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Die Gebeine des heiligen Franziskus Die Gebeine des heiligen Franziskus

Ausstellung der Gebeine des hl. Franz von Assisi: „Die Herzkammer ist geöffnet“

Zum ersten Mal in der Geschichte werden die sterblichen Überreste des heiligen Franziskus öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung ist Teil der Feierlichkeiten zum 800. Todestag des Heiligen. Noch bis zum 22.3. können Pilger in der Unterkirche der Basilika die in einer Plexiglasvitrine ausgestellten Reliquien verehren. Um die deutschsprachigen Pilger kümmert sich Bruder Thomas Freidel.

Christine Seuss und Birgit Pottler - Assisi

Der Franziskaner-Minorit berichtet, dass der enorme Andrang an Pilgern auch die verantwortlichen Franziskaner überrascht habe. Um die Pilgerflüsse besser steuern zu können, hatten die Franziskaner zu einem Online-Anmeldesystem gegriffen. Schon zu Beginn habe es täglich etwa 5000 Anmeldungen gegeben; insgesamt würden zwischen 300.000 und 400.000 Pilger erwartet. Doch trotz dieser großen Zahl könnten auch spontane Besucher meistens noch einen Platz finden, meint Bruder Thomas. Die Organisation werde von etwa 300 freiwilligen Helfern und zahlreichen Ordnungskräften unterstützt – eine unerwartete Hilfsbereitschaft, die die Franziskaner angenehm überrascht habe, meint er.

Hier das gesamte Interview zum Nachhören

Unerwartet großer Andrang

Zwar sei das Grab des heiligen Franziskus in den vergangenen Jahrzehnten gelegentlich geöffnet worden, um den Zustand der Gebeine des Heiligen zu überprüfen, berichtet Bruder Thomas weiter. Diese etwa alle 20 Jahre stattfindenden Öffnungen seien jedoch immer nur für einen kleinen Kreis zugänglich gewesen, während im Jahr 1987 Besucher das Grab einmalig für einen Tag sehen konnten – die Initialzündung für die Idee, eine derartige Begegnung mit dem heiligen Franziskus einmal einer größeren Öffentlichkeit zu ermöglichen. Eine Idee, die die Franziskaner-Gemeinschaft miteinander besprochen und entschieden habe, bevor sie die notwendige Erlaubnis von Papst Franziskus – und später auch von Papst Leo XIV. – eingeholt habe.

Bruder Thomas Freidel im Interview mit Radio Vatikan
Bruder Thomas Freidel im Interview mit Radio Vatikan

Unterschied zwischen Internetbild und Wirklichkeit

Bruder Thomas räumt ein, dass es zur Reliquienverehrung zwar unterschiedliche Meinungen gebe –diese sei auch nicht unbedingt Teil seiner persönlichen täglichen Spiritualität, so dass er verstehen könne, wenn Menschen skeptisch seien.

Allerdings sei die Wirklichkeit vor Ort ganz anders, als viele Kommentare im Internet vermuten ließen, betont der Franziskaner-Minorit. Während im Internet auf Bildern oft nur Menschen gezeigt würden, die starr auf die Gebeine blickten, sei die reelle Atmosphäre in der Kirche still, andächtig und emotional. Viele Pilger seien tief bewegt, einige weinten sogar, während andere beteten – aber die Stimmung insgesamt sei ruhig, gesammelt und sogar freudig.

Eine deutschsprachige Pilgergruppe mit Bruder Thomas Freidel
Eine deutschsprachige Pilgergruppe mit Bruder Thomas Freidel

Die Herzkammer ist offen

In der Gemeinschaft selbst sei angesichts dieser Resonanz das Bild entstanden, dass „die Herzkammer offen“ sei – das Herz der Gemeinschaft und die Erinnerung an Franziskus in diesem Moment also besonders spürbar seien. Gleichzeitig gehe es bei den Reliquien nicht um Magie; Franziskus selbst sei schließlich in den Knochen nicht „anwesend“. Es gehe vielmehr darum, seine sterblichen Überreste respektvoll zu ehren und auf seine Vollendung in Gott zu blicken.

Der Glas-Sarg in der Unterkirche der Basilika
Der Glas-Sarg in der Unterkirche der Basilika

Die Botschaft: Franziskus lebt

Nicht zufällig stehe die Ausstellung der Reliquien auch unter dem Motto „Er lebt“. Denn Franziskus lebe nach christlichem Glauben bei Gott und wirke weiterhin durch seine Botschaft, so Bruder Thomas, der sich davon überzeugt zeigt, dass das Leben und Beispiel des Heiligen viele Menschen noch heute auf ihrem Glaubens- und Lebensweg inspirierten.

