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Kardinal Parolin antwortet auf Fragen von Journalisten Kardinal Parolin antwortet auf Fragen von Journalisten

Parolin: „Im Dialog“ mit deutschen Bischöfen – Papstkritik aus USA „zumindest seltsam“

Es sei „verfrüht, von Sanktionen zu sprechen“: Man sei im Dialog mit den deutschen Bischöfen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an diesem Mittwochabend zur Segnung homosexueller Paare in Deutschland. Zur für Donnerstag geplanten Audienz von US-Außenminister Marco Rubio im Vatikan erklärte der Kardinal am Rand einer Buchvorstellung, dass alle „heißen Themen“ zur Sprache kommen würden.

Parolin antwortete an diesem Mittwochabend auf Fragen von Journalisten am Rand der Vorstellung des Buches „Liberi sotto la Grazia“ mit Texten von Papst Leo XIV. aus seiner Zeit als Generaloberer der Augustiner vor dem Patristischen Institut Augustinianum in Rom.

Ein Eingreifen des Heiligen Stuhls gegen die deutschen Bischöfe wegen der Segnung gleichgeschlechtlicher oder anderer Paare, die nicht sakramental-kirchlich heiraten können, sei „verfrüht“, so Parolin. Derzeit befinde man sich „im Dialog“: „Wir werden sehen, was geschieht.“ Die Entscheidung liege beim Papst: „Wir haben jedoch bereits seit einiger Zeit einen Dialog begonnen und dabei jeweils unsere Sichtweisen dargelegt.“

„Wir haben jeweils unsere Sichtweisen dargelegt“

Das vatikanische Glaubensdikasterium hatte gegenüber Vatican News ebenfalls am Mittwoch klargestellt: Das im Jahr 2025 von den deutschen Bischöfen veröffentlichte Vademecum zur Segnung für Paare außerhalb kirchlich-sakramentaler Verbindungen habe nicht die Zustimmung des Vatikans.

„Die Hoffnung sei, niemals zu Sanktionen greifen zu müssen“

Der Kardinalstaatssekretär hält es jedoch für möglich, „eine Lösung zu finden“, die die unterschiedlichen Auffassungen zusammenführe, auch was das „Thema der Synodalität" angehe – also dazu, „dass jede Entscheidung im Einklang mit dem Kirchenrecht, dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Tradition der Kirche stehen muss“. Die Hoffnung sei, „niemals zu Sanktionen greifen zu müssen, sondern die Probleme friedlich lösen zu können, wie es in der Kirche sein sollte“.

Das Treffen mit Rubio

In weiteren Antworten auf Journalistenfragen äußerte sich Parolin auch zu den kritischen Äußerungen aus den Vereinigten Staaten zu Papst Leo XIV. - am Vorabend des an diesem Donnerstag geplanten Treffen von Papst Leo XIV. mit US-Außenminister Marco Rubio. „Wir werden ihm zuhören, die Initiative ging von ihnen aus.“ Bei dieser Begegnung werde man „über alles sprechen, was in diesen Tagen geschehen ist“, sagte der Kardinal. Zur Sprache kämen „alle heißen Themen“ der internationalen Politik und insbesondere aktuelle Konflikte.

Mit Blick auf die jüngsten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf den Papst erklärte Parolin, es erscheine ihm „zumindest seltsam“, den Papst auf diese Weise anzugreifen oder ihm Vorwürfe zu machen. Der Vorwurf Trumps, der Papst akzeptiere iranische Atomwaffen und „gefährde“ damit „Tausende Katholiken" - sei „sicherlich keine korrekte Behauptung“, betonte der Kardinalstaatssekretär. Der Heilige Stuhl habe sich stets für nukleare Abrüstung eingesetzt und tue dies weiterhin.

Weitere Vorschläge des Heiligen Stuhls zur Lösung des Konflikts mit dem Iran werde es nicht geben, außer jenen, „die es immer gegeben hat“ – nämlich den Dialog. „Diese Konflikte können nicht mit Gewalt gelöst werden, sondern müssen verhandelt und durch Verhandlungen gelöst werden. Es braucht Verhandlungen in gutem Willen und aufrichtiger Weise, damit alle Seiten ihren Standpunkt darlegen und gemeinsame Ansatzpunkte finden können“, sagte Parolin.

„Der Papst tut, was ein Papst tun muss“

Parolin ging nicht näher auf die wiederholten Angriffe des US-Präsidenten seit dem 13. April ein. „Ich möchte darüber keine Urteile oder persönlichen Bewertungen abgeben. Ich glaube, der Papst tut das, was er tun muss: Der Papst ist Papst.“

Auf mögliche weitere Entwicklungen im Verhältnis zur US-Regierung angesprochen, erklärte Parolin, es sei „noch verfrüht“, über ein mögliches Telefonat zwischen Leo XIV. und Trump zu sprechen. Der Papst sei jedoch „für alle Optionen offen“ und habe sich „nie jemandem verweigert“. Sollte ein direktes Gespräch mit Trump vorgeschlagen oder erbeten werden, „hätte er sicherlich keine Schwierigkeiten, es anzunehmen“.

Zugleich unterstrich Parolin, dass die Vereinigten Staaten trotz aller Spannungen ein wichtiger Gesprächspartner des Heiligen Stuhls blieben: „Wie sollte man die Vereinigten Staaten ausklammern? Das geht nicht. … Auch weil sie in fast allen Situationen, die wir heute erleben, eine Rolle spielen.“

(Vatican News)

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06. Mai 2026, 20:04