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Priester bei einem Jugendtreffen in Lednica - Aufnahme von 2022 Priester bei einem Jugendtreffen in Lednica - Aufnahme von 2022  (ANSA)

Polen: Weniger als 200 Priesterweihen

Die Zahl der Priesterweihen in Polen ist 2026 erstmals seit dem Jahr 2000 wieder unter die Marke von 200 gefallen.



Nach aktuellen kirchlichen Prognosen werden in diesem Jahr 196 neue Priester geweiht, darunter 130 Diözesan- und 66 Ordenspriester. Das meldet die polnische Nachrichtenagentur KAI im Vorfeld des traditionellen Weihetages zum Hochfest Peter und Paul am 29. Juni.

Der Rückgang reiht sich in eine längerfristige Entwicklung ein, die bereits in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar wurde (2024: 235 Weihen, 2025: 208 Weihen). Damit setzt sich eine strukturelle Abwärtsbewegung fort, die die katholische Kirche in Polen zunehmend beschäftigt.

In absoluten Zahlen weiterhin Spitzenreiter

Trotz dieses Rückgangs bleibt Polen weiterhin das europäische Land mit den höchsten absoluten Zahlen an Priesterweihen. Im Vergleich dazu liegen Frankreich und Deutschland deutlich darunter. Gleichzeitig verliert das Land jedoch seine bisherige Rolle als einer der wichtigsten „Exportstaaten“ für Priesterberufe in Europa sowie für Missionen in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo polnische Geistliche traditionell in großer Zahl tätig waren.


Innerhalb Polens zeigt sich zudem eine starke regionale Ungleichverteilung der Berufungen. Einige Diözesen wie Tarnów verzeichnen weiterhin relativ stabile Zahlen, während andere Diözesen im Jahr 2026 keine einzige Priesterweihe melden.

Verschiedene Einflussfaktoren

Als strukturelle Faktoren werden in kirchlichen Analysen mehrere Entwicklungen genannt. Dazu zählen die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft, der Einfluss eines zunehmend pluralistischen und konsumorientierten Lebensstils sowie demografische Veränderungen mit sinkenden Geburtenraten. Auch die Reform der Priesterausbildung wird als möglicher Einflussfaktor diskutiert: Die Ausbildungszeit wurde in vielen Priesterseminaren durch ein zusätzliches propädeutisches Jahr auf insgesamt sieben Jahre verlängert, was kurzfristig zu geringeren Abschlusszahlen führen kann.

Kirchliche Verantwortliche interpretieren die Entwicklung teils als Normalisierung nach einer außergewöhnlichen Phase hoher Berufungszahlen im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Besonders unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) rund um das Ende des Kommunismus hatte die katholische Kirche in Polen einen starken Zulauf an Seminaristen erlebt - der absolute Höchststand an Weihen in der Geschichte des Landes betrug 900 im Jahr 1995 -, der sich nun offenbar nicht auf diesem Niveau fortsetzt. Laut der nationalen Kirchenstatistik sank auch die Gesamtzahl der Diözesanpriester in Polen zwischen 2018 und 2024 um 6,4 Prozent.

(kap – sk)
 

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22. Juni 2026, 12:22