Papst bei Messe auf Teneriffa: Allen das Meer der Liebe öffnen
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Zu dem Gottesdienst mit Papst Leo hatten sich am Herz-Jesu-Fest, dem dritten Freitag nach Pfingsten, rund 40.000 Menschen am Hafen von Santa Cruz de Tenerife versammelt. „Ich freue mich, mit euch die Eucharistie zu feiern und für den Glauben und die Liebe zu danken, von denen ich auf dieser Apostolischen Reise so viele Zeugnisse erhalten habe und die auch diesen Archipel, der für seine Schönheit und Gastfreundschaft bekannt ist, zu einem Ort machen, an dem der Auferstandene uns vorausgeht und sich uns zu erkennen gibt", begann der Papst mit einem Dank für seine Reise und einer erneuten Würdigung der Gastfreundschaft der Kanaren, die als Tor zu Europa zahlreiche Migranten aufgenommen haben.
Kein Mensch ist eine Insel - zu Begegnung geboren
„Kein Mensch ist eine Insel; die geografische Lage dieser Diözese und die pastoralen Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, bezeugen, dass wir zur Begegnung geboren sind und dass es kein Hindernis, keine Entfernung, keine Gefahr und keine Bedrohung gibt, die einen Menschen an seiner Reise hindern könnte. Ob man nun ein Leben lang am selben Ort bleibt, ob man sich entscheidet oder gezwungen ist, aufzubrechen – niemand bleibt einfach still stehen. Das ist das Geheimnis des Herzens: der innere Ruf zum Aufbruch und zur Begegnung", führte Leo aus. Er erinnerte zudem unter Berufung auf das zweite Vatikanische Konzil, zu dem der Papst im Vatikan derzeit seine Generalaudienzen hält, daran, „dass der Mensch zur Gemeinschaft mit Gott berufen ist und sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden kann“.
Tourismus ohne Profitgier
In Anknüpfung an das Schreiben „Laudato Si´" von Papst Franziskus, das vielen Menschen unserer Zeit Hast und Unausgeglichenheit attestierte, die sich darauf auswirke, wie sie die Umwelt behandeln, schlug Leo XIV. einen Bogen zur touristischen Bedeutung Teneriffas. Hier warnte er vor Proftitgier:
„Sei es in Bezug auf das Herz derer, die hier ihren Urlaub verbringen, sei es für die, die auf der Insel leben und arbeiten und dabei mit Besuchern aus vielen Ländern der Welt in Kontakt kommen. Wonach sucht das menschliche Herz? Wie kann man seinen Durst wahrhaftig stillen? Wie wichtig ist es gerade für den, der sich am Evangelium orientieren will, nicht alles auf Geschäft und Gewinn zu reduzieren!"
Es gelte Zeit und Ruhe zu haben und „die Menschen und jedes Ding zu würdigen". „Liebe Brüder und Schwestern, gestaltet eure Berufung zur Gastfreundschaft in diesem Sinn" rief der Papst auf.
Mit Blick auf die zahlreichen Migranten, für die die Kanaren eine Erstaufnahmestelle sind, sagte Leo: „Die größte Gnade besteht allerdings darin, dass wir uns von denen evangelisieren lassen, denen wir zu Hilfe kommen." Arme und Bedürftige könnten mit ihren Erfahrungen viele Menschen lehren, „die nicht solche Grenzerfahrungen in ihrem Leben" gemacht haben, betonte der Papst.
„Liebe Brüder und Schwestern, ich danke euch dafür, wer ihr seid, danke für das, was ihr tut, indem ihr diese Insel zu einem Ort macht, an dem man das Herz Christi im freunschaftlichen und gastfreundlichen Antlitz brüderlicher Menschen und Gemeinschaften finden kann."
