Parolin: „Die Welt braucht mehr Diplomatie statt Ideologie“
Mario Galgano und Salvatore Cernuzio – Vatikanstadt
Die langjährige diplomatische Beziehung zwischen dem lateinamerikanischen Land und dem Heiligen Stuhl sei ein Sinnbild für das gegenseitige Vertrauen, so Kardinal Parolin in seiner Ansprache an das diplomatische Korps. Parolin sprach auch mit dem Präsidenten des Landes, Bernardo Arévalo, sowie mit Außenminister Carlos Ramiro Martínez und Vertreter der indigenen Völkergruppen. Die Gespräche fanden in der Nuntiatur statt. Die Gesprächsteilnehmer waren bereits am Sonntag bei der heiligen Messe mit Kardinal Parolin zugegen gewesen, bei der der vatikanische Kardinalstaatssekretär in der Predigt für eine gerechte Gesellschaft und gegen die Gleichgültigkeit sprach.
Am Montag betonte Parolin in seiner Ansprache an die Diplomaten, wie wichtig es sei, den Dialog und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Die Welt brauche heutzutage mehr Diplomatie und weniger Ideologie. Vor allem sei es nicht hinnehmbar, dass das Gesetz des Stärkeren heute als „normal“ betrachtet werde. Auch dürfe es nicht sein, dass im Namen einer Ideologie die Meinungs- und Gewissensfreiheit eingeschränkt würden. „Die freie Meinungsäußerung, die Gewissensfreiheit, die Religionsfreiheit und sogar das Recht auf Leben werden heute im Namen angeblicher neuer Rechte eingeschränkt, mit dem Resultat, dass die Menschenrechte ihre lebensbejahende Kraft verlieren und einer Ideologie Platz schaffen, die durch Stärke und Unterdrückung gekennzeichnet ist“, so Parolin.
Eine andere Strategie
Der Heilige Stuhl verfolge mit seiner Diplomatie hingegen eine andere Strategie, die nicht durch wirtschaftliche oder strategische Interessen gekennzeichnet sei, unterstricht Parolin. Vielmehr gehe es dem Vatikan darum, „den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, indem der Austausch zwischen den Völkern gefördert und ein moralischer und spiritueller Beitrag angeboten wird, der vom Evangelium und der Katholischen Soziallehre geprägt ist“, so Parolin weiter. Auf diese Weise könne das Allgemeinwohl konkret gefördert werden.
Diese Mission, betonte der vatikanische Kardinalstaatssekretär, könne „gegenüber der res novae der heutigen Zeit“ greifbar werden, wenn man „unnötigen Eifer oder sterile Ängste vermeidet“ und stattdessen die „Sprache des Evangeliums und den Kriterien des Unterscheidungsvermögens“ einsetze. Die ausschlaggebenden Kriterien seien „die Menschenwürde, die Verteilung der Güter an alle, die Achtung der Armen, die Sorge um die Schöpfung und den Frieden“. Dazu bedürfe es einer „verantwortungsvollen Planung und Beachtung der Konsequenzen jeglichen Handelns für Mensch und Natur“. Es sei auch wichtig, die Schwächsten immer miteinzubeziehen sowie die digitale Alphabetisierung zu fördern. Wissenschaft und Industrie müssten ihrerseits die Gerechtigkeit und den Frieden unter den Menschen begünstigen, so Parolin.
(vatican news)
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