Kardinal in Amatrice, 10 Jahre nach Beben: Erinnerung soll Gemeinschaft stärken
Bei der Serie von Erdbeben in Umbrien, Latium, Marken und Abruzzen waren 299 Menschen gestorben. Kardinal Zuppi stellte die Bedeutung der Erinnerung zehn Jahre nach der Katastrophe ins Zentrum. „Erinnern tut auch weh“, sagte Zuppi. Erinnerung „öffnet eine Wunde wieder, ruft die Tränen hervor, und diese lassen uns erneut weinen“. Wer jedoch gemeinsam und mit Gott erinnere, könne die Seligpreisung der Trauernden neu verstehen. „Jesus nennt das Leiden nicht selig, im Gegenteil, er schützt uns davor, aber er will, dass derjenige, der die Härte des Lebens erfährt, seine und unsere Liebe findet, die Trost, Hoffnung, Zukunft bedeutet.“
Zuppi wandte den Blick zugleich auf Menschen, die heute unter Naturkatastrophen, Gewalt und Krieg leiden. „Die Erinnerung macht uns aufmerksam auf jene, die heute weinen, getroffen von Erdbeben, aber auch von jener vom Menschen verursachten Zerstörung, die Gewalt und Krieg ist.“ Gott habe Mitleid mit dem Leiden und lehre die Menschen, mit den Weinenden zu weinen, damit aus Schmerz „Leben, Zukunft, Hoffnung“ werden könne.
Für den Kardinal zeigt sich Gottes Nähe gerade in den tragischen Stunden. „Jesus ist der erste Retter und auch immer der letzte, der dort unten bleibt. Dort ist Gott“, erklärte Zuppi. Er erinnerte an die Trauerfeiern unter einem Zeltdach und an ein mit Seilen gehaltenes Kreuz, das für ihn das Ausmaß der Katastrophe sichtbar machte. Zugleich verwies er auf das biblische Bild einer Stadt, die von Gott herabkommt: „Bauen wir sie. Es hilft uns, nicht aufzugeben, zu glauben, dass auch unsere Stadt, heute noch von jener Verwüstung gezeichnet, neues Leben und Hoffnung finden kann.“
Zum Schluss verband Zuppi den Wiederaufbau mit dem Zusammenhalt der Bevölkerung. Schon vor zehn Jahren sei deutlich gewesen, dass der Neubeginn „von innen in den Menschen“ ausgehen müsse und nicht allein von den Steinen. „Helfen wir einander alle, nach vorn zu schauen. Die Schwierigkeiten und Probleme – die es natürlich gibt und geben wird – sollen uns nicht lähmen und vielmehr den Sinn für Gemeinschaft stärken.“ Verantwortung dafür trügen alle, sagte der Kardinal, „beginnend beim Staat und seinen Institutionen, bei der Kirche, bei der Leidenschaft und Kreativität eines jeden“.
(vatican news – gs)
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