In der Audienzhalle des Vatikan: Eine riesenhafte Bronze-Darstellung des auferstandenen Christus In der Audienzhalle des Vatikan: Eine riesenhafte Bronze-Darstellung des auferstandenen Christus  (@Vatican Media)

Radio-Akademie (5): Kar- und Ostergedanken von Papst Leo

Es sind seine bisher persönlichsten, geistlichsten Texte: Schon kurz nach seiner Wahl im Mai letzten Jahres hat Leo XIV. damit begonnen, sich eingehend mit dem Leiden und der Auferweckung Jesu zu beschäftigen.

Diese Betrachtungen des Papstes stellen wir Ihnen in unserer Radio-Akademie in der Fastenzeit vor. In der fünften und letzten Folge unserer Sendereihe denkt Leo XIV. darüber nach, dass Tod und Auferstehung Jesu an die großen Fragen rühren, die sich jeder Mensch stellt.

Was ist der letzte Sinn dieser ganzen Reise?

„Man kann sagen, dass die Frage nach dem Leben eine der abgrundtiefen Fragen des menschlichen Herzens ist“, so der Papst. „Wir sind ins Dasein getreten, ohne etwas zu dieser Entscheidung beigetragen zu haben. Aus dieser Tatsache gehen wie ein reißender Strom die Fragen aller Zeiten hervor: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist der letzte Sinn dieser ganzen Reise?“

Das sind die grundlegenden Fragen der Philosophie – und nicht nur. Manche Menschen sind von diesen Fragen überfordert. Der Papst ruft hingegen dazu auf, Vertrauen zum Leben zu haben. Wer auf das Leben hofft, der hat, so sagt er, einen Vorgeschmack auf das Ziel.

Papst Leo: Betrachtungen zu Tod und Auferstehung Jesu - Radio-Akademie von Radio Vatikan (Auszug)


Eine weit verbreitete Krankheit

„Meine Lieben, es gibt in der Welt eine weit verbreitete Krankheit: den Mangel an Vertrauen in das Leben. So als habe man sich in ein negatives Schicksal, in die Resignation gefügt. Das Leben läuft Gefahr, nicht mehr als ein Geschenk angesehen zu werden, sondern als etwas Ungewisses. Fast schon als eine Bedrohung, vor der man sich schützen muss, um nicht enttäuscht zu werden. Der Mut zu leben und Leben zu zeugen sowie Zeugnis zu geben dafür, dass Gott der ‚Freund des Lebens‘ schlechthin ist, wie es im Buch der Weisheit heißt, ist daher heute dringender denn je.“

Im Evangelium erweist sich Jesus Christus selbst als das Leben. Nicht nur dadurch, dass er häufig an Leib und Geist verletzte Menschen heilt, ja sogar Toten das Leben zurückgibt. Sondern vor allem durch seine Auferstehung, durch die er uns ins Leben Gottes mit hineinnimmt. Wer in die Logik der Auferstehung eintritt, der setzt auf das Leben und schenkt Leben, führt Papst Leo aus.


Eintreten in die Logik der Auferstehung

„Leben schenken bedeutet, dem Gott des Lebens zu vertrauen und das Menschliche in all seinen Ausdrucksformen zu fördern: vor allem im wunderbaren Abenteuer der Mutterschaft und der Vaterschaft... In derselben Logik bedeutet Leben zu schenken, sich für eine solidarische Wirtschaft einzusetzen, nach dem Gemeinwohl zu streben, aus dem alle gleichermaßen Nutzen ziehen, die Schöpfung zu achten und zu bewahren, Trost anzubieten durch Zuhören, Anwesenheit, konkrete und uneigennützige Hilfe. … Die Auferstehung Jesu Christi ist die Kraft, die uns bei dieser Herausforderung stützt, auch dort, wo die Finsternis des Bösen Herz und Verstand verdunkelt.“

Hl. Augustinus
Hl. Augustinus

Das unruhige Herz

Die Auferstehung als treibende Kraft. Die uns nicht ruhen lässt, sondern dafür sorgt, dass wir im Hier und Heute um uns herum Leben verbreiten. Diese Unruhe des Herzens bringt Leo als ein Schüler des hl. Augustinus (er gehört dem Augustinerorden an, der sich auf den Kirchenlehrer beruft) mit dem berühmten Zitat aus dessen „Bekenntnissen“ zusammen: „Unruhig ist unser Herz, bis dass es Ruhe findet in dir“.


„Wenn wir an Jesu Sieg über den Tod teilhaben werden, werden wir dann Ruhe finden?“, fragt Leo XIV. – und gibt sich selbst sogleich die Antwort. „Der Glaube sagt uns: Ja, wir werden Ruhe finden. Das bedeutet aber nicht, untätig zu sein…“ Wir sollen nicht einfach nur warten, sondern uns von dieser Hoffnung schon jetzt verändern lassen. „Auch Jesus hat sich auf die Menschen und auf das Leben eingelassen; er hat sich nicht geschont, sondern sich bis zum Ende hingegeben.“ Die Unruhe des Herzens wird uns zeitlebens nicht verlassen – und das ist auch gut so, findet Papst Leo. Wir bleiben ausgestreckt auf die Erfüllung, auf unser Ostern hin.

Papst Leo zu Besuch in einer römischen Pfarrei
Papst Leo zu Besuch in einer römischen Pfarrei   (ANSA)

Ausgerichtet auf das Nach-Hause-Kommen

„Das Leben im Licht von Ostern zu lesen, es mit dem auferstandenen Jesus zu betrachten, bedeutet, Zugang zum Wesen des Menschen, zu unserem Herzen zu finden: cor inquietum, unruhiges Herz. … Die Unruhe ist das Zeichen dafür, dass die Bewegung unseres Herzens nicht zufällig, ungeordnet, ohne Sinn oder Ziel ist, sondern dass es auf seine letzte Bestimmung ausgerichtet ist – auf das „Nach-Hause-Kommen…“.


Bestellen Sie unsere CD

Falls Sie die ganze Sendereihe in dieser Fastenzeit in Ruhe nachhören möchten: Wir schicken Ihnen gerne eine entsprechende CD zu, Ihre Spende kommt dem kirchlichen Dienst von Radio Vatikan zugute. Bestellen können Sie die CD per Mail an: cd@vaticannews.de - unser Freundeskreis versendet aus Deutschland.

(vatican news – sk)


 

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29. März 2026, 09:22