Leo rief alle dazu auf, ihre Aufmerksamkeit auf die Jugend, auf Reiche wie Arme, Einheimische wie Gästen zu richten: „Sie alle müssen mit einem Blick wahrgenommen werden, der über den äußeren Schein hinausgeht und die Tiefe ihrer unruhigen Herzen erkennt, die nicht selten – vielleicht unbewusst – bereits auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit ausgerichtet sind. Ihr sollt davon überzeugt sein: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm (1 Joh 4,16). Das ist das Herz des Evangeliums, das Herz Christi. Wer darin eintaucht, lebt nicht mehr für sich allein. Öffnet allen dieses Meer der Liebe! Das ist mein Wunsch und mein Gebet für euch und für alle, denen ihr begegnen werdet."
Bischof: Der Papst ist einer von uns*
Der Bischof von San Cristóbal de La Laguna (Teneriffa), Eloy Alberto Santiago, richtete zum Ende der Messe einige Dankesworte an Papst Leo XIV. Er sprach von einem „Moment der Gnade für diese Teilkirche, die sich am Kreuzungspunkt zwischen Europa, Amerika und Afrika befindet". Und er versicherte dem katholischen Kirchenoberhaupt, die Unterstützung der Katholiken:
„Zählen Sie auf uns, Heiliger Vater, bei der Verwirklichung dieses Wunsches nach einer Kirche als Sauerteig für eine versöhnte Welt; einer Kirche, die das großartige Menschsein, das uns als Geschenk gegeben wurde, zu bewahren und zum Erblühen zu bringen weiß – in Respekt vor der Menschenwürde, im Schutz der grundlegenden Menschenrechte und in der Förderung einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, die zum Wachstum der menschlichen Geschwisterlichkeit und der gesellschaftlichen Freundschaft führt."
Konkret bekräftigte Bischof Eloy Alberto Santiago, man werde auch künftig den Einsatz für Migranten und Arme, Umwelt und Friede fortsetzen. Er schloss mit den Worten:
„Der Papst ist einer von uns, so empfinden wir es und so werden wir es in Erinnerung behalten, Eure Heiligkeit. Papst Leo XIV. ist auch ein Kanarier, und auf diesen Inseln wird er immer sein Zuhause haben. Danke, Heiliger Vater!"
Die Dankesworte des Papstes
Nach den Dankesworten des Bischofs richtete Papst Leo XIV. zum Ende der Messe und seiner Spanienreise - immer wieder von Applaus unterbrochen - noch folgendes Grußwort an alle:
„Exzellenz, ich danke Ihnen von Herzen, und mit Ihnen dem ganzen Volk von Teneriffa, seinen Hirten und den zivilen Autoritäten. Liebe Brüder und Schwestern, mit dieser Eucharistiefeier geht meine Apostolische Reise nach Spanien zu Ende. Ich danke Gott und all jenen, die mich empfangen und auf vielfältige Weise an der Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen Etappen in Madrid, Barcelona und Montserrat sowie hier auf den Kanarischen Inseln mitgewirkt haben.
Innerlich bewegt von der großen Zuneigung, die mir entgegengebracht wurde, und gestärkt durch die Zeugnisse des Glaubens und der Liebe zur Kirche – Ausdruck des großen katholischen Herzens Spaniens – breche ich wieder nach Rom auf.
Von diesem Hafen aus, der den Namen des Heiligen Kreuzes trägt, gehen meine Gedanken hinaus in die ganze Welt und zu ihren Wunden, unter denen ganze Völker leiden. An alle möchte ich das Motto meiner Reise richten: „Erhebt eure Augen!“. Ja, richten wir unseren Blick auf den gekreuzigten Christus: Sein Herz ist die Quelle der Barmherzigkeit, die allein die Menschheit retten kann, die der Vergebung und der Versöhnung bedarf, um zu einem wahren und dauerhaften Frieden zu gelangen. Erheben wir den Blick, wie es Maria, die Mutter aller Leidenden, tat, und lassen wir uns von ihr leiten, um den Weg mit Hoffnung fortzusetzen!
Liebe Brüder und Schwestern! Herzlichen Dank! Bleiben wir im Gebet verbunden und in der Gemeinschaft in Christus und in der heiligen Kirche.
*Dieser Beitrag wurde um 15:55 um die Dankesworte des Bischofs und des Papstes ergänzt
(vatican news - sst)
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