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Erzbischof Paul Ssemogerere von Kampala bei einer Jubiläumsveranstaltung zu ,10 Jahren Laudato sì' im Mai 2025 Erzbischof Paul Ssemogerere von Kampala bei einer Jubiläumsveranstaltung zu ,10 Jahren Laudato sì' im Mai 2025   (Christopher Kisekka - Kampala)

Uganda: Das Erbe von Laudato sì wächst weiter

Leo XIV. bricht nach Ostern zu seiner ersten Afrikareise als Papst auf – Anlass für Radio Vatikan, den Blick stärker auf Afrika zu richten. In Uganda sind Erinnerungen an den Besuch von Leos Vorgänger Franziskus noch sehr lebendig. Vor allem beim Umweltschutz hat sich dort in den vergangenen zehn Jahren viel getan, erfuhr Radio Vatikan in Kampala.

Anne Preckel - Kampala*

Papst Leos Vorgänger Franziskus besuchte Uganda im November 2015, wenige Monate nach Erscheinen seiner Sozial- und Umweltenzyklika „Laudato sì“. Nach Paul VI. (1969) und Johannes Paul II. (1993) war er der dritte Papst in dem Land. Franziskus' Aufruf zum Schutz der Schöpfung fiel in Uganda auf fruchtbaren Boden, berichtet der Erzbischof von Kampala, Paul Ssemogerere, im Interview mit Radio Vatikan.

„Als Franziskus Uganda 2015 besuchte, brachte er sehr klar seine Sorge um die Schöpfung und die Koexistenz zum Ausdruck. Er rief uns dazu auf, dass wir die Umwelt so gut wie möglich schützen sollten. Und das hat sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt, vor allem in den Köpfen der Ugander. Ich glaube, jede Diözese hat heute eigene Wälder oder Gebiete, die nach dem Papstbesuch angelegt wurden und die nach Laudato sí benannt wurden, als Antwort auf Franziskus‘ Appell.“

Ugandischer „Borgo Laudato sì“

Ssemogerere selbst fühlte sich nach „Laudato sí“ aufgerufen, konkret etwas beizutragen. Er stellte im Distrikt Luwero, gut 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt, eine riesige Fläche Land im Besitz der Kirche für ein Aufforstungsprogramm zur Verfügung. Auf über 38 Hektar werden dort bis heute Bäume gepflanzt und junge Leute in Umweltschutz und Nachhaltigkeit geschult.

Das dort angesiedelte „Bethany Land Institute“ (BLI), das sich an der Enzyklika Laudato sì inspiriert, ist Ausbildungsstätte und ein wichtiges Öko-Zentrum im Land. Die Studienabgänger sind Teil einer neuen Generation junger Frauen und Männer, die Nachhaltigkeit in Landwirtschaft, Unternehmertum und Ökologie anwenden. Kurienkardinal Peter Turkson, der aus Ghana stammende Kanzler der Päpstlichen Akademien der Wissenschaften und Sozialwissenschaften, besuchte im Juli das BLI und sprach dort über Papst Franziskus' Erbe.

Für Erzbischof Ssemogerere ist es nur folgerichtig, dass Ugandas katholische Kirche im Feld des Umweltschutzes wirkt, sagte er im Juli 2025 im Kontext einer „10 Jahre Laudato sí“-Konferenz. „In der Vergangenheit wurde der Kirche in Uganda Land – von Königen, Stammesführern und Gemeinden – für die Evangelisierung, für Schulen und für die Gesundheitsarbeit überlassen“, so der Erzbischof von Kampala mit Blick auf die BLI-Initiative. „Wenn wir dieses Land nun nutzen, um die Schöpfung zu schützen und junge Menschen darin zu schulen, von diesem Land zu leben, setzen wir diese Mission fort.“

In dem artenreichen Regenwald-Staat gewinnt der Umweltschutz heute zunehmend an Bedeutung. Die massive Abholzung, Plastikverschmutzung und Extremwetterereignisse in Zusammenhang mit dem Klimawandel werden bei der Bevölkerung stärker als Unrecht und existenzbedrohend erkannt. Erzbischof Ssemogerere sieht eine zentrale Rolle der katholischen Jugend beim Umweltschutz und Kampf gegen den Klimawandel. Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato sí“ sei hier eine wichtige Inspiration gewesen.

