Libanon: Eine christliche Familie harrt aus
Federico Piana und Mario Galgano - Vatikanstadt
Während ein Großteil der Bevölkerung aufgrund der seit Wochen andauernden israelischen Luftangriffe in Richtung Norden geflohen ist, hat sich die Familie für den Verbleib entschieden.
Alltag unter militärischem Druck
„Das Geräusch der Bombardierungen ist Teil unseres täglichen Lebens geworden“, berichtet Mario Abou Khalil gegenüber den vatikanischen Medien. Die psychische Belastung, insbesondere für die Kinder, sei erheblich. Der Sportlehrer muss für die Sicherung des Lebensunterhalts dreimal pro Woche unter erschwerten Bedingungen nach Beirut pendeln, da die Erwerbsmöglichkeiten im Süden des Landes zum Erliegen gekommen sind.
Die wirtschaftliche Situation hat sich durch den Konflikt verschärft: Die Treibstoffpreise haben sich nahezu verdoppelt, und die Lebenshaltungskosten sind gestiegen. Drei der Kinder nehmen am Online-Unterricht der Saint-Elie-Schule in Darb es-Sim teil, um ihre Ausbildung trotz der geschlossenen Bildungseinrichtungen fortzusetzen.
Religiöses Leben und humanitäres Engagement
Die Familie, die dem Neokatechumenalen Weg angehört, nutzt das gemeinsame Gebet als Mittel gegen die Belastungen des Konflikts. Bei Fliegeralarm versammelt sich die Familie zum Rosenkranz und betet täglich die Laudes.
Zusätzlich engagieren sie sich in der lokalen Pfarrei. Trotz der eigenen prekären Lage unterstützen sie die pastorale Gruppe bei der Verteilung von Mahlzeiten an Binnenflüchtlinge. In den öffentlichen Schulen der Region Sidon sind derzeit zahlreiche Menschen untergebracht, die aus anderen zerstörten Gebieten geflohen sind.
Sorge vor demografischem Wandel
Abou Khalil weist auf die prekäre Lage der christlichen Minderheit im Süden hin. Viele seien bereits geflohen, was die Sorge vor einer dauerhaften Veränderung der Bevölkerungsstruktur schürt. „Wir fragen uns, was von unserer Präsenz hier übrig bleiben wird“, so der Familienvater.
In seinem Appell bittet er den Heiligen Stuhl um die Entsendung eines Vertreters, um die christliche Präsenz vor Ort zu unterstützen. Gleichzeitig richtet er eine Aufforderung an die internationale Gemeinschaft, die verbliebenen Gemeinschaften in der Region nicht aus den Augen zu verlieren. Viele Familien, insbesondere solche in Armut, würden es vorziehen, in ihren Dörfern zu bleiben, anstatt die Ungewissheit der Flucht auf sich zu nehmen.
(vatican news)
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