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Kardinal Cristóbal López Romero Kardinal Cristóbal López Romero  (AFP or licensors)

Kardinal von Rabat: „In der Kirche sollte Quantität keine Rolle spielen“

Die kleine katholische Kirche im Maghreb erhofft sich von der Reise von Papst Leo XIV. nach Algerien, dass sie künftig mehr Aufmerksamkeit innerhalb der muslimischen Mehrheitsbevölkerung erfährt.

Und auch die Weltkirche sollte neu lernen, wie vital katholisches Leben in Ländern wie Marokko, Tunesien und Algerien ist. Das sagte der Erzbischof von Rabat, Kardinal Cristóbal López Romero, in einem Interview mit Radio Vatikan.

Der aus Spanien stammende Ordensmann war Mitte April in Algerien, um an Auftritten des Papstes in Algier und in der Augustinus-Basilika von Annaba teilzunehmen. Wir fragten ihn danach, welche Bedeutung die Reise für die Katholiken im Maghreb haben kann.

Leo XIV. in der Augustinus-Basilika von Annaba
Leo XIV. in der Augustinus-Basilika von Annaba   (ANSA)

Interview

Kardinal Romero: „Ja, ich empfinde diese Reise eher als eine Reise durch Nordafrika als in ein bestimmtes Land. Für unsere Kirchen in Nordafrika ist es ein mutiger Schritt, ähnlich wie die Schritte, die Papst Franziskus im islamisch-christlichen Dialog beschritten hat. Wir sind Minderheitskirchen in einem mehrheitlich muslimischen Land, aber wir wollen aktiv und auf diskrete Weise präsent sein, wie das Salz, das dem Essen Würze verleiht, wie das Licht, das ein Fenster erhellt. Der Besuch des Papstes in Algerien ist – abgesehen von der augustinischen Bedeutung für ihn und der Wichtigkeit dieses Heiligen für die gesamte Weltkirche – für uns Christen in Nordafrika ein Trost, eine Hoffnung und eine Bestätigung unserer Möglichkeiten, in einem Land wie diesem das Evangelium zu verbreiten. Ich hoffe, dass diese Reise im Land, in der Region, in Afrika und in der ganzen Welt Früchte tragen wird.“

Der Kardinal von Rabat zur Papstreise nach Algerien: Ein Interview mit Radio Vatikan

Gab es etwas Besonderes, das Sie überrascht hat?

Kardinal Romero: „Ich habe nicht viel gesehen, und mir ist bei den Feiern in Algier und Annaba nichts Besonderes aufgefallen – außer gerade das: die Normalität des Ganzen. Die ruhige, zurückhaltende Ausstrahlung eines Papstes, der sehr gelassen und ausgeglichen auftritt, der weder Euphorie noch Depression ausstrahlt und den wir als standhaft und geradlinig in seinen Entscheidungen erleben, sowohl was die Kirche als auch was die Welt betrifft. Ich glaube, dass auch sein ständiger Aufruf zum Frieden deutlich gehört worden ist, und das scheint mir das Beste in diesen Tagen, in denen es so viel Kontroversen um die Äußerungen einer Person gab, deren Namen ich nicht nennen möchte (gemeint ist offenbar US-Präsident Donald Trump, Anm. d. Red.). Vielleicht hilft das dazu, dass die Welt sich ein wenig weiterdreht und die Lage sich verbessert.“

Die Weltöffentlichkeit dürfte es überrascht haben, in Algerien eine junge, sehr afrikanische Ortskirche zu sehen…

Kardinal Romero: „So war das auch, als Papst Franziskus vor sieben Jahren Marokko besuchte, das stellte uns auf ähnliche Weise ins Scheinwerferlicht. Man muss sich vor Augen halten, dass die Welt praktisch keine Ahnung davon hatte, dass es solche Ortskirchen gibt. Wir waren unbekannt, wir waren unbedeutend. Doch die Reise zweier Päpste in zwei verschiedene Länder rückt uns etwas in den Fokus der Öffentlichkeit, und ich glaube, dass wir eine Botschaft haben, die wir der Weltkirche und der ganzen Welt vermitteln können. In der Weltkirche sollte nämlich nicht die Quantität zählen, sondern die Qualität unseres Zeugnisses. Lasst uns wahrhaftig Salz der Erde und Licht der Welt sein, ob wir nun durchschnittlich 30.000, 37 Millionen oder 5.000 sind – die Zahlen spielen keine Rolle. Wir müssen, ganz unabhängig von unserer Größe, die Botschaft des Evangeliums authentisch und konsequent leben und sie für die ganze Welt verkünden.

Unsere Botschaft lautet, dass Muslime und Christen in Freundschaft zusammenleben, zusammenarbeiten und sich für eine bessere Welt einsetzen können, dass sie gemeinsam auf eine universelle Geschwisterlichkeit hinarbeiten können. Dies ist keine Ideologie, nichts, was man in Büchern lernt, sondern das ist gelebte Praxis. Es ist die Erfahrung, die wir jeden Tag machen, und wir müssen sie laut und deutlich aussprechen! Denn viele Institutionen, politische Parteien, Gruppen und Einzelpersonen versuchen, uns auf Konfrontation auszurichten. Wir zeigen dagegen durch Fakten, dass man in Frieden und Freundschaft zusammenleben kann.“

Das Interview mit Kardinal Cristóbal López Romero führte Stefan von Kempis.

(vatican news)
 

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29. April 2026, 10:16