Bruder Thomas Freidel OFM im Gespräch mit uns - in den Arkaden des Sacro Convento

Das Grab des Franziskus werde daher nicht als Ort des Todes gesehen, sondern als Ort der Hoffnung und des Lebens. Der Tod werde im Geist des heiligen Franziskus als Übergang in ein neues Leben verstanden. Franziskus selbst habe den Tod in seinem berühmten „Sonnengesang“ als „Schwester Tod“, also als Teil der Schöpfung, bezeichnet, erinnert Bruder Thomas:

„Und was wir das ganze Jahr über verkünden und auch jetzt in dieser Zeit, wenn die Gruppen hierherkommen, das ist, dass das Grab des Franziskus ein Ort der Hoffnung und Zuversicht ist, ein Ort des Lebens. Es geht nicht um die Botschaft des Todes, sondern um die Botschaft des Lebens“, meint der Franziskaner.

Die öffentliche Ausstellung der Gebeine sei allerdings nur eine Besonderheit für vier Wochen. Die Botschaft dieses Ortes solle so noch einmal besonders hervorgehoben werden.

Pilger an der Glasvitrine mit den sterblichen Überresten des Heiligen
Pilger an der Glasvitrine mit den sterblichen Überresten des Heiligen

Auswirkungen auf die franziskanische Gemeinschaft

Auch für die Franziskanergemeinschaft in Assisi sei diese Zeit sehr intensiv, räumt Bruder Thomas ein. Mehr als 50 Brüder aus über 20 Nationen leben dort zusammen und sind derzeit von morgens bis abends im Einsatz. Allerdings habe diese Situation auch die Gemeinschaft noch enger zusammengebracht, stellt Bruder Thomas fest. So achteten die Brüder mehr aufeinander, würden sich gegenseitig noch mehr als sonst helfen und zeigten auch mehr Sensibilität im Umgang miteinander, so sein positiv überraschtes Resümee.

„Es wird ein Davor und ein Danach geben. Und das kommt mir immer mehr so vor. Es ist verrückt, dass man so etwas bewirken kann“, so der Bruder, der meint, dass dieses gemeinsame Erleben auch die Gemeinschaft nachhaltig verändern wird.

„Es wird ein Davor und ein Danach geben“

Bruder Thomas erinnert auch daran, dass Franziskus äußerlich ein eher kleiner Mensch gewesen sei, der dennoch ursprünglich Ritter werden wollte. Den Widrigkeiten zum Trotz sei er zu einer starken und prägenden Persönlichkeit geworden, die die Welt verändert habe.

Besonders bemerkenswert sei auch sein Umgang mit dem eigenen Tod gewesen: Den Quellen ließ sich Franziskus kurz vor seinem Tod nackt auf den Boden legen, verabschiedete sich feierlich von seinen Brüdern und gestaltete seinen Tod bewusst als spirituelles Ereignis. Selbst wenn die historischen Berichte teilweise übertrieben seien, zeige deren Duktus doch, dass Franziskus eine außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen sei, unterstreicht Bruder Thomas.

Die berühmte Basilika in Assisi
Die berühmte Basilika in Assisi

Eine bewegende Begegnung

Ihn selbst habe eine Begegnung während dieser bewegten Zeit besonders berührt, nämlich eine Familie, die mit zwei Kindern – die ältere Tochter schwerstbehindert - zum Grab des Franziskus kam. Zu sehen, wie die Familie zusammengehalten habe und diesen Weg gemeinsam gegangen sei, habe ihn tief beeindruckt und stelle mit dem dabei deutlich gewordenen Beispiel von Zusammenhalt und Stärke ein starkes Zeugnis dar – was man auch in einer langen Predigt niemals ähnlich angemessen ausdrücken hätte können, so Bruder Thomas sichtlich bewegt.

Die Pilgerströme hätten jedoch auch noch andere ungeahnte Folgen gezeitigt: So könnten die Menschen auch Sehenswürdigkeiten entdecken, die selbst Ortskundige teils nicht präsent hätten – wie das Museum des Klosters, für das er auch zuständig sei – eine Gelegenheit für neue Begegnungen zwischen Pilgern und Einheimischen.

(vatican news)

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13. März 2026, 12:58