser Gesang nicht nur von uns, sondern von Gott ausgeht und dass in ihm eine Hoffnung wohnt, die es wert ist, gehört zu werden“.

Erzbischof Cobo Cano neben dem Papst
Erzbischof Cobo Cano neben dem Papst   (@Vatican Media)

Synergie zwischen Laien und Priestern

Nach der Begrüßung durch den Kardinal und der Vorführung eines Videos, das „die Realität Madrids“ schildert, nahm diese im ersten Beitrag Gestalt an, nämlich dem von Susana Aregui, Vertreterin des Diözesanrats der Laien. Sie berichtete, dass sie die universelle Mission der Kirche stark spüre, die dazu berufen sei, in „Mitverantwortung und Gemeinschaft“ zu wachsen, im Zusammenwirken von Hirten, Priestern und Ordensleuten mit Bewegungen, Vereinigungen und neuen Realitäten. Diese seien „nur dann fruchtbar, wenn wir in der Gemeinschaft unsere Charismen in den Dienst der Kirche und der Evangelisierung stellen“.

Anschließend ergriff Jesús Moure das Wort, ebenfalls Pastoralratsmitglied und zweifacher Familienvater mit Behinderung: „In den Momenten der Freude und der Schwierigkeiten des Lebens habe ich mich auf die Familie und die Kirche gestützt und die Kraft des Herrn an meiner Seite gespürt, um meinen Glauben zu leben“, so Moure. Die Realität der Pastoralräte sei „nach außen gerichtet, auf Mission“, denn sie wolle alle erreichen und die Einheit der Aktivitäten und Bestrebungen zwischen Laien und Priestern durch die Anwesenheit von Koordinatoren fördern, die von Kardinal Cobo Cano selbst gewünscht worden seien, so der Bericht des in der Gemeinde aktiven Familienvaters.

Der dritte Bericht stammte von einem Priester, Fausto Calvo, der von den Treffen berichtete, die die Priester der Erzdiözese im Rahmen des sogenannten „Convivium“ abhalten. Durch dieses, so erklärte er, werde deutlich, dass – wie der heilige Johannes Paul II. bekräftigte – „der priesterliche Dienst eine zutiefst gemeinschaftliche Form“ habe. Eine Harmonie, die nicht nur durch die Erzählung zum Ausdruck kommen sollte, sondern auch durch die offizielle Hymne des Convivium, die dem Papst vorgetragen wurde.

Die Zeugnisse in der Arena
Die Zeugnisse in der Arena   (@Vatican Media)

Die Live-Berichterstattung über die „gelungenen Aktionen“

Daraufhin folgte ein etwas ungewöhnlicherer Bericht in Form einer Live-Übertragung von zwei bekannten Sportjournalisten, die sonst für hochrangige Matches für die Zuschauer im Stadion und vor den Fernsehbildschirmen kommentieren, Manolo Lama und Paco González: „Heiliger Vater, hallo! Eine festliche Atmosphäre, ein bis zum Bersten gefülltes Stadion… aber Achtung, heute wird das große Spiel in ganz Madrid ausgetragen“, beginnt Manolo, der zusammen mit Paco die erste „Aktion“ beschreibt: die offenen Pfarreien in den schwierigsten Stadtvierteln. Ein „perfekter Pass gegen die Einsamkeit“, für ein Tor, das „ohne Scheinwerfer, aber mit viel Herz“ erzielt wurde. Ein weiteres Spielschema: „Eine volle Kantine, niemand fragt dich, woher du kommst … man empfängt dich mit einem Lächeln und gibt dir das Gefühl, zu Hause zu sein“. Ein makelloser Abschluss und ein Punkt gegen die Ungleichheit.

