Suche

Der zukünftige Erzbischof von Prag, Stanislav Pribyl. Der Gottesdienst zur offiziellen Amtseinführung soll am 25. April stattfinden.  Der zukünftige Erzbischof von Prag, Stanislav Pribyl. Der Gottesdienst zur offiziellen Amtseinführung soll am 25. April stattfinden.  

Tschechien: Prager Erzbischof will auf Missbrauchsopfer zugehen

Der ernannte Prager Erzbischof Stanislav Pribyl hat in einem Fernsehinterview eine deutlich selbstkritische Haltung der tschechischen Kirche im Umgang mit Missbrauchsopfern angemahnt.

Im Gespräch für den Internet-Talk DVTV, das am 22. Februar von CT24 gesendet wurde, sprach er von Versäumnissen und betonte das Zugehen auf Missbrauchsopfer als eine seiner Prioritäten. Er wolle Betroffenen persönlich begegnen und ihnen zuhören. Es reiche nicht, Fälle lediglich administrativ oder juristisch zu behandeln. „Es ist meine Pflicht als Priester und Bischof, zuzuhören - auch wenn es schmerzhaft ist“, erklärte Pribyl.

Besonders selbstkritisch äußerte sich der Vize-Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz und bisherige Bischof von Leitmeritz (Litomerice) zum bisherigen kirchlichen Umgang mit dem Thema. „Wir haben das Thema Missbrauch wie ein Elefant im Porzellanladen behandelt“, sagte er bei DVTV. Damit spielte er auf mangelnde Sensibilität und Kommunikationsdefizite in der Vergangenheit an. Man müsse anerkennen, dass Vertrauen verloren gegangen sei, und dieses nur durch Offenheit zurückgewonnen werden könne.

Transparenz und Kooperation mit staatlichen Behörden

Zugleich betonte Pribyl die Notwendigkeit von Transparenz und Kooperation mit staatlichen Behörden. Die Kirche arbeite mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, doch das allein genüge nicht: „Für die Opfer ist es entscheidend, dass sie gehört werden und dass man ihre Würde respektiert“, sagte er. Es gehe nicht nur um juristische Verfahren, sondern auch um menschliche Begleitung.

Insgesamt zeichnete der neue Prager Erzbischof das Bild einer Kirche, die sich ihrer Verantwortung stellen müsse. Missbrauch dürfe weder relativiert noch verdrängt werden. „Ich möchte den Menschen helfen. Das ist für mich auch persönlich wichtig“, so Pribyl.

Pribyl wurde am 2. Februar von Papst Leo XIV. zum Erzbischof von Prag und Primas von Böhmen ernannt. Der Gottesdienst zur offiziellen Amtseinführung wird am 25. April stattfinden. In den vergangenen drei Wochen umriss der 54-Jährige in mehreren Interviews seine Vision von Kirche und Gesellschaft. Auch über die Kirche hinaus sei dabei wahrgenommen worden, dass Pribyl Probleme offen anspricht, dabei aber einen reflektierten, versöhnlichen Ansatz wählt, der darauf abzielt, nicht Polarisierung zu verstärken, sondern gemeinsame Nenner zu finden, schreibt Kathpress.

Soziale Kraft der Kirche

So habe der Erzbischof bei „Udalosti, komentare“ auf CT24 deutlich gemacht, dass er eine verbreitete Frustration als gesamtgesellschaftliches Phänomen wahrnehme. Viele Menschen suchten nach Stabilität und „etwas, das über ihnen steht“ - ein Ideal jenseits politischer Versprechen oder ideologischer Spaltungen. Gerade in einer Zeit, in der Menschen politisch und moralisch enttäuscht seien, könne die Kirche einen Beitrag leisten, indem sie Hoffnung und Beständigkeit bietet, zeigte sich Pribyl überzeugt.

In weiteren Zeitungsinterviews unterstrich der künftige Prager Erzbischof, dass die katholische Kirche nicht als abgeschottete Institution agieren, sondern Teil der breiteren Zivilgesellschaft sein solle. Er betonte, dass Kirche demütig, authentisch und wahrhaftig auftreten müsse - ein Kontrast zu vergangenen Traditionen von Prunk und äußerer Inszenierung, die heute nicht mehr zur Realität vieler Menschen passten.

Pribyl plädierte dafür, die Kirche nicht nur als spirituelle Gemeinschaft zu sehen, sondern auch als soziale Kraft, die den Alltag vieler Bürger durch Schulen, karitative Arbeit und den Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen berührt. Wiederholt warnte der Erzbischof auch vor einer Gesellschaft, die in Informations- und Meinungsblasen gefangen ist. Die Kirche sehe er als möglichen Moderator eines offenen Dialogs, in dem Menschen lernen, wieder zuzuhören, statt nur zu widersprechen.

(kap – pr)
 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

23. Februar 2026, 14:23