Ein Diakon wills wissen: Geert de Cubber besucht Kollegen weltweit
Gudrun Sailer – Vatikanstadt
De Cubber hat als einziger Ständiger Diakon an beiden Versammlungen der Weltsynode zum Thema Synodalität im Vatikan teilgenommen. Das Anliegen seiner Breiten- und Tiefenrecherche erklärt er im Gespräch mit uns so: „Tja, warum ein Buch über Diakone? Weil, glaube ich, dieses Amt heute oft unterschätzt wird. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich sehr vieles entwickelt. Diakone stehen mitten im Leben zwischen Familie, Beruf und kirchlichem Dienst und sie zeigen, wie Kirche konkret und alltagsnah dienen kann und wie sich das auch ändern kann.“
Das Konzil, das 1962 bis 1965 tagte, hatte den Ständigen Diakonat als eigene Weihestufe wieder etabliert; zuvor war der Dienst in der Kirche in Vergessenheit geraten, obwohl schon die Heilige Schrift von ihm spricht und Diakone, auch Diakoninnen, bezeugt sind. 2023 und 2024 machte de Cubber ausgerechnet im Vatikan eine Entdeckung, die ihn überraschte. „Meine Erfahrung während der Weltsynode hat mir gezeigt, dass die eigene Berufung der Diakone erstaunlich wenig bekannt ist, sogar bei Menschen in kirchlicher Leitungsverantwortung.“
Dabei hapert es nicht an der Theologie – diese hat in den vergangenen Jahrzehnten gute Arbeit geleistet: „Theorie gibt es inzwischen genügend, sogar mehrere, sagen wir mal, Theologien des Diakonats. Da habe ich nichts hinzuzufügen. Was aber weitgehend fehlt, sind die Stimmen der Diakone selbst und die Stimmen ihrer Familie, denn ihre Ehefrauen und ihre Kinder haben, glaube ich, auch etwas dazu zu sagen. Und genau das möchte ich hörbar machen - und damit anschließend an die Weltsynode auch einen Beitrag zum Entscheidungsprozess über das Diakonat leisten“, erklärt de Cubber.
Und noch einen zweiten überraschenden Befund zum Thema Diakonat hat der Belgier zu teilen. „Manchmal wird gesagt, Diakone gibt es nur in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten, aber das stimmt nicht. Das habe ich beim Jubiläum der Diakone im Februar 25 in Rom selbst feststellen können. Dort bin ich Diakonen aus allen Kontinenten begegnet, aus ganz unterschiedlichen kirchlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten.“
Genau diese weltweite Vielfalt möchte de Cubber mit seinem Buch sichtbar machen. „Deshalb werde ich auch auf allen Kontinenten unterwegs sein, um dort mit Diakonen zu sprechen, um ihre Erfahrungen, ihre Herausforderungen, ihre geistliche Perspektive hörbar zu machen. Die Diakone sind da in allen Ecken der Welt, also reise ich auch zu allen Ecken der Welt.“
Ein zentrales Thema seiner Gespräche mit den anderen Diakonen und ihren Familien sieht er in der Synodalität, die de Cubber definiert als „gemeinsam einander und dem Heiligen Geist zuzuhören und Entscheidungen zu treffen“. Warum haben Diakone gerade in diesem Punkt viel zu bieten? „Weil sie gerade zwischen Kirche und Alltag stehen“, erklärt der Belgier. „Und viele verbinden Familie und Beruf mit ihrem Dienst und bringen dadurch ein gutes Gespür für die Lebensrealität der Menschen mit.“
Eben darin liege die besondere Aufgabe des Ständigen Diakonats. „Diakone sind vom Wesen ihres Amtes her auf Dienst und Nähe ausgerichtet. Sie können dafür sorgen, dass die Stimmen der Menschen, auch der Menschen am Rande, wirklich gehört werden. Und so ist das Diakonat selber ein sehr synodales Amt oder könnte es ein sehr synodales Amt sein.“
Erste Etappe: Chicago, USA
Nach Ostern startet Diakon de Cubber seine Recherche- und Begegnungreise. Erste Etappe: Chicago, USA. Das Buch zum Ständigen Diakonat plant er 2028 zu. veröffentlichen.
(vatican news – gs)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.