Kardinal Parolin warnt vor Flächenbrand im Nahen Osten
Mario Galgano - Vatikanstadt
Bei der Veranstaltung „Iftar-Tisch 2026“, einem gemeinsamen Fastenbrechen von Christen, Juden und Muslime, äußerte sich der Chefdiplomat des Papstes am Montagabend besorgt über die jüngsten Entwicklungen. Die Strategie des Heiligen Stuhls sei es, mit allen Beteiligten zu sprechen, um „die Lösungen aufzuzeigen, die wir für richtig halten“.
Die Kirche als Mitbetroffene im Libanon
Parolin reagierte mit tiefer Bestürzung auf den Tod des maronitischen Pfarrers Pierre El Raii, der am Montag bei einem israelischen Bombenangriff im Südlibanon getötet wurde, während er einem Verletzten half. Auch Papst Leo XIV. hatte zuvor sein „tiefes Beileid“ für den Priester und alle unschuldigen Opfer, insbesondere die Kinder, bekundet.
„Leider ist auch die Kirche ein Opfer dieser Situation“, betonte Parolin. „Wir sind nicht ausgenommen, wir sind nicht immun gegen diese Lage und gegen das Leid der Bevölkerung.“ Die Gewalt mache vor religiösen Institutionen keinen Halt, was die Arbeit der Seelsorger vor Ort lebensgefährlich mache.
Diplomatie als „Werkzeug der Weisheit“
Auf die Frage nach der Wirksamkeit der vatikanischen Bemühungen gab sich der Kardinal realistisch, aber beharrlich. Die Instrumente der Diplomatie seien „die Worte, die Vernunft und die Weisheit“. Er räumte jedoch ein, dass dieser Weg nicht immer akzeptiert werde: „Wir haben keine Zwangsmittel, um unsere Sicht der Dinge aufzuzwingen. Aber wir bestehen weiterhin auf den grundlegenden Prinzipien, die ein friedliches Zusammenleben der Völker regeln müssen.“ Man müsse weiterhin den „Samen des Friedens säen“ in der Hoffnung, dass er die Herzen der Verantwortlichen erreiche.
Sorge um das Überleben der Christen
Ein weiteres zentrales Thema war die schwindende Präsenz von Christen im Nahen Osten. Parolin warnte, dass Krieg, Destabilisierung und der zunehmende Hass das Überleben der christlichen Minderheiten in der Region massiv gefährden. „Das ist ein Grund für noch größere Besorgnis“, so der Kardinal. Die Instabilität fördere die Abwanderung und zerstöre das jahrhundertealte soziale Gefüge des Heiligen Landes.
Vermittlung in der Kuba-Frage
Neben der Nahost-Krise bestätigte Parolin auch diplomatische Bemühungen in Bezug auf Kuba. Er habe sich mit dem kubanischen Außenminister getroffen, um notwendige Schritte für eine „dialogorientierte Lösung der bestehenden Probleme“ einzuleiten. Auch hier bleibe der Vatikan seiner Linie treu, als Brückenbauer zu fungieren, wo politische Fronten verhärtet sind.
(vatican news)
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