Leo in Angola: Eindrücke unseres Korrespondenten
Interview
Wie ist der Papstbesuch in Angola bisher verlaufen?
Die Freude und der Enthusiasmus sind groß; die Menschen sind begeistert, dass der Papst gekommen ist, und es war ansteckend, wie sie bei der Papstmesse am Sonntag zu den Kirchenliedern die Hüften bewegten oder tanzten. Es ist eigentlich genau so, wie man sich einen Papstbesuch in Afrika vorstellt: ein ausgelassenes Feiern des Glaubens, keinerlei kritische Töne oder Demonstrationen. Da wird augenfällig, dass die Kirche in Afrika eben anders tickt als die in Europa, zumal die in Deutschland. Aber auch wenn diese Jubelszenen aus Luanda stimmungsmäßig weit entfernt sind von, sagen wir mal, einer Plenarsitzung des „Synodalen Wegs“ in einer Messehalle – beides hat sein Recht, das Feiern und das Reflektieren, und erst beides zusammen und noch viel mehr bildet die Weltkirche.
Aber wie ist eine Feierstimmung möglich in einem so armen Land?
Ja, das ist erstaunlich, und diesen ernsten Untergrund der Jubelszenen muss man sich immer vor Augen halten: Die Angolaner sind ein seit Jahrhunderten ausgebeutetes, gedemütigtes Volk. Sie fühlen sich völlig abseits des Interesses der Welt. Da bringt ein Papstbesuch mal ein bisschen Scheinwerferlicht und Aufmerksamkeit von außen, und das tut den Menschen gut. Ein Bischof aus dem Tschad, der hier mit dabei ist, hat uns in einem Interview gesagt: Eigentlich hat sich der Sinn der Reise allein dadurch, dass der Papst gekommen ist, schon erfüllt.
Aber warum besucht Leo XIV. nicht auch ein Armenviertel?
Das habe ich mich auch gefragt – aber vielleicht ist das ein sehr europäischer oder sogar „postkolonialistischer“ Blickwinkel auf Afrika. Vielleicht sind das genau die Bilder, die der Papst nicht liefern will. Statt Szenen des Elends sollen der frische, getanzte Glaube der Afrikaner und auch die Dynamik der vielen jungen Menschen auf dem Kontinent in die Welt und die Weltkirche ausstrahlen. Dass der Papst Ehrenformationen des Militärs abschreitet und dem Staatschef vor dessen Amtssitz feierlich die Hand reicht, signalisiert Ernstnehmen, Augenhöhe. US-Präsident Donald Trump hat afrikanische Länder während seiner ersten Amtszeit mal „shithole countries“ genannt; dazu bietet Papst Leo nun das genaue Gegenbild. Dieses Ernstnehmen der Afrikaner sorgt auch dafür, dass seiner Botschaft zugehört wird.
Was ist denn Leos Botschaft für Angola?
Wenn ich das mal paraphrasieren soll: Lasst euch nicht bevormunden, lasst euch nicht ausbeuten. Nehmt euren Glauben ernst, statt auf Sekten oder Ideologien hereinzufallen. Und seid in politischer oder sozialer Hinsicht nicht fatalistisch, sondern nehmt die Dinge in die Hand. Die Afrikaner können selbst etwas tun, um ihre Lage und ihre Zukunft zu verbessern!
Wie war die Stimmung an diesem Sonntag in Luanda?
Ich fand es etwas schade, dass die Papstmesse draußen in einem gesichtslosen Vorort stattfand und nicht in Luanda selbst; es ist gar nicht so leicht, nach Kilamba zu kommen, vielleicht waren deshalb auch nicht so viele Menschen bei der Messe wie ursprünglich erwartet. Aber ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob es in Luanda ein geeignetes Gelände gegeben hätte für so ein Großereignis für so ein Großereignis. Jedenfalls hat man im Zentrum von Luanda, da wo die schicken Wolkenkratzer stehen und man die Strandpromenade entlangflanieren kann, vom Papstbesuch nicht unbedingt etwas mitbekommen.
Und wie war die Stimmung beim Rosenkranzgebet mit Papst Leo in Muxima?
Anders als morgens bei der Messe – nicht so ausgelassen, irgendwie inniger. Man konnte spüren, dass man hier nicht in irgendeiner Retortenstadt außerhalb von Luanda war, sondern im geistlichen Herzen des Landes, auf einem Platz gleich neben der jahrhundertealten Kirche. Das Wallfahrtslied von Muxima wurde mit großer Inbrunst gesungen, es hat eine fast schon neapolitanische Melodie; immer wieder gab es zwischen einem Gesätz und dem nächsten eine Pause, die von tiefer Stille geprägt war und in die nicht gleich wieder Musik hineinplatzte wie morgens in Kilamba. Sehr schön war, wie sich allmählich die Dunkelheit über den Platz senkte und nur noch die Bühne, auf der der Papst vor einer Statue Unserer Lieben Frau von Muxima betete, erleuchtet war. Dazu sang eine Frau mit Vibrato, zu etwas kitschiger Musikbegleitung, „Ave Maria“. Überhaupt habe ich in Muxima vor allem Frauen gesehen…
Apropos Frauen: Benedikt XVI. hatte 2009 bei seinem Besuch in Angola eine eigene Begegnung mit Frauen im Programm…
Ja, und dabei sprach er unter anderem über die „Gleichheit der Würde von Mann und Frau“ und ihr Recht, „sich aktiv in sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens einzuschalten“. Für Leo XIV. hat man diesmal kein eigenes Treffen mit Frauen geplant, es gibt aber zum Beispiel diesmal auch kein eigenes Jugendtreffen als solches. Die Reise ist etwas anders gestrickt als damals bei Benedikt: Leo macht weniger Treffen mit spezifischen Gruppen, bleibt dafür aber nicht in der Hauptstadt, sondern reist in verschiedene Teile des Landes. Zum Beispiel am Montag nach Saurimo, im vernachlässigten Osten Angolas, nicht weit von der Grenze zum Kongo.
(vatican news)
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