Angriff, sicher, aber auch Verteidigung, dieses „hohe Pressing“, das die Jugendlichen nicht allein lässt, die Gott suchen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen … sie kommen mit Zweifeln, Verletzungen und Fragen. Hinter diesem Pressing steht die „Mannschaft der Pfarrei“, die keine Reden auf der Tribüne hält, sondern zuhört, begleitet und mitgeht, denn „niemand ist Ersatzspieler“, sondern alle sind Stammspieler.

Weiter: „Spielwechsel … wir haben eine Familie, die andere ohne Etikettierungen und ohne Angst aufnimmt … es sind Freiwillige der Caritas, die gerade erst andere Menschen aufgenommen haben, die vor kurzem in Spanien angekommen sind“. Was für eine Ballkontrolle, und was für ein Tor gegen den Rassismus, jubelt der Sportjournalist. Eine Mannschaft also, die sich nicht in der Verteidigung verschanzt, sondern „den Blick hebt“, ohne Einzelstars und mit vollem Einsatz bis zum Schlusspfiff.

Große Begeisterung bei der Begegnung mit dem Papst
Große Begeisterung bei der Begegnung mit dem Papst   (@Vatican Media)

Gegen Rassismus und Diskriminierung

Im Folgenden gibt es dann der Bericht derjenigen, die direkt von diesen „Toren“ profitieren: eine Migrantenfamilie, Jorge Barco und Liliana Torres, ein peruanisches Ehepaar, das seit 29 Jahren verheiratet ist und vor vier Jahren mit einem Ziel nach Spanien kam: „unserer Tochter einen sichereren Ort zum Leben zu bieten, an dem sie eine höhere Ausbildung absolvieren kann, die es ihr ermöglicht, sich eine bessere Zukunft aufzubauen“. Der anfänglichen Angst, geschürt durch die „Geschichten, die wir über Rassismus und Diskriminierung gehört hatten“, stand eine herzliche Aufnahme gegenüber, die den beiden Eltern die Möglichkeit gab, das empfangene Wohlwollen aktiv zurückzugeben. „Bei der Caritas haben wir die Möglichkeit, ehrenamtlich tätig zu sein und im Rahmen des Programms EASE (Raum für sozialpädagogische Begleitung) als Betreuer für Kinder im Vor- und Jugendalter zu arbeiten. Außerdem nehmen wir als Betreuer am Programm Mamartesanas teil, wo wir Mütter, von denen viele in prekären Situationen leben, unterstützen, indem wir ihnen einen ruhigen und einladenden Ort bieten“.

Die Antwort auf die Fragen des Lebens

Zum Abschluss die Geschichte von Álvaro, einem 33-jährigen Neugetauften, der lange Zeit „einen Weg gegangen ist, der Gott völlig fremd war, und zwar nicht nur fremd, sondern auf dem er den Herrn bewusst abgelehnt hat“. Die Fragen nach dem Sinn des Lebens stellen sich jedoch unweigerlich, und die Antworten fehlen. „Aus diesem Gefühl heraus entstand ein neues Interesse an den Dingen Gottes; ich begann, die Schönheit und den perfekten Plan in allen Dingen dieser Welt zu sehen, Dinge, die ich zuvor nicht gesehen hatte.“ Seine alte Schulbibel, die bei seiner Mutter aufbewahrt wurde, zog ihn über ein Jahr lang an, „bis ich eines Tages, als ich dort war, beschloss, sie mit nach Hause zu nehmen. Die ersten Seiten der Genesis faszinierten mich, und ich konnte es kaum erwarten, das Zeugnis von Jesus im Neuen Testament zu lesen“. Nach und nach, so erzählt Álvaro, habe er „die Angst verloren“ und gesehen, wie sich sein Leben veränderte. „Das war der größte Segen, den ich in meinem Leben erhalten habe.“ „Jetzt, in weniger als einem Monat, werde ich heiraten, und es geht nicht mehr nur um mich, sondern darum, gemeinsam mit meiner Familie näher zu Gott zu kommen.“

(vatican news)

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08. Juni 2026, 20:37