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Papst Leo bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch Papst Leo bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch  (AFP or licensors)

Wortlaut: Papstkatechese bei der Generalaudienz am 27. Mai

Hier in einer Arbeitsübersetzung die Katechese, die Papst Leo XIV. bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch, den 27. Mai, gehalten hat. Die amtliche Fassung findet sich etwas später auf der Archivwebseite www.vatican.va.



Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag und herzlich willkommen!

In der Enzyklika Mediator Dei schreibt der ehrwürdige Papst Pius XII.: „Die Kirche ist ein lebendiger Organismus; deshalb wächst sie und entfaltet sich auch in ihrer Liturgie und passt sich den zeitbedingten Notwendigkeiten und Umständen an, immer unter Wahrung der Unversehrtheit ihrer Lehre“ (vgl. MD 58).

In völliger Kontinuität mit diesem Grundsatz betont das Zweite Vatikanische Konzil im Proömium der Konstitution Sacrosanctum Concilium (SC). Das Konzil sieht es als seine Pflicht an, „sich in besonderer Weise auch um die Erneuerung und die Förderung der Liturgie zu sorgen“ (SC 1). Die Konzilsväter hatten sich versammelt, um „das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu mehren, jene Einrichtungen, die dem Wandel unterworfen sind, den Bedürfnissen unseres Zeitalters besser anzupassen, alles zu fördern, was zur Einheit aller an Christus Glaubenden beitragen kann, und das zu stärken, was dient, alle in den Schoß der Kirche zu rufen“ (SC 1).

„Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sondern sie drückt sich auch in ihr aus“

In jenem historischen Moment war das Bedürfnis nach einer Erneuerung der rituellen Formen stark spürbar. Durch diese Formen hatte die Kirche über Jahrhunderte Gott verherrlicht und das christliche Volk geheiligt. Dank der Liturgischen Bewegung reifte eine Überzeugung, die der heilige Johannes Paul II. später so ausdrückte: „Es besteht in der Tat ein enger und organischer Zusammenhang zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des gesamten Lebens der Kirche. Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sondern sie drückt sich auch in ihr aus und schöpft aus ihr die Kräfte für das Leben“ (Schreiben Dominicae Cenae, 13).

Die Konstitution Sacrosanctum Concilium wollte den Gläubigen den Zugang zu den Gnaden der heiligen Liturgie erleichtern. Daher gibt sie mit einer sehr treffenden Formel die Richtung vor: Man muss „die gesunde Tradition glücklich bewahren und doch dem berechtigten Fortschritt den Weg öffnen“ (SC 23).

Papst Benedikt XVI. sah in dieser Absichtserklärung das „Reformprogramm“ der Konzilsväter. Es hält das Gleichgewicht zwischen der großen liturgischen Tradition der Vergangenheit und der Zukunft. Er bemerkte: „Nicht selten werden Tradition und Fortschritt auf ungeschickte Weise miteinander in Gegensatz gebracht.“ In Wirklichkeit ergänzen sich die beiden Begriffe: „Die Tradition ist eine lebendige Wirklichkeit und schließt daher in sich das Prinzip der Entwicklung, des Fortschritts ein. Es ist, als bringe der Fluss der Tradition immer seine Quelle mit sich und strebe zu seiner Mündung“ (Ansprache an die Mitglieder des Päpstlichen Liturgischen Instituts Sant’Anselmo, 6. Mai 2011). 

Das Konzil bestätigt, dass ein solcher Fortschritt rechtmäßig ist, wenn er in der authentischen Tradition wurzelt. Dabei unterscheidet es in der Liturgie zwischen einem Teil, „der unveränderlich ist, weil von göttlicher Einsetzung“, und Teilen, „die dem Wandel unterworfen sind“. Diese Teile „können im Laufe der Zeiten geändert werden oder müssen es sogar, wenn sich Elemente in sie eingeschlichen haben sollten, die der inneren Natur der Liturgie weniger entsprechen, oder wenn sie weniger zeitgemäß geworden sind“ (SC 21). Solche Änderungen gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Sie halfen den Gläubigen, durch die Riten fruchtbar am Paschamysterium Christi teilzunehmen.

„Heute müssen wir diese Kraft erneuern“

Dieses Geheimnis ist das Fundament des christlichen Glaubens. Der Kult der Kirche hat so in den kulturellen Formen der jeweiligen Epoche Fleisch angenommen. Er konnte diese Formen beeinflussen und sogar verwandeln. Die Liturgie war über Jahrhunderte ein Motor der Evangelisierung. Heute müssen wir diese Kraft erneuern. Dies muss in Kontinuität mit der authentischen und lebendigen katholischen Tradition geschehen, um die Gläubigen in die Fülle der Wahrheit einzuführen.

Man versteht daher, warum die Konzilsväter bei der Überarbeitung der Riten Folgendes empfohlen haben: Eine Reform darf nur erfolgen, wenn „ein echter und gewisser Nutzen der Kirche es erfordert“. Zudem muss man darauf achten, „dass die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen“ (SC 23). Zum Wohl der ganzen Kirche muss jeder Reform „eine sorgfältige theologische, historische und pastorale Untersuchung voraufgehen“ (SC 23). Das konziliare Lehramt lädt dazu ein, eine Verunsicherung der Gläubigen zu vermeiden. Es hält jeden davon ab, in der Liturgie eigenmächtig etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu ändern (vgl. SC 22). Der von der Konstitution geforderte Fortschritt gefährdet die kirchliche Gemeinschaft keineswegs. Er will sie vielmehr festigen und fördern.

Ich ermutige daher alle, die Gottesdienste vorbereiten. Dies gilt besonders für die Priester, die den liturgischen Vorsitz innehaben. Sie sollen stets die Texte und die Ordnungen der Liturgie achten. Dieser Respekt entspringt einer inneren Haltung der Offenheit und des Vertrauens auf Gott. Er zeigt Demut vor seiner Größe und aufrichtige Treue zur Gemeinschaft der Kirche.

(vatican news)

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27. Mai 2026, 10:51

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