Suche

Ein sudanesischer Farmer sät Saatgut auf einem trockenen Acker aus Ein sudanesischer Farmer sät Saatgut auf einem trockenen Acker aus  (AFP or licensors)

Misereor: Ganzheitliche Ansätze zur Hungerbekämpfung nötig

Kürzungen, Konflikte und Kriege sorgen nach wie vor für große Ungerechtigkeit bei der Nahrungsmittelverteilung auf der Welt. Laut dem aktuellen UN-Welternährungsbericht (SOFI) litten im vergangenen Jahr 645 Millionen Menschen Hunger. Damit ist die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2024 zwar um 14 Millionen gesunken, doch Entwarnung gibt es noch lange nicht, erklärt Lutz Depenbusch, Misereor-Experte für Landwirtschaft und Ernährung.

„Zunächst einmal ist es positiv, dass die Zahl der weltweit hungernden Menschen im dritten Jahr in Folge zurückgegangen ist. Dennoch liegt sie weiterhin bei 645 Millionen. Selbst wenn sich diese Entwicklung fortsetzen würde, ginge der Rückgang so langsam voran, dass im Jahr 2030 immer noch rund 500 Millionen Menschen hungern würden.“

In den vergangenen Jahren seien immer mehr Menschen durch Kriege, aber auch durch die Folgen der Klimakrise in den Hunger getrieben worden, erläutert der Misereor-Experte. Der größte Treiber von Hunger sei jedoch nach wie vor die Armut.

„Hier sehen wir zwar Verbesserungen, sie reichen aber nicht aus. Die Zahl der Menschen, die infolge von Kriegen Hunger leiden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dabei geht es nicht nur um die Konflikte, die in den Medien präsent sind, sondern beispielsweise auch um den Krieg im Kongo, unter dem sehr viele Menschen leiden. Hinzu kommen andere Formen von Konflikten, etwa der internationale Handelskonflikt, der durch die Trump-Regierung ausgelöst wurde. Das erschwert insbesondere ärmeren Ländern, ihre Exporte zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen. Beschäftigung ist jedoch entscheidend, damit sich die Menschen eine bessere Ernährung leisten können.“

Hier im Audio

Politische Weltlage muss stabiler werden

Afrika ist laut dem jüngsten UNO-Bericht erstmals der Kontinent mit der höchsten Zahl hungernder Menschen weltweit. Vor allem bewaffnete Konflikte verschärfen dort die Ernährungslage erheblich. Damit die Zahl der Hungernden dauerhaft sinken könne, brauche es dringend wieder mehr politische Stabilität, gibt Depenbusch zu bedenken. Anhaltende Krisen wie etwa der Krieg zwischen Israel und dem Iran schafften ein Klima der Unsicherheit und müssten politisch gelöst werden.

„Wir müssen den Klimawandel deutlich entschlossener angehen – nicht nur durch Investitionen in die Emissionsminderung, sondern auch in die Klimaresilienz, damit die Landwirtschaft besser mit den Folgen des Klimawandels umgehen kann. Außerdem dürfen die Fortschritte, die durch Entwicklungszusammenarbeit und finanzielle Unterstützung erreicht wurden, nicht durch Kürzungen gefährdet werden.“

Erwerbsmöglichkeiten schaffen

Welche Unterstützung die Menschen konkret benötigen, hänge von den jeweiligen Gegebenheiten ab.

„In manchen Regionen geht es darum, die Landwirtschaft zu stärken – nicht nur, um mehr zu produzieren, sondern auch, damit die Menschen, die dort arbeiten und in Armut leben, sich eine bessere Existenz aufbauen können. In den Städten wiederum ist eine gesunde Ernährung für viele Menschen schlicht zu teuer. Das liegt auch daran, dass es an guten Arbeits- und Ausbildungsplätzen fehlt. In genau diese Bereiche investieren viele Partnerorganisationen, darunter auch Misereor.“

Dabei gebe es durchaus erfolgreiche Beispiele für einen ganzheitlichen Ansatz zur nachhaltigen Bekämpfung des Hungers:

„Ich denke etwa an Gartenbauprojekte in Westafrika oder in Mosambik. Dort geht es darum, die Bewässerung zu verbessern sowie Gemüse besser verfügbar und erschwinglicher zu machen – insbesondere in ländlichen Gebieten. Gleichzeitig werden Einkommensmöglichkeiten geschaffen, vor allem für Frauen, die häufig nur eingeschränkte Chancen auf eine existenzsichernde Beschäftigung haben. Lokale Partner wie die Caritas schaffen nicht nur Einkommen, sondern tragen auch zu einer verlässlichen Versorgung mit dringend benötigten nährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse bei.“

(misereor – cs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

22. Juli 2026, 12:12