Indonesien: Kirche klagt gegen Geothermie-Projekte
Die am 29. Juli eingereichte Klage richtet sich gegen drei Erlasse des Energieministeriums, mit denen Flores 2017 zur „Geothermie-Insel“ erklärt und unter anderem die Gebiete Sokoria und Mataloko als Flächen für Geothermieprojekte ausgewiesen wurden, berichtete das asiatische Online-Portal UCA News. Kirche und indigene Bewohner befürchten Auswirkungen auf Landwirtschaft, Wasserversorgung und traditionelle Landrechte.
Erzbischof Paulus Budi Kleden von Ende betonte, die Klage richte sich nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien: „Dies ist keine Ablehnung des Fortschritts oder des Übergangs zu erneuerbaren Energien, aber Geothermie ist nicht die richtige Wahl für Flores.“ So lasse die gebirgige Topografie der Insel nur begrenzt Raum für Siedlungen und Landwirtschaft; weiters würden sich die für das Geothermie-Projekt zugewiesenen Flächen vielfach mit jenem Land überschneiden, von dem lokale Gemeinschaften lebten.
Angesichts des Klimawandels und saisonaler Wasserknappheit seien auch die für die Geothermie-Bohrungen benötigten große Mengen an Wasser problematisch. „Dieses Thema geht weit über Entschädigungen oder die soziale Verantwortung von Unternehmen hinaus. Es betrifft das Recht der Menschen auf Leben“, so Erzbischof Kleden.
Bereits eingetretene Folgen
Bewohner berichten laut UCA News von bereits eingetretenen Folgen: In Mataloko komme es etwa seit 2016 zu Ausbrüchen von heißem Schlamm auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Folgen seien Gestank, Wasserverschmutzung, Bodensenkungen und Konflikte innerhalb der Bevölkerung. „Sowohl Unterstützer als auch Gegner der geothermischen Entwicklung sind Opfer dieses Projekts“, wird ein Bewohner zitiert. In Sokoria sollen nach Angaben seit 2024 Kaffee-, Kerzennuss- und Nelkenbäume nicht mehr ertragreich sein. Hinzukämen Konflikte innerhalb von Familien um Land, das nach traditionellen Bräuchen verwaltet wird, statt nach einem staatlichen Grundbuch. Dieses Land dürfe nicht verkauft werden, jedoch sollen die Clan-Oberhaupts vonseiten der Projektentwickler manipuliert worden sein, um die Kontrolle über traditionelles Land zu erlangen, lautet ein weiterer Vorwurf.
Der Anwalt Azas Tigor Nainggolan warf den Behörden und Projektbetreibern zudem vor, betroffene Gemeinschaften nicht ausreichend informiert und konsultiert zu haben. Das Prinzip der „freien, vorherigen und informierten Zustimmung“ (FPIC) sei verletzt worden. „Flores wird behandelt, als wäre es eine leere Insel, als könnte über ihre Nutzung entschieden werden, ohne die dort lebenden Menschen zu berücksichtigen“, erklärte Nainggolan gegenüber UCA News.
Die Geothermievorhaben sind Teil der indonesischen Energiewende und sollen zum Ausbau der Strominfrastruktur beitragen. Auf Flores wurden 16 Projektstandorte identifiziert. Nach Angaben des Energieministeriums verfügt die Insel über ein Geothermiepotenzial von 902 Megawatt - 65 Prozent des gesamten Potenzials der Provinz Ost-Nusa Tenggara. Flores hat mehr als zwei Millionen Einwohner; mehr als 80 Prozent sind laut den Angaben auf Landwirtschaft angewiesen.
(kap – pr)
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