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Reportage zum Papstbesuch in Acerra: Von der Campania felix zur „Terra dei Fuochi“

Papst Leo XIV. hat an diesem Samstag Acerra besucht – eine Stadt mitten in der sogenannten „Terra dei Fuochi“. Eine Reportage über sichtbare und verborgene Umweltschäden, über Müll, der seit Jahrzehnten Böden und Gesundheit belastet, und über Menschen, die vom Papstbesuch vor allem eines erhoffen: dass ihr Leid nicht weiter übersehen wird.

Videoreportage von Antonella Palermo - Acerra

Asbest, Elektrogeräte, Farben, Industrieabfälle – sogar Reste eines aus einem Raub stammenden Geldautomaten: Nur wenige Schritte vom Zentrum Acerras entfernt liegt Müll an den Straßenrändern, in offenen Deponien, die zu Niemandsland geworden sind. Doch das, was sichtbar ist, ist nach Einschätzung von Umweltschützern nicht einmal das größte Problem. Noch gefährlicher sei der Müll, der seit Jahrzehnten unter der Erde liegt und die Böden tief verseucht.

Acerra gehört zu jener Region in Kampanien, die als „Terra dei Fuochi“ bekannt geworden ist. Der Ausdruck verweist auf illegale Müllentsorgung, brennende Abfälle und Umweltkriminalität. Dabei war dieses Gebiet einst Teil der berühmten „Campania felix“, eines besonders fruchtbaren Landstrichs Süditaliens. Heute liegen giftige Stoffe neben Gemüsefeldern; Böden, die landwirtschaftlich zu den wertvollsten der Region zählen könnten, sind vielerorts schwer belastet.

Müll an verlassenen Gebieten
Müll an verlassenen Gebieten

Michele Pannella und Alessandro Cannavacciuolo von der Initiative „Volontari antiroghi Acerra“, die sich gegen illegale Müllverbrennung engagiert, versuchen seit Jahren, die Aufmerksamkeit für dieses Umweltdrama wachzuhalten. Nach Angaben der Aktivisten reicht es bis in die späten 1990er und frühen 2000er Jahre zurück. Damals hätten lokale Unternehmen aus der Abfallbehandlung und Betonproduktion unter dem Deckmantel der Herstellung von „Qualitätskompost“ ein Gemisch aus schädlichen flüssigen und festen Stoffen auf Felder ausgebracht. Viele Landwirte hätten davon nichts gewusst. Die Folgen betreffen Böden, Gesundheit und das Leben der Menschen vor Ort. „Wir haben erreicht, dass nach Verurteilungen wegen schweren Umweltdesasters 222 Millionen Euro beschlagnahmt wurden“, sagen Pannella und Cannavacciuolo.

Der sichtbare Müll sei nicht so schlim...
Der sichtbare Müll sei nicht so schlim...

Die gesundheitlichen Folgen in der Region seien enorm, berichten sie. Viele Familien in der Region seien von Krebsfällen betroffen.  auch die Fruchtbarkeit der Menschen, die hier leben, werde beeinträchtigt. Für die Aktivisten ist die „Terra dei Fuochi“ deshalb nicht nur ein Umweltproblem, sondern eine Frage von Gerechtigkeit, Gesundheit und Menschenwürde.

„Verlasst uns nicht, kommt zurück“, sagen sie, während sie durch die belasteten Gebiete führen. Ihre Bitte richtet sich an Öffentlichkeit, Politik und Kirche. Der Besuch von Papst Leo XIV. in Acerra rückt ein Gebiet in den Blick, in dem der „Schrei der Schöpfung und der Armen“ besonders konkret geworden ist – und in dem viele Menschen vor allem eines fordern: dass ihr Leid nicht übersehen wird.

(vatican news - bp)

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23. Mai 2026, 17:49