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Bestärkung von Solidarität und Willkommenskultur

Fruchtbar sei der Papstbesuch auch in einer anderen Hinsicht gewesen, berichtet der Erzbischof von Kampala im Interview mit Radio Vatikan in Kampala weiter. Er habe den christlichen Glauben im Land und damit verbundene Werte wie Mitgefühl und Inklusion, Gastfreundschaft und Friedfertigkeit bestärkt.

„Der Papst kam zu einer Zeit, als es nach den Kriegserfahrungen und der AIDS-Epidemie wieder mehr Nachwuchs in unserem Land gab. Für die jungen Leute war der Papstbesuch eine Bestärkung im Glauben. Man sah das schon an der großen Teilnahme am Papstbesuch. Franziskus hatte einen eigenen Stil, nah, wie ein Vater zu seinen Kindern, die er leidenschaftlich ermutigte, Kinder des Glaubens und der Liebe zu sein, füreinander. Unser Land hat Bürgerkriegserfahrungen - er brachte die Botschaft, dass Leben bedeutsam ist. Er ging auch zu armen Menschen, die er berührte. Und er sprach darüber, wie wichtig es ist, Menschen aus anderen Regionen willkommen zu heißen. Dieses Engagement für die Menschen und den Frieden war von entscheidender Bedeutung.“

 

Das politisch relativ stabile Uganda ist eines der wichtigsten Aufnahmeländer für Flüchtlinge weltweit und in Afrika, Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende aus den angrenzenden Konfliktstaaten halten sich dort auf. Die Flüchtlingspolitik des Landes gilt als fortschrittlich und ermöglicht den Ankömmlingen Arbeit, Bewegungsfreiheit und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen. Ugandas Gastfreundschaft nährt sich nach Ansicht des Erzbischofs nicht zuletzt aus der christlich-katholischen Identität des Landes.

„Ich denke, einer der Gründe dafür ist, dass die Menschen ermutigt werden, jene, die leiden, aufzunehmen und die Stabilität in unserem Land zu genießen. Momentan gibt es so viele Flüchtlinge, insbesondere aus Regionen, wo sie ums Überleben kämpfen: Eritreer, Sudanesen, Kongolesen. Sie mischen sich unter die Ugander, und niemand sagt ihnen, sie sollen in ihre Heimat zurückkehren. Der Papst hat also etwas bewirkt, und wir werden beten, dass Gott ihn für all das Gute belohnt, das er getan hat, nicht nur für unser Land, sondern für die ganze Welt.“

Verantwortungsbewusstsein und Umweltschutz

Als Papst Franziskus starb, hätten viele Ugander das Gefühl gehabt, „einen Vater verloren“ zu haben, so Ssemogerere, der 2021 von Franziskus zum Erzbischof von Kampala ernannt worden war. In Uganda werde weiter viel für den argentinischen Papst gebetet. Für die Zukunft wünscht sich der Erzbischof, dass Uganda seinen „relativen Frieden“ weiter bewahren kann – „und dass die jungen Menschen zu verantwortungsvollen Führungskräften heranreifen, die sich um andere und die Entwicklung des Landes kümmern, und die die Umwelt, unsere Mutter Erde, schützen.“

Natürlich hofft das Land heute weiter auf einen neuen Papstbesuch – auch wenn Papst Leo, der im April nach Afrika reisen wird, dieses Mal nicht nach Uganda kommt.  

*Unsere Korrespondentin besuchte Uganda im November 2025, genau zehn Jahre nach Franziskus' Besuch in dem Land.

(vatican news - pr)
 

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19. März 2026, 10:36