Spanien: Spannungen zwischen Kirche und Regierung wachsen
Anlass sind kritische Äußerungen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Luis Argüello. Dieser äußerte sich am Donnerstagabend bei einem öffentlichen Auftritt zu den jüngsten Korruptionsfällen in den Reihen der Regierung. „Wenn ein Staat die Ethik vergisst, wird er zu einer Diebesbande“, sagte der Erzbischof von Valladolid mit Blick auf die anhaltenden Skandale um Ministerpräsident Pedro Sánchez.
Mehrere Regierungsmitglieder reagierten empört und gingen zum verbalen Gegenangriff über. Nur wenige Stunden später äußerte sich Justizminister Félix Bolaños in einer schriftlichen Erklärung. Er sei angesichts der drastischen Wortwahl des Erzbischofs überrascht, erklärte der Minister. Dessen Äußerungen seien „unfair“ und „zutiefst kontraproduktiv“.
Minister geht zum Gegenangriff über
„Was würden Sie denken, wenn ein Regierungsmitglied die gesamte Kirche als eine Bande von Sexualstraftätern bezeichnen würde?“, entgegnete Bolaños. Er forderte Argüello auf, sich dafür einzusetzen, dass die gegenseitigen Beziehungen von „Mäßigung, Respekt und Gerechtigkeit“ geprägt seien.
Regierungschef Sánchez steht derweil unter erheblichem innenpolitischen Druck. Einer seiner ehemaligen Minister wurde kürzlich wegen Korruption zu 24 Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer früherer hoher Funktionär der Sozialistischen Partei befindet sich in Untersuchungshaft. Zudem laufen Verfahren gegen Sánchez' Ehefrau sowie gegen seinen Bruder – beide ebenfalls wegen ähnlicher Vorwürfe.
(kap – gs)
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