Vatikan: Leitlinien zu Tier-zu-Mensch-Organtransplantationen
Mario Galgano - Vatikanstadt
Renzo Pegoraro, der Präsident der Akademie, erklärte, dass das Dokument bereits Ende November 2025 fertiggestellt wurde. Die Präsentation sei jedoch auf einen geeigneteren Zeitpunkt nach den Weihnachtsfeiertagen verschoben worden. In der Zwischenzeit sei der Text bereits in der Fachwelt zirkuliert und habe dabei positive Rückmeldungen erhalten. Durch die Beteiligung weltweit führender Experten, darunter Fachleute der Harvard Medical School, sei die Verbreitung in den relevanten wissenschaftlichen Kreisen gewährleistet.
Ethische Fragen und globale Standards
Derzeit laufen nach Auskunft der Akademie bereits klinische Studien mit Tierorganen in Menschen in den USA und in China. Dabei gehe es vor allem um tierische Nieren und Lebern, die Menschen eingepflanzt werden, die keine Chance auf menschliche Spenderorgane haben. Mit Blick auf China und auf den Bereich der Kommerzialisierung betonten die Experten, dass das Dokument proaktiv die Einhaltung ethischer Kriterien fordert. Während Nordamerika in der Kommunikation führend sei, arbeite auch China an der Weiterentwicklung unter Berücksichtigung von Standards, die derzeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgestimmt würden.
In Bezug auf Patente und den Zugang zu Behandlungen sieht das Dokument die Notwendigkeit internationaler Regeln. Es gelte sicherzustellen, dass Organe für Therapien verfügbar bleiben und der Zugang für Bedürftige unabhängig von finanziellen Mitteln garantiert wird.
Medizinische Notwendigkeit und Biosicherheit
Der Mediziner Emanuele Cozzi wies vor der Presse darauf hin, dass in den kommenden fünf Jahren die menschliche Organspende weiterhin die primäre Säule der Transplantationsmedizin bleiben wird, da klinische Studien in den USA derzeit nur eine geringe Anzahl an Patienten umfassen. Dennoch sei die sogenannte Xenotransplantation eine notwendige Perspektive: Allein in Italien kosten Dialysebehandlungen für etwa 48.000 Patienten das Gesundheitssystem jährlich rund zwei Milliarden Euro.
Hinsichtlich der Risiken durch Zoonosen (Infektionen, die vom Tier auf den Menschen übergehen) gaben die Experten weitgehend Entwarnung. Das Risiko für die Öffentlichkeit werde derzeit als sehr gering eingestuft. Durch engmaschige Überwachung und regelmäßige Untersuchungen der Patienten sollen Infektionsketten frühzeitig unterbrochen werden. Die als Spender genutzten Schweine werden in speziellen Barriere-Anlagen unter hohen Sicherheitsstandards gezüchtet, die deutlich über denen der Lebensmittelproduktion liegen. Das Expertengremium, dem unter anderem der Infektiologe Jay Fishman angehört, betonte, dass die Kombination aus Hochsicherheitsställen und präziser Genetik die biologische Sicherheit der Organe maßgeblich erhöhe.
(vatican news)
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