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Papst Leo XIV. in Monaco Papst Leo XIV. in Monaco  (ANSA)

„Die Leere nicht mit materiellen Dingen füllen“

Papst Leo XIV. hat junge Menschen im Fürstentum Monaco dazu aufgerufen, die innere Leere „nicht mit materiellen und vergänglichen Dingen zu füllen – auch nicht mit der virtuellen Zustimmung Tausender von likes“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Das sagte er an diesem Samstagmittag bei einer Begegnung mit Jugendlichen in Monte Carlo. „Diese Dinge müssen von der Tür zum Herzen weggeräumt werden, damit die gesunde und sauerstoffreiche Luft der Gnade die Räume wieder erfrischen und mit Leben erfüllen kann.“

Tausende von Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren bei herrlichem Sonnenschein auf den Platz vor der Kirche Sainte-Dévote gekommen, um den Papst zu sehen. Unter ihnen war auch eine Reihe von so genannten Katechumenen, die in einer Woche die Taufe empfangen werden; wie im Nachbarland Frankreich ist auch in Monaco die Zahl der Erwachsenentaufen gestiegen.


Drängende Frage einer Ärztin

Die Taufbewerberin Sophie, eine 35-jährige Ärztin, durfte eine kleine Begrüßungsansprache an den Papst halten. Sie berichtete, dass ihr Wunsch, zur Kirche zu gehören, während ihres Medizinstudiums entstanden sei. „Ich erlaube mir, Ihnen von einer persönlichen Schwierigkeit zu erzählen – der Schwierigkeit, Worte des Trostes zu finden, wenn gläubige Patienten, die schwer krank sind, sich von Gott verlassen fühlen. Ich bete um Fortschritt in der Medizin, aber was kann ich, was können wir inzwischen tun angesichts dessen, was vielen wie eine große Ungerechtigkeit vorkommt?“

Auch ein paar weitere junge Leute konnten dem Papst ihre Anliegen vortragen. Eine 24-jährige Portugiesin sprach von innerer Leere, ein 22-jähriger Monegasse namens Benjamin wollte wissen, was man tun könne, um angesichts von Armut, Leid und Kriegen in vielen Teilen der Welt nicht die Hoffnung zu verlieren. Dazu komme, dass die ständigen Ablenkungen dazu führten, dass man sich von anderen Menschen und von Gott entfremde. Leo XIV. nannte das in seiner Antwortrede eine wichtige Frage.


Liebe gibt dem Leben Stabilität

„Wie Benjamin sagte, leben wir in einer Welt, die immer in Eile zu sein scheint, sich nach Neuem sehnt, eine Fluidität ohne Bindungen pflegt und von einem fast zwanghaften Bedürfnis nach ständiger Veränderung gekennzeichnet ist: in der Mode, im Aussehen, in den Beziehungen, in den Ideen und sogar in den für die eigene Identität konstitutiven Dimensionen des Menschen. Was dem Leben jedoch Stabilität verleiht, ist die Liebe: zuallererst die grundlegende Erfahrung der Liebe Gottes und dann, als ihr Widerschein, die erleuchtende und heilige Erfahrung gegenseitiger Liebe. Und einander zu lieben verlangt einerseits die Bereitschaft zu wachsen und damit auch sich zu verändern, andererseits verlangt es nach Treue, Beständigkeit und nach der Bereitschaft, im Alltag Opfer zu bringen.“

Nur so finde die Unruhe zum Frieden, nur so fülle sich die von der Portugiesin angesprochene innere Leere. „All dies, meine Lieben, erfordert Gebet, Räume der Stille und des Hörens, um die Hektik des Tuns und Redens, der Nachrichten, der reels und der chats zum Schweigen zu bringen und um die Schönheit des echten und konkreten Zusammenseins tiefer erleben und genießen zu können. Der heilige Carlo Acutis sprach in diesem Zusammenhang von der Eucharistie als der ‚Autobahn zum Himmel‘…“


Der missverstandene Satz des hl. Augustinus

Der Papst empfahl den Zuhörenden, die Kar- und Ostertage bewusst zu feiern und dabei vertieft über das eigene Leben nachzudenken. Im geistlichen Leben, im Gebet und in Werken der Nächstenliebe gelte der „wunderschöne, aber manchmal missverstandene Satz“ des heiligen Augustinus „Liebe und tu, was du willst“. Leo ist Mitglied des Augustinerordens, der sich auf den Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts bezieht.

„Sei nah, geh nicht weg“

„Liebe, das heißt: Sei ein selbstloses Geschenk für Gott und für die anderen; sei nah, geh nicht weg, auch wenn du nicht alle Probleme lösen und alle Schwierigkeiten beheben kannst. Bleibe, mit Liebe und mit Glauben. Monaco ist ein wunderschönes Land, aber die wahre Schönheit trägst du selbst bei, wenn du denen in die Augen schauen kannst, die leiden oder sich inmitten der Lichter der Stadt unsichtbar vorkommen.“

Auch das kleine Monaco könne eine „große Werkstatt des Solidarität sein, ein Fenster der Hoffnung“, so Papst Leo. Und auch der Ärztin, die ihn gefragt hatte, wie man schwerkranke Patienten trösten könne, gab er etwas mit auf den Weg. Wer Gott wirken lasse, könne „darauf vertrauen, dass die rechten Worte und die nötige Kraft zum Handeln zum richtigen Zeitpunkt kommen werden“.

(vatican news)

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28. März 2026, 13:09