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Migraten in Südafrika Migraten in Südafrika  (AFP or licensors)

Südafrika: Kirchenführer warnen vor Schuldzuweisungen

Angesichts zunehmender Angriffe auf Migranten haben Kirchenführer vor Fremdenfeindlichkeit gewarnt. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes seien nicht auf Migration zurückzuführen, sondern auf strukturelle Missstände.

Der Präsident des Südafrikanischen Kirchenrats (SACC), Erzbischof Sithembele Sipuka, hat davor gewarnt, Migranten für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme Südafrikas verantwortlich zu machen. Bei einem Treffen von Religionsvertretern und Regierungsmitgliedern mit Präsident Cyril Ramaphosa in den Union Buildings in Pretoria betonte der katholische Erzbischof von Kapstadt, die Ursachen der Krise lägen tiefer.

Strukturelle Missstände

„Selbst wenn morgen alle afrikanischen Ausländer dieses Land verlassen würden, hätten wir unsere Probleme immer noch“, sagte Sipuka. Die Schuld bei Migranten zu suchen, lenke von den eigentlichen Ursachen öffentlicher Frustration ab und berge die Gefahr weiterer fremdenfeindlicher Gewalt. Die Probleme des Landes seien vielmehr in strukturellen Missständen verwurzelt, die beispielsweise das Bildungssystem sowie Korruption beträfen.

Anlass des Treffens war die wachsende Sorge der Kirchen über Angriffe auf Migranten, insbesondere auf Menschen aus anderen afrikanischen Staaten. Mit großer Besorgnis beobachte man, wie Menschen verfolgt, eingeschüchtert und ihrer Lebensgrundlagen beraubt würden, sagte der SACC-Präsident. Die Kirchen hätten deshalb ihre Gemeinden in einem Hirtenbrief an die biblische Verpflichtung erinnert, Fremde aufzunehmen und ihnen mit Respekt zu begegnen.

Wahrung der Menschenwürde

Auch der südafrikanische Präsident stellte klar, dass Migration nicht die Ursache der sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes sei. Zwar müsse die Einwanderungspolitik wirksam gestaltet werden, doch habe dies auf der Grundlage der Verfassung und unter Wahrung der Menschenwürde zu geschehen. „Migration ist nicht die Ursache unserer Probleme“, betonte Ramaphosa.

„Migration ist nicht die Ursache unserer Probleme“

Besorgt äußerte sich Sipuka zudem über Berichte, wonach Sicherheitsbehörden nicht entschieden genug gegen Übergriffe auf Migranten vorgegangen seien. Die Durchsetzung des Rechts sei Aufgabe des Staates, die Behörden müssten sowohl gegen Gewalttäter als auch gegen Beamte vorgehen, die ihren Pflichten nicht nachkämen.

Ursachen der Unzufriedenheit

Abschließend erinnerte der Erzbischof an die Unterstützung, die Südafrikaner während des Kampfes gegen die Apartheid von anderen afrikanischen Ländern erhalten hatten. „Vor nicht allzu langer Zeit waren auch wir Fremde, und der Kontinent hat uns aufgenommen“, sagte er.

„Der Fremde vor unserem Tor ist nicht unser Feind“

Die Kirchenführer riefen Regierung und Gesellschaft dazu auf, die eigentlichen Ursachen der Unzufriedenheit anzugehen – darunter Arbeitslosigkeit, Korruption, mangelhafte öffentliche Dienstleistungen und Defizite im Grenzmanagement. Gleichzeitig müsse ein humaner und rechtsstaatlicher Umgang mit Migration gewährleistet werden. „Der Fremde vor unserem Tor ist nicht unser Feind“, betonte Sipuka. „Möge dieses Gespräch der Beginn eines besseren und gerechteren Weges in die Zukunft sein.“

(acia – nm) 

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19. Juni 2026, 12:13